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Full text of "Émile Zola"

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baraate" 


-:  DIE 

1  LITERATUR 

H!  4ERAUSGEGEBEN  -VON 

*  3E0RGBRANDES 


BARDHAmCßRDT^O>BERl3^ 

335 


UCSB   LIBRARY 


4  .t- 


DIE     LI TERATUR 

SAMMLUNG  ILLUSTRIERTER 

EINZELDARSTELLUNGEN 

HERAUSGEGEBEN  VON 

GEORG   BRANDES 


ACHTUNDZWANZIGSTER  BAND 


Entwurf  eines  Zola-Monuments 

von  Constantin  Heanter 


Photographie  Keller  &  Retner 
in  Berlin,    Copyright  1906 


DIE 

\LITERATUR 

HERAUSGEGEBENVON 

GFORG-RR  ANDFS 


BARD-mRQVARDTeFeBEfiLlW 


Published  November  i $.  1906. 
Privilege  of  Copyright  in  the 
United  States  reserved  under  the 
act  approved  March  3.  i^o^by 
Bard,  Marquardter  Co.  in  Berlin 


ffs  * 

i?f? 

7^f  GE7S7"E  ZOLJIS! 

EINHÖRIGE    WOLLEN 

dies  zum  so  und  so  vielten  Male 
festgestellt  haben:  Die  höhere 
Kultur  in  Europa  ist  des  Spek- 
takels und  Getöses  der  Massen 
müde. 

Selbst  wo  die  Massen  das  Bild 
der  Größe  und  Heldenhaftigkeit  gewähren,  in 
organisierten  Kämpfen  um  Brot  und  Recht  wie 
in  blutigen  Schlachten  und  Revolutionen,  sind 
sie  im  Grunde  nicht  besser  als  da,  wo  sie  sich 
ducken  und  blöde  dem  harten  Einerlei  ihres 
Lebensbetriebes  im  grauen  Alltag  sich  unter- 
werfen. 

Man  sagt  heute  Masse,  wo  das  freundliche 
Übereinkommen  früher  das  Wort  Volk  setzte. 
Eine  Variante  lautet  Pöbel.  Verdorbenes  und 
Verkommenes  aus  besseren  Entwicklungszeiten 
neben  ursprünglich  Rohem  drängt  sich  im  Pöbel 
zusammen.  Pöbel  ist  unten  und  Pöbel  ist  oben, 
trägt  Masken  und  Verkleidungen,  sitzt  zuweilen 
auf  Thronen,  Minister-  und  Bischofsstühlen,  hält 
die  Wage  der  Gerechtigkeit;  kommandiert,  drillt, 
lehrt,  predigt.  Die  Sozialdemokraten  selbst  wei- 
sen mit  aristokratischem  Akzent  auf  ein  unter 
ihnen  stehendes  Lumpenproletariat.  So  muß 
die  Gesellschaftskritik  in  der  Wortwahl  rück- 
sichtsloser werden. 


2  MICHAEL  GEOJjG  COJVJjJlD 

Die  Höhe  der  Kultur  bemißt  sich  nach  der 
Zahl  und  Stärke  der  Siege,  die  von  den  schöp- 
ferischen freien  Geistern  gegen  Volk,  Masse, 
Pöbel  und  deren  überlieferte  Meinungen  ge- 
wonnen werden.  Es  gibt  im  irdischen  Daseins- 
kampfe keine  wertvolleren  Siege.  Sie  allein  we- 
ben um  das  brutale  Erdenleben  den  schönen 
Schein  aufsteigender  edler  Menschlichkeit.  Da- 
neben verblassen  die  Heiligenscheine  derjenigen, 
die  ihr  Leben  dem  Traum  einer  zukünftigen 
Massen-Beseligung  in  einem  himmlischen  Jen- 
seits zum  Opfer  gebracht.  Nicht  langsamer  wird 
der  Glanz  um  den  Namen  der  Massenheilkünder 
im  seligen  Zukunftsstaat  verblassen.  Die  Erlö- 
sung der  Welt  kommt,  wenn  das  pompöse  Wort 
einem  Irdischen  gestattet  ist,  durch  die  höhere 
Kultur,  die  ihrem  inneren  Auslese-Gesetz  treu 
bleibt:  Wille  zur  Macht!  Wille  zur  Göttlichkeit! 

Dieser  Wille  zur  Macht  erfüllt  den  letzten 
Sinn  des  Lebens  und  seiner  unlösbaren  Rätsel: 
er  verwirklicht  die  Leitbilder  in  der  Seele  der 
starken  Menschen,  die  ]  deale  des  typischen  Men- 
schentums. Die  höchsten  Exemplare  der  Gat- 
tung werden  damit  zu  Vollendern  der  Natur,  zu 
Mitarbeitern  Gottes. 

Und  dies,  behaupten  die  Feinhörigen,  bleibe 
ewig  die  Herausforderung  an  die  Welt:  du  hast 
genau  soviel  Bedeutung,  als  du  höhere  Kultur 
verwirklichst,  genau  so  viel  Wert,  als  du  dich 
mit  den  Leitbildern  der  Großen  beseelst.  Keiner 


EMILE  ZOLA 


kann  sich  seine  eigene  Seele  bauen,  der  sich  von 
der  flüchtigen  Erscheinung  der  Dinge  beherr- 
schen läßt,  statt  sie  sich,  seinem  Ichbewußtsein, 
Untertan  zu  machen. 

Von  der  intellektuellen  Seite:  die  großen  Künst- 
ler, Dichter,  Forscher,  Gelehrten,  von  der  ma- 
teriellen Seite:  die  Industriellen,  Händler,  Po- 
litiker—  sie  sind  als  die  ausgeprägten  Vollzieher 
des  Willens  zur  Macht  die  Schöpfer  und  Er- 
halter der  höheren  Kultur,  die  Wertbildner  des 
werktätigen  Lebens.  Sie  kennen  kein  anderes 
Gesetz  als  das  in  ihrer  Brust  und  wissen,  daß 
sich  dieses  mit  der  unweigerlichen  Gesetzmäßig- 
keit alles  Geschehens  im  Himmel  und  auf  Er- 
den deckt.  Die  Fortschritte  der  höheren  Kultur 
selbst  hängen  ab  von  dem  Erfolge,  mit  welchem 
die  Erscheinungen  des  Kosmos  im  großen  wie 
im  kleinen  in  ihrer  durchgängigen  Gesetzmäßig- 
keit festgestellt  und  der  Einsicht  weiterer  Kreise 
einverleibt  werden. 

Die  Menschen  der  höheren  Kultur  sind  für 
sich  und  nur  sich  selbst  verantwortlich.  Gesetz- 
mäßigkeit ist  ihre  letzte  Rechtfertigung.  Sie  er- 
kennen im  Dogma  irgendwelcher  Art  nicht  mehr 
als  eine  beliebige  Behauptung,  deren  Beweis 
nicht  erbracht  ist  und  deren  Bedeutung  nur  nach 
dem  moralischen  Rang  ihres  Urhebers  rubriziert 
wird.  Sie  fragen  nichts  nach  Rücksichten  auf  die 
Interessen  einer  Gemeinde,  eines  Vereins,  einer 
Zunft,   einer   Brüderschaft.     Ihre  ganze  Liebe 


4  MICHAEL  GEOJ{G  C0JV71AD 

und  Ehrfurcht  gehört  ihrem  Werke.  Alles  ist 
ihnen  erlaubt  in  Wort  und  Tat,  was  ihrem  Werke 
dient,  dem  Ausbau  der  höheren  Kultur.  Kein 
kritischer  Spruch  aus  den  unteren  Sphären,  kein 
Wehschrei  der  Mittelmäßigen  und  Dummen  be- 
rührt sie.  Die  Geschichte  der  geistigen  Welt 
ist  die  Geschichte  des  Kampfes  um  die  höhere 
Kultur.  Die  Kirchen  mit  dem  Dogma  vom  Ewig- 
gestrigen scheiden  von  selbst  aus.  Sie  bewah- 
ren ihr  Wesen  für  sich  und  haben  ihre  aktive 
Rolle  als  historischer  Faktor  zur  Höherführung 
der  Zivilisation  aufgegeben.  Sie  kennen  kein 
Aufwärts,  sie  bewegen  sich  im  Kreis.  Als  ge- 
schichtliche Erscheinung  erwecken  sie  lebhaftes 
1  nteresse  und  lösen  vornehmlich  ästhetische  Reize 
von  intimer  Stimmungsgewalt  aus.  Wo  sich  ihre 
Einflußsphäre  mit  der  höheren  Kultur  berührt, 
ist  äußerstes  Mißtrauen  und  Achtgeben  am  Platze. 
Hier  können  sich  Reibungsflächen  bilden  mit 
all  dem  widerlichen  Getöse  der  Massen  und  dem 
Gebrause  des  Pöbelwindes.  Die  Stumpfen,  die 
Gleichgültigen,  die  Rohen  und  Zukurzgekom- 
menen  mögen  in  ihren  Fabel-  und  Märchen- 
grenzen verharren. 

Der  Kern  aller  Wahrheit  und  Schönheit  ruht 
in  der  ungebrochenen  Kraft  des  Menschlichen 
mit  der  ganzen  Fülle  seiner  Impulse.  Aus  ihr 
stammt  alle  geistige  und  nationale  Erneuerung 
der  alten  Völkergruppen.  Und  diese  Erneue- 
rung vollzieht  sich  in  dem  Maße  und  Grade  der 


EMILE  ZOLA  5 

Durchsetzung  der  aJten  Völkergruppen  mit  neuen 
Kulturträgern  in  den  verschiedenen  sozialen 
Schichten.  Der  heilige  Geist  der  Kultur  bindet 
sich  an  keine  Klasse,  privilegiert  keinen  Stand. 
Der  Arbeiter,  der  Bauer,  der  Handwerker  wird 
von  seinem  Wehen  erfaßt.  Die  großen  Strö- 
mungen aus  allen  Zeiten  und  allen  Enden  der 
Menschheit  erfüllen  die  Luft.  Der  Geist  eines 
Eseltreibers,  der  nie  von  Goethe,  Shakespeare, 
Napoleon,  Dante,  Bismarck,  Darwin,  Michel- 
angelo und  allen  Sternbildern  der  Großen  ge- 
hört hat,  wird  verändert  durch  die  Tatsache,  daß 
sie  existieren  und  fortwirken  und  daß  sich  im- 
mer neue  Lichtquellen  um  sie  reihen.  Und  nicht 
nur  der  Geist  des  Eseltreibers  und  das  Gemüt 
des  Straßenkehrers  werden  unbewußt  verändert 
durch  den  leuchtenden  Schönheitshimmel  über 
ihnen  und  durch  die  Lichtelemente,  die  rings 
die  Luft  durchzittern,  auch  jene  stolzen  Bürger, 
die  ihr  ausgiebiges  Brot  und  ihre  amtlich  be- 
stätigte vornehme  Bildung  und  ihre  feine  Stel- 
lung noch  von  den  alten  Autoritäten  beziehen, 
die  der  höheren  Kultur  nur  noch  Schatten  und 
Schemen  sind,  selbst  sie,  soweit  sie  nicht  durch 
und  durch  verdumpft  sind,  ziehen  den  Lebens- 
odem, der  ihren  geistigen  Fortbestand  ermög- 
licht, aus  den  frischen  Strömungen  der  höheren 
Kultur.  Die  ganze  staatlich  geordnete  Bildungs- 
welt würde  im  eigenen  Staub  ersticken,  wenn 
die  vom  staatlichen  Konservatismus  verfehmten 


6  MJCHJIEL  GEOJjG  CONRAD 

Zivilisation  -  Revolutionäre    nicht  für   Auslüf- 
tung  sorgten. 

Die  überlieferten  Staatsformen  sind  kaum  mehr 
als  alte  Theaterkulissen.  Trotz  allen  dynasti- 
schen Pompes  mit  seinen  mystischen  Gottes- 
gnadentümlichkeiten  sieht  sich  das  brave  Europa 
durch  die  Not  der  Entwicklung  gezwungen,  sich 
sachte  zu  nüchternen  Interessenbünden  umzu- 
wandeln. Im  Kampf  um  Arbeit  und  Brot  ha- 
ben die  Massen  ihr  Recht  am  Betrieb  der  Staats- 
verwaltung entdeckt,  und  die  Träger  der  Krone 
müssen  es  ruhig  gut  heißen,  daß  die  Regierun- 
gen mit  dem  Pöbel  paktieren,  um  überhaupt 
regieren  zu  können.  Mit  dem  Stimmrecht  ist 
der  Mechanismus  der  Zahl  über  den  alten  Staat 
Herr  geworden  und  hat  kaltblütig  die  Verpö- 
belung  des  Junkertums  in  die  Wege  geleitet. 
Manche  Staaten  haben  sich  durch  die  schlechte 
Führung  ihrer  Geschäfte  so  mit  Schande  be- 
deckt, daß  sie  nur  noch  schimpflich  fortexistie- 
ren, wie  ein  verlorener  Mensch  mit  Selbstmord- 
gedanken. In  dem  Maße,  wie  die  höhere  Kul- 
tur über  die  niedrigen  Staatsgewohnheiten  an 
Atmosphärendruck  gewinnt,  gerät  der  ganze  alte 
Sauerteig  im  Moralischen  und  Wirtschaftlichen 
in  Bewegung,  bis  er  schließlich  hinausgefegt 
wird.  Dazu  kommt,  daß  von  Staat  zu  Staat, 
über  die  fernsten  Grenzen  und  Ozeane  hin- 
weg, eine  wachsende  Willensübertragung  statt- 
findet, daß  sich  die  gegensätzlichen  Rassen  und 


EMILE  ZOLA 


KuJturordnungen  der  bewußten  Beeinflussung 
instinktiv  fügen,  gleichgültig,  welche  Komödie 
die  alte  Diplomatenkunst  mit  ihren  Vorbehalten 
und  Zugeständnissen  spielt.  Die  Staaten,  die 
mit  der  christlichen,  mit  der  konfessionell  rö- 
mischen oder  griechischen  Weltanschauung  als 
ihrer  unerschütterlichen  Grundlage  protzen,  müs- 
sen mit  Türken,  Juden  und  Heiden  paktieren, 
um  sich  auf  den  Beinen  zu  erhalten.  Die  wirk- 
liche Erscheinungswelt,  wie  sie  sich  in  den  heuti- 
gen Staaten  darstellt,  hat  mit  der  christlichen  Aera 
nur  noch  die  mittelalterliche  Auszeichnung  und 
repräsentative  Verehrung  der  Kirchengewalten 
gemeinsam;  vom  Mittelalter  sind  äußeres  Ge- 
pränge, Maulmachen  und  Bücklinge  geblieben. 
Der  Weltlauf  mit  seinem  ehernen  Gesetzesschritt 
beseitigt  jede  Entwicklungs-Hemmung.  Der 
Geist  der  Natur  ist  ewige  Wiedergeburt. 

Die  schärfste  Propaganda  der  Tat  für  den  Aus- 
bau der  höheren  Kultur  hat  im  neunzehnten 
Jahrhundert,  das  ein  symbolisches  Gewaltgenie 
von  dem  Ausmaße  des  Riesen  Napoleon  eröff- 
net hat,  das  Heraufkommen  der  großen  Willens- 
menschen, der  unbändigen  Arbeitsnaturen  in 
Kunst  und  Dichtung,  Forschung  und  Weltver- 
kehr, Staatenumbildung  und  Weltpolitik  einge- 
leitet. Damit  ist  eine  große  Verwandlung  auf 
der  Schaubühne  des  ererbten  Kulturbetriebes 
vor  sich  gegangen.  Der  ewig  rückwärts  ge- 
wandte Vergangenheitsmensch,    ganz   in    wohl- 


8  MICHAEL  GEOT{G  C0W7{JID 

präparierte  Historie  und  idealistisches  Denken 
und  Großvater-Begrifflichkeiten  versunken,  hat 
sich  in  den  positiven  Gegenwartsmenschen  um- 
gewandelt mit  dem  energischen  Blick  auf  die 
Zukunft.  Man  spricht  mit  Bewunderung  vom 
Amerikanismus. 

Befreit  von  so  vielem  Alterskram  und  senti- 
mentalem Schnickschnack,  kann  sich  der  mo- 
derne Mensch  die  Tugend  erlauben,  einmal  die 
Welt  kühl  von  oben  zu  nehmen  und  bei  Be- 
trachtung von  Gut  und  Bös,  Schön  und  Häß- 
lich, Freude  und  Qual  auf  alle  Gefühlseffekte 
zu  verzichten,  das  Konkrete  zum  Ausgang  sei- 
ner Schätzung  zu  nehmen,  nicht  die  Idee.  Mit 
diesem  Zusammenschließen  von  Geist  und  Ma- 
terie zur  großen,  auf  ewige  Gesetzmäßigkeit 
gestellte  Welteinheit  tritt  der  Monist  als  der 
geläuterte  Materialist  in  sein  Recht  und  nimmt 
zaglos  den  Wettkampf  mit  den  überlieferten  Welt- 
deutungen auf.  Mag  ersieh  als  voreiliger  Welt- 
rätsellöser Spott  holen,  als  Zerstörer  erschlaffen- 
der 1  llusionen  macht  er  sich  um  die  höhere  Kultur 
verdient.  Der  Glaube  an  den  Menschen  er- 
starkt mächtig  und  schafft  einem  neuen  Idealis- 
mus gesunden  Boden. 

Auch  die  Erscheinung  der  großen  Pessimisten 
in  der  Weltliteratur  erfährt  eine  Erklärung,  die 
die  Freude  am  Leben  begründet  und  steigert. 
Worin  wurzelt  der  wahre  Pessimismus?  In  der 
Nichtbefriedigung  der  Seele,  die  es  müde  ist, 


7  LiW,t    4U.   sfk.q.     6*iAct<-L 


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ttrifft  das  nachstehend  wiedergegebene  Porträt  nach  der  Radierung  Peter  Halms. 


EMILE  ZOLA 

DAS  ERSTE  IN  DEUTSCHLAND  VERÖFFENTLICHTE 

BILDNIS  VON  PETER  HALM. 


EMJLE  ZOLA 


in  der  Gemeinschaft  mit  den  Stumpfsinnigen 
und  Rohen  am  hohlen  Schein  zu  haften  und 
im  Staube  des  Alltags  nichts  Höheres  zu  finden. 
So  ist  der  Pessimist  imgrunde  der  echte  Idealist, 
und  einmal  die  Nichtigkeit  des  Gewöhnlichen 
durchschaut,  wird  er  in  seinem  gesunden  Blute 
alle  Instinkte  aufjauchzen  fühlen,  die  ihn  zur  Er- 
füllung seines  Lebens  und  Strebens  mit  einem 
ewigen  Inhalte  antreiben. 

Warum  das  Leben  verwünschen  und  vernei- 
nen, das  der  seelischen  Entfaltung  so  unerhörte 
Möglichkeiten  eröffnet?  Die  niedrige  Welt  mit 
ihren  Menschen,  an  die  er  geglaubt  hat,  ist  ihm 
zur  Qual  und  Täuschung  geworden.  Nun  tut 
sich  die  Welt  der  höheren  Kultur  vor  ihm  auf 
und  lockt  und  labt  ihn  mit  dem  Zauber  ihrer 
unvergänglichen  Schönheit.  So  ist  ihm  im  Um- 
gang mit  der  Niedrigkeit  des  Alltagsmenschen 
die  Ahnung  von  der  Größe  des  Höhenmenschen 
aufgegangen  und  von  der  Herrlichkeit  seiner 
irdischen  Aufgabe. 

Nicht  mehr  mit  höhnischem  Mißtrauen,  son- 
dern mit  Erkennerblick  und  Forscherlust  ruht 
das  Auge  auf  der  Natur,  auf  den  Menschen  und 
ihrem  Getriebe.  Das  Gefühl  der  stätigen  Ge- 
setzmäßigkeit in  allem  gibt  unserem  Wissen  einen 
treuen  Rückhalt  und  rückt  alle  Wissenschaften 
und  Methoden  auf  die  gleiche  Linie  geduldiger 
Forschungsarbeit.  Die  Summe  von  Wahrheit, 
so  gering  sie  auch  heute    noch    sein    mag,    am 

BHATWES:  DIE  UTET{JlTllJi.  BJIJVD  XXVIII  B 


IO  MICHAEL  GE0J{6  C0W{JID 

ferneren  ZieJ  gemessen,  gibt  dem  durch  die  Na- 
turwissenschaften neu  verjüngten  Menschengeist 
einen  Schwung  und  eine  Zuversicht,  die  über 
alle  Schranken  hinweg  helfen. 

Diese  Rückkehr  zur  Natur  in  den  Wissen- 
schaften und  Künsten,  in  Politik  und  Volks- 
wirtschaft begründet  den  wahren  Naturalismus, 
der  wie  die  Natur  selbst,  im  Niedrigsten  und 
Verachtetsten  und  Unscheinbarsten  die  Wunder 
seiner  Schöpfung  offenbart.  Aus  diesem  Na- 
turalismus wird  die  höhere  Kultur  die  reichsten 
Vorteile  ziehen;  mächtige  Energien,  heute  noch 
gefesselt,  wird  er  entbinden  helfen.  Aller  ge- 
sunde Idealismus  hat  den  wahren  Naturalismus 
zur  Voraussetzung.  Wer  Kunst  will,  einfach, 
stark,  seelenfüllend,  der  muß  sorgen,  daß  der 
Naturalismus  nicht  in  die  Brüche  und  Sümpfe 
gerate  oder  ganz  verkomme  und  verschwinde. 
Alle  Kunstrichtungen,  die  Dauerwerke  eigener 
Schönheit  geschaffen,  über  den  Wechsel  der  Zei- 
ten und  Moden  hinweg,  lebten  und  webten  im 
Naturalismus,  gingen  von  ihm  aus,  lenkten  zu 
ihm  zurück.  Der  ganze  Schatz  positiver  Kultur- 
arbeiten von  den  grauesten  Zeiten  bis  heute  wird 
durch  ihn  zusammengehalten.  Er  allein  brachte 
uns  über  die  Gefahr  des  Mittelalters  hinweg. 

Aber  es  gibt  Naturalismus  und  Naturalismus, 
je  nach  der  Hirn-  und  Herzenskraft,  darin  er 
sich  verkörpert.  Forscher  und  Künstler  in  Nie- 
dergangszeiten, mit  dem  fatalen  hippokratischen 


EMILE  ZOLA  II 

Zug  im  Gesicht,  werden  mit  einem  geringen, 
schwächlichen  Naturalismus  aufwarten  oder  gar 
nur  mit  schlechten  Surrogaten.  Alles  hängt  im 
Geistigen  ab  von  der  Qualität  des  Menschen. 
Kraft,  Gesundheit,  Ellbogenfreiheit  —  dann 
macht  sich  alles  übrige  von  selbst.  Der  große 
Mensch,  der  selbstherrliche  Mensch,  der  gött- 
liche Mensch  —  ohne  ihn  ist  alles  eitel  Pfuscherei. 
Was  er  macht  und  wie  er's  macht,  ist  groß,  gut, 
schön,  und  alles  Theoretisieren  und  Kritisieren 
drumherum  ist  Narrheit.  Sein  Werk  ist  Offen- 
barung wie  die  Schöpfung. 

Der  imperative  Kritiker,  gibt  es  eine  düm- 
mere Hanswurstiade,  als  er  sie  mit  seinem  „die 
Kunst  soll,  der  Künstler  muß,  vom  Kunstwerk 

ist  zu  fordern "  und  so  weiter?    Gar  nichts 

soll  und  muß  der  Künstler:  er  stellt  sein  Werk 
aus  sich  heraus  ans  Licht,  wie  es  in  ihm  leben- 
dig geworden,  nun  kann  werden  was  da  will, 
es  ist  da  und  lebt  sein  eigenes  Leben,  und  was 
an  ihm  sterblich  ist,  das  stirbt.  Fertig.  Was 
hat  denn  der  Herr  Geheimrat  Prof.  Dr.  Müller 
oder  Piefke  oder  der  Monsieur  Aunezcass6  für 
ein  Recht,  mehr  und  anderes  zu  verlangen?  Im 
Namen  einer  Doktrin,  im  Namen  einer  Moral? 
Was  kümmert  denn  den  schöpferischen  Men- 
schen, der  sich  zu  offenbaren  hat,  irgend  eine 
Doktrin,  irgend  eine  Moral,  die  nicht  heimlich 
in  seinem  Werke  selbst  lebt,  als  ursprüngliche, 
eingeborene  Mitgabe? 


12  MICHAEL  GEOTjG  COMJjAD 

Da  steht  der  Professor  der  Botanik  im  Wald 
vor  der  Eiche:  du  willst  ein  richtiger  Eichbaum 
sein?  Ich  will  dir  sagen,  wie  sich  dein  Wachs- 
tum zu  verhalten  hat,  wie  viel  Äste,  Blätter, 
Wurzeln,  welche  Gestalt  der  Stamm  und  alles 
übrige!  Oder  der  Professor  tritt  in  den  Gar- 
ten vor  den  Rosenstrauch:  Ich  bin  Botaniker 
und  will  dich  lehren,  wie  jede  einzelne  Rose 
nach  Farbe,  Größe,  Geruch  beschaffen  sein  muß, 
um  vollendet  zu  sein  und  den  ewigen  Regeln 
zu  entsprechen  und  sich  auch  nicht  gegen  das 
geringste  der  ewigen  Rosengesetze  zu  versün- 
digen! Und  ähnliches  nimmt  sich  der  Minera- 
log  heraus,  er  kritisiert  die  edlen  und  unedlen 
Steine,  und  der  Zoolog  und  der  Astronom  — 
alle,  alle,  die  klugen  Männer  der  Wissenschaft, 
helfen  der  Natur,  daß  sie  alles  richtig  heraus- 
bringt und  nicht  gegen  die  Satzungen  der  Schule 
verstößt! 

Und  dann  im  Chorus:  Denn  wir  sind  die  Ge- 
lehrten und  herrschen  im  Reiche  der  Wissen- 
schaft, jeder  ist  in  seinerSparte  unfehlbar,  und  die 
gesamte  Schöpfung  hat  sich  darnach  zu  richten! 

Ist  wirklich  ein  gesunder  Mensch  so  dumm? 

Aber  die  gelehrten  Herrscher  im  Reiche  des 
Kunstschaffens,  die  Ästhetiker  und  Historiker 
und  Kritiker,  haben  sie  nicht  ähnliche  Stücklein 
geleistet?     Leisten  sie  noch? 

Da  stand  in  Paris  ein  Mann  auf,  der  hieß 
Hypolite  Taine.    Da  stand  in  Kopenhagen  ein 


EMJLE  ZOLA  IJ 


Mann  auf,  der  hieß  Georg  Brandes.  Und  vor 
ihnen  war  in  Deutschland  schon  ein  ganz  an- 
derer aufgestanden,  der  hieß  Wolfgang  Goethe 
.  .  .  .  das  Geheimnis  des  Schaffens  und  einer 
großen  gemeinsamen  Lebensform  für  alle  künst- 
lerische Kultur,  wer  ergründet's? 


14  MICHAEL  GEOJ{G  C0N7{J[D 

M  UMKREISE  DJESERGE- 

danken  bewegten  sich  die  ersten 
Gespräche,  die  ich  in  den  Jah- 
ren meines  Pariser  Aufenthaltes, 
Frühjahr  1878  bis  Hochsommer 
1882,  mit  Emile  Zola  führen 
durfte.  Oft  rief  er  dazwischen: 
Sfein,  das  ist  Rhetorik,  das  ist  Metaphysik,  das  ist 
^omantizismus!  Wir  müssen  bei  der  einfachen 
Tatsache,  bei  dem  einfachen  Wort  dafür  blei- 
ben! Das  Publikum  freilich  dürstet  nach  Lü- 
gen—  und  die  Dichter  lügen!  Wir  aber  wollen 
der  Wahrheit  dienen!  Ach,  wie  ich  die  alte 
Lügnerei  hasse! 

Es  schien  ihm  oft  gar  nicht  darauf  anzukom- 
men, daß  sein  kritisches  Werk  als  der  gewaltig- 
ste Vorstoß  des  wissenschaftlichen  Materialis- 
mus in  der  Belletristik  erfaßt  und  als  schön- 
geistige Abrundung  der  Lehren  und  Ideen  der 
Führer  der  großen  Entwicklungskampagne,  der 
Darwin,  Vogt,  Moleschott,  Stuart  Mill,  Spen- 
cer, Taine  gegen  die  alte  Welt-  und  Lebens- 
auffassung gewürdigt  und  in  die  neue  Kultur- 
bewegung des  neunzehnten  Jahrhunderts  ein- 
gegliedert werde.  Der  Naturalismus  war  zu- 
nächst seine  Herzenssache,  seine  persönliche 
Angelegenheit.  Nicht  nur  ein  Ausschnitt,  ein 
Eckchen  Natur,  sondern  der  ganze  Zeitgehalt 
an  neuen  Ideen  sollte  durch  sein  Temperament 


EMILE  ZOLA 


hindurch  und  in  unwiderlegbaren  Formen  sieg- 
haftes Dasein  gewinnen. 

Zola,  der  Natur  auf  möglichst  kurzem  und  ein- 
wandfreiem Wege  in  Kunst  verwandelt,  Kunst 
als  Wahrheit  und  Herrscherin;  Zola,  der  durch 
sein  Werk  mitherrscht,  der  in  seinem  Experi- 
mentairoman eigenster  Erfindung  mit  der  Kul- 
tur seiner  Zeit  experimentiert  und  ihr  das  Be- 
kenntnis ihrer  Verlogenheit  und  Nichtsnutzig- 
keit abzwingt:  der  dumme  und  schlechte  meta- 
physische Mensch  von  gestern  und  heute  ist 
tot.  Die  modernen  Wissenschaften  im  Bunde 
mit  dem  künstlerischen  Naturalismus  haben  ihm 
den  Garaus  gemacht.  Für  die  echte  Beschaffen- 
heit der  menschlichen  Natur  hat  die  neue  wis- 
senschaftliche Beobachtung  die  ausreichenden 
Dokumente  geliefert.  Herrlich!  Alle  Träume 
und  Ideale  wiegt  die  eine  Größe  auf:  die  er- 
forschte Wahrheit.  Rien  que  la  verite!  Nichts 
als  die  Wahrheit!     Dreimal  herrlich . 

Und  dann  eilte  Zola  an  den  Schrank  und  griff 
den  ersten  Band  seiner  kritischen  Schriften  her- 
aus: Da  lesen  Sie!  Das  ist  die  Ouvertüre  —  und 
in  meiner  ganzen  Musik,  die  ich  noch  machen 
werde,  soll  man  den  Grundbaß  dieser  Ouver- 
türe zittern  hören.  Nichts  Einfacheres,  hören 
Sie! 

„Der  Haß  ist  heilig!  Er  ist  die  gerechte  Ent- 
rüstung der  großen  und  starken  Herzen,  die 
kampffrohe  Verachtung  derjenigen,  die  da  außer 


l6  M1CHJIEL  GEOJjG  COMjJID 

sich  geraten  über  die  Mittelmäßigkeit  und  die 
Dummheit!  Hassen  heißt  lieben,  heißt  sich 
feurig,  sich  hochherzig  fühlen,  heißt  aufgehn, 
aufatmen  in  dem  einen  großen  und  schönen  Ab- 
scheu vor  allem  Niedrigen  und  Erbärmlichen! 
Der  Haß  kühlt  und  erquickt,  der  Haß  spricht 
gerecht,  der  Haß  macht  groß!  Nach  jeder  mei- 
ner Empörungen  über  die  Seichtheiten  meines 
Zeitalters  fühlte  ich  mich  jugendfreudiger  und 
mutiger.  Ich  lud  mir  den  Haß  und  den  Stolz 
als  meine  beiden  Lieblingsgenossen;  es  gefiel 
mir,  mich  zu  vereinsamen  und  in  meiner  Ver- 
einsamung zu  hassen  alles,  was  die  Billigkeit 
verletzte  und  die  Wahrheit.  Und  wenn  ich  wirk- 
lich heut  etwas  gelte,  so  gelte  ich  es,  weil  ich 
für  mich  allein  dastehe  und  weil  ich  hasse!" 

Hören  Sie  noch  das! 

„Ich  hasse  die  Menschen,  die  sich  in  einen 
kleinen  persönlichen  Gedanken  einpferchen,  die 
herdenweise  daherlaufen,  sich  aneinander  drtik- 
ken  und  den  Kopf  zur  Erde  senken,  um  nicht 
den  großen  Lichtschein  des  Himmels  zu  sehen. 
Jede  Herde  hat  ihren  Gott,  ihren  Fetisch,  ihren 
Altar,  worauf  sie  die  große  menschliche  Wahr- 
heit abschlachtet.  Hunderte  solcher  Herden 
gibt's  in  Paris,  zwanzig  bis  dreißig  in  jeder  Ecke, 
und  jede  hat  ihre  Kanzel  und  von  jeder  schreien 
sie  das  Volk  an  .  .  .  Ein  schönes  Schauspiel, 
das  uns  dieses  kluge  und  gerechte  Paris  bietet! 
Hoch  oben  oder  tief  unten,  jedenfalls  in  einer 


EMILE  ZOLA 


weit  entlegenen  Sphäre,  wohnt  eine  einzige  und 
absolute  Wahrheit,  die  das  Weltall  regiert  und 
uns  der  Zukunft  entgegentreibt.  Hier  aber  gibt 
es  hundert  Wahrheiten,  die  sich  aneinander 
stoßen  und  zerbrechen,  hundert  Schulen,  die 
sich  beschimpfen,  hundert  Herden,  die  blöken 
und  nicht  vorwärts  wollen  ...  Ich  frage,  wo 
sind  die  freien  Menschen,  diejenigen,  die  ganz 
offen  leben,  die  ihren  Gedanken  nicht  in  den 
engen  Kreis  eines  Dogmas  einklemmen  und  die 
stolz  erhobenen  Hauptes  dem  Licht  entgegen- 
marschieren, ohne  zu  fürchten,  daß  sie  sich  mor- 
gen widersprechen,  da  sie  nur  um  das  Gerechte 
und  Wahre  sich  sorgen?" 

Und  noch  das! 

„Wir  stehen  auf  der  Schwelle  eines  Jahrhun- 
derts der  Wissenschaft  und  der  Wirklichkeit, 
und  es  erfaßt  uns  zuweilen  ein  Schwanken,  wir 
sind  wie  berauscht  von  dem  großen  Lichtglanz, 
der  sich  vor  uns  erhebt ...  Ich  hasse  die  Phi- 
lister, die  nur  bevormunden  wollen,  die  Pedan- 
ten und  Gimpel,  die  das  Leben  abweisen.  Ich 
bin  für  die  freien  Offenbarungen  des  mensch- 
lichen Genies.  Ich  glaube  an  eine  ununter- 
brochene Folge  menschlicher  Kundgebungen, 
an  eine  endlose  Galerie  von  Lebensbildern,  und 
ich  bedauere,  nicht  immer  leben  zu  können,  um 
dem  ewigen  Schauspiel  in  tausend  verschiede- 
nen Akten  beizuwohnen.  Ich  bin  ein  Neu- 
gieriger.  Die  Dummköpfe,  die  nicht  vorwärts  zu 


l8  M1CHJTEL  GEOTjG  COT^TjAB 

blicken  wagen,  strecken  die  Hälse  nach  rück- 
wärts. Sie  machen  das  Gegenwärtige  nach  den 
Regeln  des  Vergangenen,  und  sie  verlangen,  daß 
die  Zukunft,  die  Werke  und  die  Menschen  sich 
nach  den  vergangenen  Zeiten  modeln.  Nein,  die 
Tage  brechen  an,  wie  es  ihnen  beliebt,  und  je- 
der von  ihnen  wird  eine  neue  Idee,  eine  neue 
Kunst,  eine  neue  Literatur  heraufführen.  So- 
viele  Gesellschaften,  soviele  verschiedene  Werke, 
und  die  Gesellschaften  werden  sich  ewig  um- 
bilden. Aber  die  Kraftlosen  wollen  den  Rah- 
men nicht  erweitern,  sie  haben  ein  Verzeichnis 
der  vorhandenen  Werke  angefertigt  und  so  eine 
bedingte  Wahrheit  gewonnen,  daraus  sie  eine 
unbedingte  Wahrheit  machen.  Schafft  nicht  mehr, 
ahmt  nach!  Und  das  ist's,  warum  ich  diese  blöd- 
sinnig ernsten  und  blödsinnig  heiteren  Leute 
hasse,  diese  Kunstmacher  und  Kritiker,  die  uns 
dummerweise  die  Wahrheit  von  gestern  als  die 
Wahrheit  von  heute  aufdrängen  wollen.  Sie  be- 
greifen nicht,  daß  wir  marschieren,  und  daß  die 
Landschaft  sich  verändert.     Ich  hasse  sie." 

—  Ja,  ich  kenne  das,  sagte  ich,  ihm  dankbar 
zunickend. 

Er  hatte  sich  in  eine  entzückende  Erregung 
hineingelesen.  Zola  ist  ein  Glühender,  der  leicht 
in  hellen  Flammen  aufgeht,  wenn  ein  guter  Wind 
in  seine  Glut  fährt.  Seine  sonst  etwas  schwere 
Zunge  bekommt  eine  merkwürdige  Geläufigkeit, 
und  seine  Stimme  gibt  seinen  Perioden  droh- 


EM7LE  ZOLA  K) 

nendcn  Schwung.  Der  ganze  Mann  ist  dann 
von  einer  fortreißenden  Gewalt,  von  einer  stür- 
mischen Herzlichkeit  heiliger  Überzeugung.  Aus 
seinem  dunklen  Auge  —  er  ist  sehr  kurzsich- 
tig —  leuchten  diamantene  Blitze,  und  seine  sonst 
bitter  aufeinander  gepreßten  Lippen  beben.  Man 
kann  ihm  Achtung  und  Verehrung  nicht  ver- 
sagen, ja,  man  muß  ihn  lieben,  von  ganzem  Her- 
zen lieben.  Er  ist  ein  Großer,  der  in  jeder  Faser 
von  seiner  Mission  erfüllt  ist  und  der  den  letz- 
ten Blutstropfen  dransetzt,  sein  Werk  durch- 
zuführen. Er  ist  das  verkörperte  Gewissen  sei- 
ner Nation. 

Nach  einer  Weile  hatte  er  sich  gefaßt,  und 
lachend,  im  leichten  Ton  seiner  gewöhnlichen 
Herzlichkeit  sagte  er:  Wahrhaftig,  Sie  kannten 
das?     Sie  kannten  Mes  haines? 

—  Ich  besitze  Ihre  sämtlichen  bis  jetzt  er- 
schienenen Werke,  die  erzählenden,  die  kriti- 
schen und  die  neun  Bände  der  Rougon-Mac- 
quart-Reihe.  Was  Sie  mir  vorgelesen  haben, 
ist  zwölf,  dreizehn  Jahre  her,  eines  Ihrer  ersten 
Manifeste,  aus  der  unheimlichen  Zeit  zwischen 
1866  und  1870,  zwischen  dem  preußisch-öster- 
reichischen und  dem  französisch-deutschen  Krieg. 
Zwischen  Sadowa  und  Sedan  fallen  Ihre  ersten 
Kriegserklärungen  an  die  ganze  literarische  Welt. 
Jedem  Worte  riecht  man  den  Pulverdampf  an. 
Wissen  Sie,  welches  Ihrer  Werke  ich  zuerst 
gelesen  habe?    Den   Bauch  von  Paris.  Wort 


20  MICHAEL  GEOJ{G  COM{J[D 

für  Wort,  auf  meiner  Meerfahrt  von  Neapel 
nach  Marseille.  Vorher  hatte  ich  in  italienischen 
Zeitungen  schlecht  übersetzte  Bruchstücke  Ihres 
Assommoir  gelesen.  Da  vermochte  ich  kein 
deutliches  Bild  von  Ihrer  Kunst  zu  gewinnen. 
Den  Bauch  von  Paris  Jas  ich  natürlich  im  fran- 
zösischen Urtext.  Fast  ohne  Schwierigkeit  und 
mit  welchem  tiefsten  Ergriffensein,  mein  lieber 
Meister  Zola!  Und  damals  schwur  ich,  daß  ich 
von  diesem  Menschen,  der  dieses  herrliche  Buch 
gemacht,  jede  Zeile  lesen  werde,  die  er  schreibt. 
Das  Strömende,  das  Volle,  das  Große,  ohne 
Ängstlichkeit  und  Zierlichkeit:  —  Das  nahm  mich 
für  Ihre  Prosa  ein  und  für  Ihre  Menschen  und 
deren  Tun  und  Gehaben,  diese  fabelhafte  Echt- 
heit, diese  rücksichtslose  Drauflosgängerei  im 
großen  und  kleinen,  so  daß  der  ärgste  Schuft, 
die  ekelhafteste  Kanaille  einen  entzückenden 
Lebensreiz  gewinnen.  Ja,  das  ist  große,  reine 
Kunst,  die  dem  künstlerischen  Menschen  un- 
endliche Befriedigung  gewährt.  Zuweilen,  wo 
Sie  Ihre  Schilderungen  hinmalen  wie  ein  rie- 
siges Fresko,  daß  die  ganze  Wand  in  Farben 
bebt,  da  hatte  ich  den  gleichen  Eindruck,  wie 
wenn  ich  das  Orchester  von  Richard  Wagner 
hörte.  Und  auch  das  Leitmotiv  haben  Sie  wie 
Wagner.     Sind  Sie  musikalisch,  Herr  Zola? 

—  Musik  —  musikalisch?    Nein.    Einst  in  der 
Provence,  als  Junge,  ein  wenig. 

—  Tut  nichts.  Ich  bin's,  habe  also  noch  einen 


EMILE  ZOLA 2I_ 

Genuß  mehr.  Und  dann,  wo  plötzlich  das  Un- 
persönliche, das  Tote,  das  Stille,  ein  Haus,  eine 
Landschaft,  ein  Werkzeug,  eine  Maschine  unter 
Ihrer  Hand  zu  einem  Organismus  wird,  sich 
mit  Seele  erfüllt  und  wie  ein  Dämon  hinüber- 
greift ins  Leben  der  Menschen,  das  ist  oft  von 
einer  furchtbaren,  von  einer  fanatischen  Schön- 
heit. Oder  soll  ich  phantastisch  sagen?  Und 
wie  Sie  die  Massen  bändigen  und  ins  Spiel 
bringen,  ich  kenne  keinen  Romandichter,  der 
über  diese  erstaunliche  Regiekunst  gebietet.  Ich 
muß  da  wieder  an  Richard  Wagner  denken.  Aber 
geben  Sie  acht,  nun  werden  Sie  mich  als  wüsten 
Dilettanten  verachten:  Ihre  Werke  lese  ich  ganz 
kaltblütig  durcheinander  und  kümmere  mich  den 
Teufel  um  Stammbaum  und  Vererbung:  den 
Bauch,  den  Assommoir,  die  Beute,  die  Erobe- 
rung von  Plassans  —  was  kümmert  mich  die 
chronologische  Folge!  Jedes  Buch,  ist  es  nicht 
eine  Welt  für  sich?  Und  wo  Sie  "coin"  sagen, 
dieses  Eckchen,  dieses  Zipfelchen  oder  Schnitt- 
chen Natur,  da  empfinde  und  sage  ich  wieder 
Welt  und  nochmal  Welt  —  und  wo  Sie  von 
Temperament  sprechen,  da  übersetze  ich  mit 
Seele.  Und  so  steigere  ich  Ihr  Forte  ins  For- 
tissimo  und  fühle  mich  göttlich  wohl  bei  Ihrer 
Kunst,  Meister  Zola! 

Und  nun  stieß  er  beide  Arme  hoch  in  die 
Luft,  daß  sie  fast  die  Decke  berührten:  So  sind 
diese   Deutschen!     Sie  tun,  was  sie  mögen  — 


22  MICHAEL  GEOTjG  COJMTjA'D 

und  man  muß  noch  seine  Freude  dran  haben 
und  sich  bei  ihnen  bedanken.  Das  ist  ja  himmel- 
schreiend, was  Sie  mir  da  erzählen,  Herr  Conrad. 
Wo  haben  Sie  denn  das  alles  her,  wo  haben 
Sie  zunächst  diese  tapfere  Gewandtheit  her,  so 
ganz  nach  Ihrer  Lust  mit  einer  fremden  Sprache 
umzuspringen?  Wie  lange  treiben  Sie  denn  das 
Französische? 

Nun  neckte  ich  ihn:  O,  Herr  Zola,  das  ist  gar 
nichts.  Seit  den  Napoleonszeiten  versteht  mein 
ganzes  Dorf,  wo  i  ch  geboren,  es  i  st  zwi  sehen  Frank- 
furt und  Nürnberg,  diese  ritterliche  Sprache; 
wissen  Sie,  von  den  vielen  französischen  Ein- 
quartierungen haben  es  Bauern  und  Bäuerinnen 
gelernt.  Und  das  hat  sich  so  fortgepflanzt.  Und 
bei  dem  Gegenbesuch,  den  meine  Landsleute 
1870  in  Frankreich  gemacht,  wurde  es  wieder 
aufgefrischt.  Wir  sind  doch  Erbfeinde!  Da 
müssen  wir  uns  doch  endlich  kennen  und  lieben 
lernen? 

—  Sie  lieben  grausame  Scherze,  bemerkte  er 
gütig.  Ernsthaft,  es  kamen  schon  Deutsche  und 
andere  Ausländer  zu  mir,  die  jämmerlich  fran- 
zösisch sprachen. 

—  Mein  Akzent  ist  auch  jämmerlich,  nur  die 
Worte  und  Formen  parieren  mir.  Ich  lebte 
zwei  Jahre  studierenswegen  in  der  französischen 
Schweiz,  in  Genf,  unmittelbar  vor  dem  Krieg. 
Daheim  hatte  ich  schon  einen  guten  Grund  ge- 
1  egt.  1  ch  1  i ebte  ei ne  französi sehe  Sprachmei steri n 


EMILE  ZOLA 


in  Würzburg,  eine  geborene  Pariserin,  jung  und 
geistvoll.  Von  Genf  wollte  ich  nach  Paris,  meine 
Studien  in  französischer  Sprache,  Literatur  und 
Kunst  fortzusetzen.  Der  Krieg  kam  dazwischen. 
Im  Herbst  1871  übersiedelte  ich  nach  Italien, 
wo  sich  mir  ein  ungeheures  Feld  eröffnete,  das 
ich  nach  Kräften  bearbeitete.  Erst  die  Pariser 
Weltausstellung  1878  vermochte  mich  vom  ita- 
lienischen Boden  loszureißen  und  hierher  zu 
führen.  Während  der  Abwesenheit  won  Max 
Nordau  vertrete  ich  die  Pariser  Chronik  in  der 
Frankfurter  Zeitung,  schreibe  für  die  Tägliche 
Rundschau  in  Berlin  und  andere  Blätter,  halte 
Vorträge  im  Institut  polyglotte  —  wer  weiß, 
was  ich  noch  alles  unternehme!  Das  Leben  ist 
so  lockend  reich  an  Wissenswürdigem,  so  reich 
an  Aufgaben. 

—  Und  meinen  Schriften  gewähren  Sie  den 
Vorzug,  sich  so  eingehend  damit  zu  beschäf- 
tigen? 

—  Habe  ich  doch  selbst  den  größten  Gewinn 
davon,  lieber  Meister.  In  Genf  habe  ich  vor- 
nehmlich die  klassischen  und  romantischen  Au- 
toren Frankreichs  studiert.  In  Italien  lernte 
ich  Renan  persönlich  kennen,  den  ich  schon 
als  Jüngling  eifrig  gelesen  habe.  Dann  kam 
Taine  dazu,  soweit  er  sich  mit  der  Kunst  und 
mit  Italien  beschäftigt.  Seine  englischen  und 
französischen  Geschichtswerke  habe  ich  erst 
hier  in    Paris   gelesen.      Ein   wichtiger   Führer 


24  MJCTiJlEL  GEOJ{G  C07V7^D 

ist  mir  Georg  Brandes  geworden  mit  seiner 
ausgezeichneten  Darstellung  der  literarischen 
Hauptströmungen.  Stendhal,  Balzac,  Flaubert 
und  Daudet  sind  mir  in  ihren  Hauptwerken 
nicht  fremd.  Einen  der  merkwürdigsten  euro- 
päischen Schriftsteller  habe  ich  1 876  in  Sorrento 
persönlich  kennen  gelernt,  Friedrich  Nietzsche. 
Ich  besitze  seine  sämtlichen  Schriften,  vom  Tag 
des  Erscheinens  an,  er  ist  als  Denker  und  Stilist 
von  einem  zauberhaften  Reiz.    Kennen  Sie  ihn? 

Zola  verneinte.  Er  lese  nicht  deutsch.  Tur- 
genjew sei  sein  Dolmetscher  fremder  Litera- 
turen. 

Und  dann  die  neuen  Skandinavier:  Björnson 
und  Ibsen  vor  allen,  von  dem  soeben  ein  furcht- 
bares Drama:  die  Gespenster  erschienen  — 
die  ganze  skandinavische  Künstlerkolonie  in  Paris 
ist  voll  davon.     Ein  förmlicher  Aufruhr. 

Zola  schüttelte  abermals  den  Kopf.  Ibsen 
war  noch  nicht  übersetzt  und  Turgenjew  hatte 
noch  nicht  von  ihm  gesprochen.  Aber  von 
Sacher-Masoch  habe  er  gehört  und  eine  her- 
vorragende naturalistisch  anklingende  Novelle 
gelesen.  Ein  slavischer  Autor,  der  deutsch 
schreibt,  nicht  wahr? 

Ich  korrigierte  den  kleinen  Irrtum  und  nannte 
noch  Gustav  Freytag  und  Gottfried  Keller. 

—  Ach,  wir  Franzosen  sind  in  allen  diesen 
Dingen  von  einer  unglaublichen  Rückständig- 
keit, stöhnte  er.     Aber  zum  Teufel,  wir  haben 


EMILE  ZOLA 

ALS  VIERZIGER  (BEI  ERSCHEINEN  DES 


,ASSOMMOlR") 


EMILE  ZOLA  2$ 

zuviel  im  eigenen  Haus  zu  tun,  alle  Hände  voll. 
Haben  Sie  selbst  noch  kein  Buch  veröffentlicht? 

—  Doch,  doch.  Noch  nichts  Belletristisches. 
Eine  Menge  kleinerer  Schriften  über  allerlei 
Kultur-  und  Kunstangelegenheiten  und  zwei 
dicke  Bücher  über  Spanisches  und  Römisches 
und  über  die  letzen  Päpste. 

—  Gottlob,  Sie  sind  also  auch  ein  Kämpfer. 
Und  haben  Sie  Erfolg  gehabt? 

—  Gewiß:  Meine  zwei  dicken  Bücher  sind 
in  Preußen  konfisziert  worden,  gleich  wenige 
Tage  nach  ihrem  Erscheinen.  Als  ich  von 
Neapel  nach  Paris  übersiedelte,  fand  ich  hier 
als  ersten  Gruß  meiner  deutschen  Heimat  eine 
gerichtliche  Vorladung.  Das  Gericht  in  Breslau, 
wo  meine  Bücher  erschienen,  war  so  liebens- 
würdig, mich  zur  persönlichen  Teilnahme  an 
meiner  Prozessierung  und  Verurteilung  einzu- 
laden. Ich  lehnte  dankend  ab,  ich  hätte  gerade 
in  Paris  Wichtigeres  zu  tun  und  könne  nicht 
nach  Breslau  kommen.  Da  wurde  mein  Bres- 
lauer Verleger  beim  Kragen  genommen  und  zu 
einer  hohen  Geldstrafe  und  zum  Einstampfen 
der  Bücher  verdonnert.  Weil  ich  als  deutscher 
Mann  den  italienischen  Papst  gekränkt! 

—  Das  war  für  Sie  eine  gute  Reklame. 

—  Nein,  lieber  Meister.  Eine  Empfehlung 
vom  Papst  oder  von  Bismarck  oder  vom  Kaiser 
hätte  mir  mehr  genützt  als  eine  Verurteilung 
wegen  Beleidigung  der  römischen  Kirchenherr - 

BTiJlJVDES:  DIE  UTET{ATUT{.  BJUVD  XXVI II  C 


26  MICHAEL  GEOJjG  COWjJID 

lichkeiten.  Die  heutigen  Deutschen  haben  wieder 
den  frommen  Augenaufschlag  nach  oben.  Wir 
leben  gegenwärtig  mit  unserer  Kultur  unter  dem 
Zentrum  und  unter  dem  Sozialisten-Ausnahme- 
gesetz und  allerlei  kleinen  netten  Belagerungs- 
zuständen. Der  Kulturkampf  ist  polizeilich  ver- 
boten und  diplomatisch  abgeschafft.  Wenn  wir 
jetzt  mit  dem  Naturalismus  ein  wenig  Krawall 
machen  und  mit  mutigen  jungen  Leuten,  die 
noch  den  ganzen  Autoritäts-  und  Schulekel  im 
Magen  haben,  eine  journalistische  Revolution 
in  Literatur  und  Kunst  anfangen,  so  ist  das 
alles,  was  wir  uns  im  Augenblick  erlauben  dürfen. 
Die  naturalistische  Sturmfahne  aus  dem  be- 
siegten Frankreich  fürchten  unsere  Diplomaten, 
Büreaukraten  und  Polizisten  noch  nicht,  wir 
dürfen  sie  ruhig  in  Frankfurt  oder  München, 
selbst  in  Berlin  entrollen  —  sie  wird  nicht  allzu 
heftig  flattern,  der  deutsche  Wind  ist  gegen- 
wärtig von  geringer  Stärke.  Alle  in  Literatur 
und  Kunst  beliebten  Größen  sind  bei  uns  von 
staatlich  anerkannter  Zahmheit  und  Ungefähr- 
lichkeit,  lauter  brave  Hausgötter  und  Philister- 
genies. Eine  Ausnahme  bilden  die  kleinen 
Kreise  um  Wagner  und  um  Böcklin  und  den 
neuerdings  so  skeptisch  gewordenen  Philosophen 
Nietzsche.  Aber  diese  drei  sind  ja  auch  glück- 
lich eingekapselt  von  der  allgemeinen  Gleich- 
gültigkeit des  wohlgesinnten  Bürgertums.  Die 
preußische  Intelligenz,  die  Führerin  im  Deut- 


EMILE  ZOLA  2J 


sehen  Reich,  ist  künstlerisch  stets  äußerst  an- 
spruchslos gewesen.  Sie  sättigt  sich  mit  dem 
traditionellen  Schönheitsgut  auf  möglichst  bil- 
lige Weise  und  widmet  ihren  Eifer  der  Ent- 
wicklung der  materiellen  Vorteile  der  tonan- 
gebenden staatserhaltenden  Klassen,  des  Junker- 
tums, der  Agrarier,  der  Großindustriellen,  der 
Bank-  und  Handelswelt.  Für  diesen  positiven 
preußischen  Geist  hat  die  künstlerische  Kultur 
vorerst  nur  dekorative  Bedeutung.  Wer  der 
preußischen  Tradition  und  ihren  Ambitionen 
schmeichelt,  der  ist  jetzt,  zehn  Jahre  nach  dem 
großen  Kriege,  der  geschätzteste  Repräsentant 
der  schönen  Künste.  Alles  was  zur  Sicherung 
der  herrschenden  Klassen,  zur  Festigung  der 
politischen  und  wirtschaftlichen  Stellung  des 
Reiches  beiträgt  und  ihm  einen  weithin  schil- 
lernden, aber  billigen  Glanz  verleiht,  der  gleich 
wieder  als  Marktwert  ausgenutzt  werden  kann, 
das  ist  begehrt  und  geehrt.  Es  ist  heute  nicht 
die  Frage,  welche  Art  Kunst  dient  am  reinsten 
der  höheren  Kultur,  sondern:  welche  Art  Kunst 
stört  uns  am  wenigsten  bei  der  Befriedigung 
unseres  Besitz-  und  Machthungers  und  gibt 
uns  ein  gebildetes  Ansehen?  Man  hält  sich 
also  an  die  Kunst  des  direkten  Nutzens  und  an 
die  Kunst,  die  von  den  wissenschaftlichen  Au- 
toritäten gelobt  und  empfohlen  wird.  Das  ist 
sehr  wichtig:  man  muß  sich  als  Künstler  des 
besonderen  Wohlwollens  der  staatlichen  Künst- 
en 


28  MICHAEL  GEOJjG  C0JVJ{JIT> 

gelehrten  erfreuen.  Als  Dichter  muß  man  den 
Geschmack  der  guten  wohlhabenden  Familie 
treffen,  die  in  der  Leihbibliothek  ihre  schön- 
geistigen Bedürfnisse  befriedigt,  und  man  darf 
nicht  auffällig  gegen  die  von  den  Kirchen  ge- 
hütete Moral  und  nicht  gegen  die  korrekte 
patriotische  Gesinnung  des  Reserveoffiziers  und 
des  Kriegervereins  verstoßen.  Dieses  Schema 
muß  peinlich  eingehalten  werden,  was  dann  noch 
übrig  ist,  mag  die  Kunst  als  ihr  Reich  der  Frei- 
heit betrachten.  Es  ist  in  diesem  Punkte  heute 
in  Deutschland  wie  ehemals  in  Frankreich  unter 
dem  zweiten  Kaiserreich.  Die  staatlich  be- 
schützte Kunst  ist  blühende  Inferiorität  und 
lächelnde  Impotenz,  die  unabhängige  große 
Kunst  ringt  mit  der  Gleichgültigkeit  der  Mas- 
sen. Und  gemeinschaftlich  werden  von  oben 
und  unten  die  Geburts-  und  Sterbetage  der 
Klassiker  gefeiert,  die  den  Vorzug  haben,  tot 
zu  sein.  Das  ist  pietätvoll,  kostet  wenig  und 
läßt  uns  an  den  ewigen  Kultus  des  Schönen  im 
geliebten  Vaterlande  glauben.  Im  Lebenslaufe 
Wagners  und  Böcklins  haben  wir  die  wahre  Ge- 
schichte der  deutschen  Kunst  unter  der  gütigen 
Leitung  unserer  allmächtigen  Staatsmenschen. 
Lieber  Meister  Zola,  die  deutschen  Künstler, 
die  wirklich  diesen  Namen  verdienen,  dürfen 
sich  in  der  weiten  Welt  herumschlagen  und 
ihrer  Haut  wehren,  in  der  Heimat  vermißt 
man  sie  nicht,  ob  sie  leben  oder  sterben.    Erst 


EMJLE  ZOLJt 


31 


wenn  sie  ganz  alt  oder  maustot  sind,  kommt 
ihre  Zeit. 

Und  nun  fiel  er  mir  in  die  Rede  mit  seiner 
wunderschönen   Offenheit  und  Herzensfrische. 

—  Das  ist  doch  gar  nichts,  hören  Sie!  Frank- 
reich hat  doch  einen  Ruf  in  der  Welt  zu  ver- 
lieren, und  was  bereitet  es  mir  für  ein  Elend! 
Ist  meine  Position  nicht  einfach  furchtbar?  Seit 
ich  die  Feder  in  die  Hand  genommen,  bin  ich 
angegriffen  von  allen  Seiten,  in  der  gehässig- 
sten Weise  verleumdet,  bespieen,  wie  ein  Aus- 
würfling. Nein,  reden  wir  nicht  davon,  es  ist 
zu  ekelhaft.  Wir  leben  in  einer  politischen 
Periode,  das  ist  das  Übel.  Die  Politik  ver- 
finstert und  beschmutzt  alles.  Aber  wir  werden 
es  ihr  heimzahlen.  Mit  meinem  Assommoir 
bin  ich  endlich  in  die  Strömung  des  Marktes 
gekommen,  meine  Bücher  werden  gekauft.  Wer 
jetzt  noch  glaubt,  sie  übersehen  zu  können, 
wird  staunen,  wenn  der  Haufen  größer  und 
größer  wird.  Innerlich  bin  ich  immer  voller 
Angst,  ich  weiß  nicht,  ob  das  Werk  gut  wird, 
das  ich  unter  der  Feder  habe.  Ich  weiß  nur, 
daß  es  an  Kühnheit  und  Rücksichtslosigkeit  das 
vorausgegangene  übertrifft.  Die  brave  Welt 
kann  sich  gratulieren,  ich  werde  ihr  mit  Nana 
ein  Licht  anzünden.  Meine  Freunde,  denen 
ich  Einiges  daraus  mitgeteilt,  sagen,  daß  ich  mich 
nach  dieser  Publikation  nicht  mehr  auf  den 
Boulevards   werde   sehen   lassen   dürfen,    wenn 


7,0  mCHJl'EL  6E07{G  C0JV7{jm 

mir  mein  guter  Rock  lieb  ist.  Dann  sprechen 
sie  mir  Trost  zu,  nie  hätte  ich  künstlerisch  einen 
besseren  Wurf  getan,  und  das  Thema  sorge  schon, 
daß  sich  das  Buch  verkauft  wie  frische  Sem- 
meln. Man  wird  mich  endlich  hören  müssen, 
man  wird  mit  mir  rechnen  müssen.  Die  Wahr- 
heit hat  eine  unwiderstehliche  Gewalt,  einmal 
in  Bewegung  gesetzt.  Das  ist  wie  eine  Granate 
aus  dem  Rohr  geschossen.  Die  Wirkung  muß 
furchtbar  sein.  Und  doch  habe  ich  immer  wieder 
diese  Angst:  es  mißlingt,  der  Schuß  versagt.  Ah! 


EMILE  ZOLA 


Em 


URZ   VOR  DER   VERÖF- 

fentlichung  seiner  Nana  konnte 
ich  ZoJa  eine  angenehme  Über- 
raschung bereiten.  Die  Kritik 
der  ästhetischen  Hofräte  in 
Deutschland  hielt  sich  dem  Ver- 
fasser des  Meisterromans  As- 
sommoir  gegenüber  auf  der  beschämend  niedri- 
gen Linie  der  Anpöbelung  und  Beschimpfung. 
Nirgends  konnte  man  sich  zu  einer  sachlichen 
Behandlung  der  neuen  literarischen  Erscheinung 
entschließen.  „Herr  Zola  und  seine  Freunde" 
wurden  in  den  Blättern,  die  sich  als  Hüter 
der  Sittlichkeit  und  Schönheit  aufspielten,  kurz- 
weg als  eine  „Schule  von  Schmutzfinken",  ab- 
getan. Kaum  höflicher  gab  sich  die  Kritik  der 
übrigen  Europäer. 

Nur  das  einzige  Italien  stellte  schon  im  Jahre 
1879  für  Zolas  Assommoir  ein  Beispiel  und 
Vorbild  vornehmer  Kritik  auf.  Der  edle  Fran- 
cesco de  Sanctis,  mit  dem  herrlichen  Luigi 
Settembrini,  Vertreter  der  Literaturgeschichte 
an  der  Universität  zu  Neapel  und  später  kurze 
Zeit  Kultusminister  (der  hervorragendste  Lehrer, 
dessen  ich  mich  jemals  erfreuen  durfte)  hielt 
am  15.  Juni  1879  im  Circolo  filologico  zu  Ne- 
apel einen  öffentlichen  Vortrag  über  ZoJa  und 
den  Assommoir.  Ich  war  in  der  Lage,  Emile 
Zola  einen  vollständigen,  parlamentarisch  genau 


]2  MICHAEL  GEOJ{G  COM{JID 

mit  allen  Heiterkeits-  und  Beifallsäußerungen 
des  Zuhörerkreises  ausgerüsteten  Abdruck 
dieses  seltenen  Vortrages  zu  verschaffen  und 
mich  mit  ihm  darüber  zu  unterhalten.  Mit 
meinen  deutschen  Kollegen  in  Paris,  Max  Nor- 
dau,  Mels,  Ludwig  Kaiisch  und  anderen,  hatte 
ich  damals  einen  schweren  Stand  in  der  Zola- 
Frage.  Während  meine  befreundeten  jungen 
deutsch  -  schweizerischen  Malerinnen  Louise 
Breslau  und  Sophie  Schaeppi  (aus  dem  Kreise 
der  genialen  Russin  Baschkirtseff)  der  stür- 
mischen Bewegung  in  Literatur  und  Malerei, 
dem  Naturalismus,  Pleinair  und  Impressionismus 
zujubelten,  schüttelten  die  Vertreter  der  deut- 
schen und  schweizerischen  Publizistik  die  Köpfe. 
Es  war  mir  eine  ausgezeichnete  Genugtuung, 
in  dem  neapolitanischen  Professor,  dessen  Ge- 
schmack von  niemand  bestritten  wurde,  plötz- 
lich einen  Bundesgenossen  zu  erhalten.  Solange 
ich  im  Institut  polyglotte  rein  historisch  die 
deutschen  Tagesgrößen  vorführte,  Auerbach, 
Hamerling,  Wilbrandt,  Heyse,  Lindau  —  da 
galt  ich  meinen  Kollegen  als  ein  braver  Mann 
auf  der  Höhe  moderner  Zivilisation,  und  selbst 
in  den  Wintervorträgen  des  deutschen  Turn- 
vereins zu  Paris  durfte  ich  unangefochten  über 
Leopardi,  Schopenhauer  und  Richard  Wagner 
sprechen  und  die  Meistersinger  am  Klavier  er- 
läutern. Sobald  ich  mich  aber  gegen  die  Lite- 
ratur-Orthodoxie auflehnte  und  behauptete,  daß 


EMILE  ZOL  \ 

EINE  DER  LETZTES  AUFNAHMEN. 


EMJLE  ZOLA  jj 


das  Erhebende  an  der  Schönheits-  wie  an  jeder 
anderen  Religion  dies  sei,  daß  sie  in  jeder  ur- 
sprünglichen schöpferischen  Begabung  einen 
neuen  Ketzer  erzeuge,  hatte  ich  alle  Synagogen 
und  Konsistorien  wider  mich.  Deutschland 
schwamm  wie  eine  schwarze  Insel  im  roten 
Ketzerozean  des  schöngeistigen  Europa.  Rings- 
um war  der  Teufel  los,  in  Skandinavien,  in 
Rußland  waren  dem  akademisch-romantischen 
Epigonentum  grimmige  Gegner  in  jungen 
Dichtern  und  Künstlern  von  großer  psycho- 
logischer Verwegenheit,  sozialethische  Proble- 
matiker modernster  Richtung  erstanden  —  nur 
Deutschland  sollte  kuschen,  trotzdem  es  in 
Wagner,  Nietzsche  und  Böcklin  die  pracht- 
vollsten Oberteufel  der  gesamten  Kunstrevo- 
lution hatte.  Und  ich,  von  Wagner  und 
Nietzsche  und  Böcklin  gesegnet,  sollte  nicht 
für  Frankreichs  wildesten  Ketzerteufel,  für  den 
Großmeister  des  Naturalismus,  mich  entflammen 
dürfen?  Weil  die  neue  Ketzerei  noch  keine 
staatlich  konzessionierte  Kunstprofessoren  zu 
Fürsprechern  hatte?  Weil  Max  Nordau  die 
ganze  Bewegung  mißverstand? 

Und  siehe,  jetzt  hatte  sie  einen  Fürsprecher 
aus  dem  Lande  der  Schönheit  selbst,  wo  die 
Wiege  der  Renaissance  gestanden,  wo  der 
Humanismus  die  mittelalterliche  Scholastik 
überwunden  und  der  Welt  das  Heil  freien 
Denkens  und  Schaffens  gebracht.    Und  sie  be- 


34  MJCTfJlEL  GEOJ{G  COM{JID 

wegt  sich  doch!  Dies  Galilei -Wort,  klang  es 
nicht  auch  wie  heller  Morgenruf  durch  den 
Assommoir -Vortrag  des  Universitätsprofessors 
Francesco  de  Sanctis  in  Neapel? 

"Dieser  Gruß  aus  dem  Süden  gab  Zola  Ver- 
anlassung, mit  mir  von  seinen  Vorfahren  zu 
sprechen  und  von  seinem  Namen  zu  plaudern. 
Nach  seiner  Meinung  bedeutete  das  Wort  Zola, 
von  den  Parisern  mit  dem  Ton  auf  dem  zweiten 
Vokal  Solaa  gesprochen,  daß  es  wie  ein  Trom- 
petenstoßklingt, im  Italienischen  die  Erdscholle. 
Emile  Zola,  der  zu  seiner  fanatisch  naturalisti- 
schen Wahrheitsliebe  einen  starken  Zusatz 
von  Naturmystizismus  besitzt,  der  ihn  zu  den 
gewaltigen  symbolischen  Visionen  in  seinen 
Romanen  befähigt,  empfindet  in  seinem  Namen 
einen  tief  geheimnisvollen  Zusammenhang  mit 
der  Erde.  Bauern,  Soldaten,  Ingenieurewaren 
seine  Vorfahren,  die  ihn  mit  verschiedenen 
Zweigen  der  südeuropäischen  Rasse  verbinden. 
Großvater  und  Urgroßvater  mit  einem  Schuß 
griechischen  Bluts  von  einem  Weib  aus  Korfu, 
gehörten  der  venezianischen  Familie  an,  deren 
Stammbaum  auf  die  stark  mit  besten  germani- 
schen Elementen  durchsetzte  Lombardei  hin- 
wies. Großvater  und  Urgroßvater  dienten 
unter  den  letzten  Dogen  als  Offiziere  der  Re- 
publik Venedig.  War  des  Vaters  Mutter  eine 
Griechin  gewesen,  so  stammte  Emile  Zolas 
Mutter  aus   den  Herzen    Frankreichs,    aus  der 


EMILE  ZOLA 


ü 


großen  Bauernprovinz  der  Beauce.  Der  Vater, 
zuerst  Offizier  unter  Napoleon  1.,  nach  dessen 
Sturz  Zivilingenieur,  lief  aus  dem  Lombardo- 
Venezianischen  davon,  weil  er  sich  der  öster- 
reichischen Herrschaft  nicht  fügen  mochte,  kam 
nach  Holland,  England  und  Deutschland,  wo 
er  am  ersten  Eisenbahnbau  auf  dem  Kontinent 
mitwirkte.  Im  Jahre  1830  erscheint  der  unstäte 
Feuergeist  als  Kapitän  der  Fremdenlegion  auf 
der  Rückkehr  aus  Algier  in  Marseille,  macht 
sich  dort  ansässig,  will  der  neuen  Heimatstadt 
den  schlechten  alten  Hafen  durch  einen  neuen 
ersetzen,  arbeitet  in  rastloser  Hingabe  in  drei 
Jahren  die  Risse  und  Pläne  aus  —  den  Zu- 
schlag bekam  ein  Konkurrent.  Dann  weiter  hin- 
ein in  die  Provence,  nach  Aix,  wo  er  die  wasser- 
arme Stadt  durch  die  Erbauung  eines  Kanals 
mit  reichlichem  und  frischem  Wasser  versorgen 
wollte.  Während  er  die  Agitation  und  die 
technischen  Vorarbeiten  für  dieses  Unternehmen 
betrieb,  machte  er  eine  Reise  nach  Paris,  um 
sich  womöglich  auch  an  den  dortigen  Forti- 
fikationsarbeiten  zu  beteiligen.  Auf  dieser 
Reise  nach  Paris  fand  der  nun  schon  dreiund- 
vierzigj ährige  Ingenieur  seine  Eheliebste,  die 
ihm  ein  Jahr  später  am  2.  April  1840  Emile 
Zola  schenkte.  Drei  Jahre  blieb  die  kleine 
Familie  in  Paris.  Dann  wieder  nach  Aix,  um 
das  Kanalwerk  zu  fördern.  Als  der  erste  Spaten- 
stich   getan    wurde,    zählte    der    kleine    Emile 


3  6  MICHAEL  GEÖJjG  CONJjJrD 

sieben  Jahre,  und  der  Vater  zeigte  ihm  voll 
stolzer  Freude  den  Beginn  des  mit  so  heißen 
Mühen  vorbereiteten  Werkes.  Drei  Monate 
später  starb  Francois  Zola  auf  einer  Inspektions- 
reise, in  einem  elenden  Hotelzimmer  zu  Mar- 
seille, fern  von  Weib  und  Kind.  In  Aix  wurde 
er  begraben,  eine  Straße  nach  seinem  Namen 
benannt.  Die  Ausführung  seines  großen  Kanal- 
unternehmens kam  in  fremde  Hände.  Die  Witwe 
wurde  zur  Wahrung  der  Interessen  ihres  ver- 
storbenen Gatten  in  allerlei  Prozesse  verwickelt. 
Die  politischen  Verhältnisse  spitzten  sich  wieder 
auf  eine  neue  Umwälzung  zu,  der  Staatsstreich 
des  dritten  Napoleon  lag  in  der  Luft.  Die 
wüsten  Treibereien  der  Parteien  wirkten  ver- 
wirrend auf  Verwaltung  und  Rechtspflege.  In 
dem  Maße  der  Entfernung  von  der  Hauptstadt 
Paris  wuchs  die  Rechtsunsicherheit  in  den 
Provinzen.  Kein  Wunder,  daß  die  Prozesse 
nach  und  nach  das  Vermögen  der  Familie  Zola 
verschlangen  und  kein  erwünschtes  Ergebnis 
hatten.  Der  Großvater  und  die  Großmutter 
Aubert,  die  noch  über  einige  Mittel  verfügten, 
zogen  nach  Aix  und  führten  mit  Emile  Zolas 
Mutter  den  kleinen  Haushalt.  War's  auch  nur 
ein  notdürftig  Auskommen,  das  der  von  Miß- 
geschick so  bitter  verfolgten  Familie  in  diesem 
stillen  Winkel  beschieden  war,  so  war's  doch 
von  der  gütigen  Sonne  der  Provence  vergoldet. 
Der  kleine  Sprößling  wurde  von   Mutter  und 


EMJLE  ZOLA y] 


Großmutter  in  liebreiche  Obhut  genommen, 
und  wie  seine  schwärmerische  Naturliebe  auf 
seine  romantisch  versonnte  Jugend  in  der  Pro- 
vence zurückwies,  so  erinnerten  unverwischbare 
Züge  im  Charakter  des  Mannes  an  den  mäch- 
tigen Einfluß  der  Frauenhände,  die  seine  Er- 
ziehung bis  in  die  Jünglingsjahre  geleitet.  Erst 
als  Siebzehnjähriger  kam  Emile  mit  seiner 
Mutter  und  dem  Großvater  wieder  nach  Paris. 
Sie  waren  völlig  verarmt,  wohnten  unter  dem 
Proletariat  des  lateinischen  Viertels,  umbraust 
von  dem  ungewohnten  Leben  des  gewaltigen 
Paris,  und  nur  mit  Hilfe  einiger  alter  Freunde 
seines  Vaters  war  es  Zola  möglich,  seine  unter- 
brochenen Studien  wieder  aufzunehmen  und, 
als  die  Not  schlimmer  und  schlimmer  wurde, 
der  Mutter  eine  Unterkunft  in  einem  Frauen- 
stift zu  sichern.  Er  selbst  lag  auf  dem  Pflaster. 
Sein  Abgangsexamen  war  ihm  mißglückt,  das 
weitere  Studium  auf  höheren  Schulen  durch 
seine  Mittellosigkeit  unmöglich  gemacht.  Er 
hungerte  sich  mit  Brot-  und  Käsekrumen,  etwas 
Zwiebel  und  Oliven  nach  provencalischer  Zi- 
geunerart  durch  und  wärmte  sich  in  den  Lese- 
sälen der  Nationalbibliothek.  Hier  stürzte  er 
sich  auch  auf  seine  Lieblingsfächer  aus  der 
modernen  Naturkunde  und  wandelte  sich  zum 
radikalen  Positivisten.  Das  Leben  war  ihm 
ein  rauher  Lehrmeister  geworden.  Nach  einigen 
gering  gelohnten  Arbeitsversuchen  kam  er  end- 


?8 


MICHAEL  GEOT{G  COJ^J{AD 


lieh  in  den  Buchladen,  von  dem  ihn  die  uner- 
schütterliche Energie  seines  Wesens  in  den 
kämpfenden  Journalismus  einführte  und  zur 
Führerschaft  in  der  neuen  Kunst  aufsteigen 
ließ.  Ein  mittlerer  Zwanziger!  Als  nach  diesen 
unheimlichen  Jahren  endlich  die  heißersehnten 
materiellen  Erfolge  der  schriftstellerischen  Arbeit 
kamen,  war  es  Zolas  erste  Sorge,  die  geliebte 
Mutter  wieder  zu  sich  zu  nehmen  und  ihr  voll 
dankbarer  Zärtlichkeit  den  Lebensabend  so  an- 
genehm als  möglich  zu  gestalten.  Sie  ist  am 
17.  Oktober  1880  in  Zolas  Landhaus  gestorben. 
Die  tapfere  Frau  hat  ihren  Gatten  mehr  als 
dreißig  Jahre  überlebt  und  ist  Zeugin  der  großen 
Schicksalswende  im  Leben  ihres  Sohnes  ge- 
worden. 

Im  Rückblick  auf  seine  schöne  Jugendheimat 
hatte  Zola  stets  dankbare  Worte  für  seine  un- 
zertrennlichen Schulfreunde  Cezanne  und  Baille, 
die  er  einst  wieder  in  Paris  sehen  sollte,  den 
einen  als  den  zu  später  Berühmtheit  gelangten 
impressionistischen  Maler,  den  anderen  alstüchti= 
gen  Professor  an  der  politechnischenSchule.  Diese 
drei  Unzertrennlichen  hatten  sich  in  der  Pro- 
vence ein  wundervoll  romantisches  Leben  voll 
harmlos  bunter  Abenteuer  bereitet  mit  entzük- 
kenden  Schul  schwänzereien  und  Streifzügen 
durch  die  nahe  und  ferne  Landschaft.  Wunder- 
knaben waren  sie  in  der  Schule  alle  drei  nicht, 
aber  wenn  die  Not  an  den  Mann   ging,  aus- 


EMJLE  ZOLJl £2 


dauernde  und  methodische  Arbeiter.  Für  den 
Kundigen  ist  es  nicht  erstaunlich,  daß  der  be- 
ginnende Schriftsteller  Zola  ein  Manifest  des 
Hasses  auf  alle  geistige  und  moralische  Rück- 
ständigkeit erließ  und  seine  heiße  Leidenschaft 
für  alles  positive  Forschen  und  Wissen  bekannte 
und  den  Sinn  für  das  Wirkliche  als  die  vorzüg- 
lichste Eigenschaft  des  modernen  Menschen 
feierte.  Schon  als  Schuljunge  zeigte  er  die 
tiefste  Begierde  nach  naturwissenschaftlicher  Er- 
kenntnis, aber  wie  armselig  wurde  sie  in  den 
dumpfen,  verkleri kassierten  Schuleinrichtungen 
befriedigt,  wie  wurde  die  kostbare  Zeit  mit 
scholastischem  und  kirchlichem  Kram  vertrö- 
delt, wie  dogmatisch  verpfafft  war  die  ganze 
Unterrichts  weise!  Und  Griechisch  und  Latein 
mit  ihren  hirnlosen  Exerzitien! 

Gibt  es  ein  besseres  Zeugnis  für  den  gesunden 
Willensmenschen  Zola,  als  daß  ihn  dieses  Schul- 
Milieu  nicht  zerbrechen,  nicht  verderben  konnte? 
Daß  der  Stumpfsinn,  der  das  geistige  und  ge- 
sellige Leben  der  Provinzstadt  beherrschte,  keine 
Macht  über  ihn  gewann?  Nein,  lieber  mit 
seinen  zwei  gleichgesinnten  Kameraden  ein  Leben 
wie  Wilde  abseits  führen,  als  in  diesem  Sumpf 
verkommen! 

Auch  dem  Weiblichen  gegenüber  zeigte  sich 
hier  schon  Zolas  Überlegenheit,  wenn  sie  auch 
nicht  in  moralisierender  Pharisäerhaftigkeit,  son- 
dern in  einem  kräftigen  Mißtrauen  gegen  weib- 


40  MICHAEL  GEOT{G  C07V7^?D 

liehe  Verführungskünste  sich  äußerte,  wozu  als 
natürliches  Schutzmittel  eine  gewisse  linkische 
Art  des  Benehmens  kam.  Er  liebte  märchenhafte 
Liebesabenteuer,  als  echter  Jüngling-Schwarm- 
geist, in  seinen  poetischen  Träumen.  Sein  ge- 
sunder Instinkt  führte  ihn  auch  im  Liebesleben 
den  Weg  des  tüchtigen  Mannes. 

—  Es  ist  merkwürdig,  verehrter  Meister, 
sagte  ich,  nun  sind  Sie  ein  geborener  Pariser, 
stehen  in  Paris  seit  bald  zwanzig  Jahren  im 
literarischen  Kampf  und  schichten  das  Werk 
Ihres  Lebens  Band  für  Band  zu  einer  monu- 
mentalen Höhe,  dennoch  denkt  man  bei  der 
Nennung  Ihres  Namens  an  den  glühenden  Süden 
als  an  Ihren  eigentlichen  Hintergrund  und  nicht 
an  die  Stadt  Paris. 

—  Ja,  das  ist  seltsam.  Vielleicht  auch  nicht. 
Mit  meiner  natürlichen  und  gesellschaftlichen 
Geschichte  einer  Familie  unter  dem  zweiten 
Kaiserreich  will  ich  ein  Lebens-  und  Entwick- 
lungs-Panorama meines  ganzen  Landes  in  einem 
bestimmten  Zeitabschnitt  geben.  Ich  will  mein 
Volk  durchpflügen,  daß  alle  seine  fruchtbaren 
und  steinigen  Seiten  ans  Licht  müssen.  In  diesen 
zwanzig  Roman-Bänden  muß  ganz  Frankreich 
leben,  in  Natur  und  Unnatur,  in  Kultur  und 
Unkultur  —  aber  leben,  leben,  leben!  Als 
Schriftsteller  habe  ich  also  Frankreich  zum 
Hintergrund,  nicht  wahr?  Aber  die  Rougon- 
Macquart,  wo  beginnen  sie,  wo  ist  ihre  Wurzel? 


dans  la  di'-faite  du  droil  eiile  la  simple 
probile\  Ce*t  tm  crinii  d1*»«!  »Kaai 
de  trouhler  la  France  cenx  qu?  Ja  veu- 
lent  gcnereus-,  ä  la  WW  des  nations 
libres.  et  justeä,  lossqu'on  onrdit.soi- 
mfime  rimpudent  coraplot  dimposer 
l'erreur,  devant  le  monde  CDtwr.  C'est 
un  crime  d'egarer  l'opinion,  d'uliiUcr 
pour  une  besognc  de  rrrort  cuite  opi- 
nion  qn'on  a  pervertie,  jusqu'a  la  faire 
deiner.  Ccst  un  crime  d'empoisonrter 
les  pclits  et  les  humbles,  d'exasperer 
les  passions  de  reaction  et  d'intole- 
ra'nce,  en  s'abrilant  derriere  Todieux 
anüs&nitisine,  dont  la  grande  France 
libönie  des  droits  de  l'homme  Tnour- 
ra,  si  eile  n'en  est  pas  guerier.  C'est 
un  crime  qne  d'exploiter  le  patriotisrae 
pour  des  ceavres  de  haine,  et  c'es*  un 
crime  enfin  que  de. faire  du  sabre  le 
dien  moderne,  lorsque  toute  la  science 
humaine  est  au  travail  pour  Toeuvre 
prochaiue  de  verite  et  de  justice. 

Gette  veYite\  cette  justice,  qne  nous 
avons  si  -""passionnement  voulues, 
ejuelle  de'tresse  ä  les  voir  ainsi  souf- 
3etees,  plus  mBconnues  et  plus  obs- 
eurcies !  Je  me  doule  de  lYcteulement 
qui  dort  avoir  lieu  dans  räm£  de  M. 
Schenrer-Kesther,  et  je  crais  bien  qu'il 
finira  par  eprouvet  nn  remords,  celui 
de  n^avoir  pasagi  revolutionnairement, 
le  jour  de'  rinterpellaüon  au  S3nat, 
en  lächant  tout  le  paquet,  pour  tont 
jeter  ä  bas.  II  a  Ate  le  grand  honnete 
homme,  l'homme  de  sa  vie  loyale,  il 
a  cru  que  la  vente  se  suffisait  ä  elle- 
meme,  surtout  lorsqu'elle  lui  appa- 
raissait  e'clatante  comme  le  plein  jour, 
.  A  quoi  bon  tout  bouleverser,  puisque 
lientöt  le  soleil  allait  luire?  Et  c'est 
de  cette  serenite'  confiante  dout  il  est 
si  cruellement  puni.  De  meme  pour  le 
Jieutenant-calonel  Picquart,  qui,  par 
tu  sentiment  de  haute  digniU:,  n'a 
f  as  voula  publier  les  lettres  du  geng- 
ral  Gonse.  Ces  scrupoles  l'henorent 
d'autant  plus,  qne,  pendant  qu'il  res- 
tail  respectueux  de  la  diseipline,  ses 
«upeneurs  le  faisaieht  couvrir  de 
boue,  instruisalent  eux-memes  son 
proces,  de  la  facon  la  plus  inaltendae 
et  la  plus  outrageante.  II  y  a  deux 
victimes,  deux  braves  gens,  deux 
•coeurs  simples,  qui  ont  .Iaisse  faire 
tiieu,  tandis  qne  le  diaile  agissait.- 
Et  l'on  a  reeme  vn,  pour  le  Heutenant- 
colonel  Picquart,  cette  chose  ignoble  : 
un  tribunal.  francais,  apres  avoir 
laissc  le  rapporteur  charger  publiq"uc- 
rnent  un  temoin,  l'accuser  de  toules 
les  fautes,  a  fait  le  huis  clos,  lorsque 
«a  tcm.jin  a  &t&  introduit  pour  s'ex- 
pliquer  et  se  d^fendre.  Je  dis  que  cela 
«st  un  crime  de  plus  et  que  ce  crime 
Roulcvera  la  conscience  universelle. 
Decidement.les  tribnnaux  militaires  se 


J'accnse  le  lieutenant-colonel  da 
Paty  de  Cäam  d'aroiT  «te  l'ouvrie*  dia- 
bolique  de  t'en-eur  judiciair?,  ea  in- 
conscient:  je  veux'3«  croire,  et  d'avoir 
«nsuitedefendetsan  ceuvre  nefaste,  de- 
puis  trois  ans,  par  les  maebinations 
les  plus  saugrenues  rt.  les  plus  cou- 
pables. 

J'accnse  le  scneral  Mercicx  de  s'etre 
rendu  comrplice.  tont  au  moras  par 
faiblesse  d'esprit,  d'utie  des  plus 
grandes  iniquilis  du  siecle. 

J'accuse  le  <;ene>al  Bil'.ot  d'avoir  en 
entre  les  rnains  les  preuves  certaines 
de  l'innocencc  de  Dreyfus  et  de  les 
avoir  etouffees,  de  s'elre  rendu  coupi- 
ble  de  ce  crime  de  lese-humanite  et  de 
lese-justice,  dans  un  but  poütique  et 
pour  sauver    l'etat-major  corapromis. 

J'accuse  le  general  de  BoisdefTre  etle 
general  Gonse  de  s'6tre  Tendus  com- 
plices  du  meme  crime,  Tun  sans  doute 
par  passion  clericale,  l'autre  peut-ttve 
par  cet  esprit  de  corps  qui  fait  des  bu- 
reaux  de  la  guerre  l'arche  sainte,  inal- 
taquable. 

J'accnse  le  general  de  Pellieux  et  le 
commandant  Ravary  d'avoir  fait  une 
enquete  scfiUrate ,  j'entends  par  lä 
une  enquete  de  la  plus  monstrneuse 
partialiUS,  don\  nous  avons,  dans  le 
rapport  du  second,  nn  imperissablc 
monument  de  naive  audace. 

J'accuse  les  trois  experts  en  £cri- 
tores,  les  sieurs  Belhomme,  Varinard 
et  Couard,  d'avoir  fait  des  Tapports 
raensongers  et  frauduleux,  ä  moins' 
qu'un  cxMinen  mßdical  nc  les  declare 
atleints  d'uneinaladie  de  la  vue  et  da 
jugement 

J'accuse,  les  bureaux  de  la  guerre 
d'avoir  raene  dans  la  presse,  partien- 
lieremeut  da»«  FBclair  et  dans  i'Echo 
de  Paris,  une  camrwgue  abomi nable, 
pour  ^garej  1'opiuion  et  couvrir  ^leor 
faute. 

J'accnse. ftifin  le  preffliej  conscil 
de  guerre  d'avoir  viole  lo -droit,  cn 
condamnant  un  aecuse  sur  une  piece 
restee  secrite,  et  j'accuse  le  second 
conseil  de  guerre  d'avoir  coavert  cette 
illOgalite,  par  ordre,  en  xxmiineitant  ä 
son  Tour  le  crime  juridique-d'acquitter 
6cismment  üb  coupable. 

En  portant  ces  aecusations,  je  n'i- 
gnore  pas  que  je  me  mets  sous  le 
coup  des  arbcles  SO  et  31  d'  la  loi 
sur  la  presse  du  Sä  juillet  1881,  qui 
punit  les  delrts  de  diUamation.  Et 
p'est  volontairement  que  je  m'expose. 

Quant  aux  gens  que  j'accuse,  je  ne 
les  connaispas,  jene  les aijamais  vus, 
je  n'aicontre  eux  ni  ranenne  ni  haine. 
Dsnesont  poar  moi  quedesentite6,des 
esprits  de  malfaisance sociale.  Et  l'acte 
qne  J'accomplis  ici  n'est  qu'un  moyen 

',z\re.  nniir  hÄler  l'pTnlnsinn 


Jose  Molos  el  Antonio  Nagois.  Tous  les 
^r«^  tortup^eorosuer«iiit  ete  Aschii 
mime  avec  t*  »onveinx-raiÜDemeoS: 
lfiur  enfoDc*  d«s  fers  rcagea  dans  les  c! 
'Luis  Mag  devint  f:u.  auiuiHeii  de  ses 
mants. 

Sebaslif»  Sime  et  Francisco  Callis  pc 
des  cicalrices  incffacables.      -i 

Parmi  les  gendaraies  execalear«  rt"!s  e 
de  Portns  ^ui  se  distinguerffnt  surtou 
Imr  Icrccitc,  ü  taut  citer  :  Jose  M.ivan^ 
Tuiel  Oarrcras,  Leandro  Lopez,  Parü^s. 
caporal  Thoraas  Bota. 

Le  gsndarme  Eslorqui,  sons  les  yeo 
Portas,  toKlaitles  organesgenrtsoi  de; 
ümes. 

Ca!«,  miUre  les  precau'.ions  des 
reao-s,  a  -e?«  constate  ofncieüement.  L> 
t'znn  <tu  bataillon  de  Figuei-as  fut  c 
de  faire  «ne  enqufitc.  Son  rapport  etai 
criante  realile  de  ces  horreurs,  di^nc 
«ijes  de  barbarie. 

Les  martvrs,  les  inac-ents.  ne  dema. 
pas  gräce.  IIa  reclament  justiee.  Poüt 
il  laut  reviser  le  proces  de  Montjuirh. 

M.  Sagasta  av&itjure  d'ordonau  la 
slon. 

Ou?  oa  non,  M.  Sagasta  at-3  raie  j 
d'honneui » 

JB.  Guinaade»' 


LDIVER  ET  LA  GRIPPE 

-  Ön  nous  demande  de  tous  eilrs  un.  ro 
et  un  preservattf  rontre  Ips  maladic« 
nous  ameuc  Tlüvcr.  contre  la  gnpi-c  c 
flasnza.  1>cpm3  viogt-cinq  anuecs,  or 
ploio  partout  les  Gouiles  Livonier.n*: 
Tf MKtti -PcTret  pour  giieri; 
la  toux,  la  bron'-hite, la  grippe,  PinQnel 
kurs    complications ;    nul    mcdicameD 


autonses  ont  reoonnu  que  tous  caux  q 
avaieal  laitiisage  ont  ele  preaerves  ou  f 
rfipidtfmejat;-ce  medi^mcat  cousütuc  ie 
teio  ni  U  plus  efficace,  le  plus  rapide 
meiUeax  tnarche:  il  se  tznivo,  au  pr 
3  francs  !c  f'aeon  de  60  pelites  cansulca, 
toutos  les  ionnes  pliarmacic3  ;  il  n-  e. 
taille  pas  et  ne  peut  Stre  vendu  qu'ei 
cons  rachetes,  avec  1c  nom  Gouttcs  J,i<y: 
nc*  de  Trouctle-Pcrret  et  le  timU 
lX'oioa  des  fabricants. 


(Echos  et  $oüvsll( 


La  demüre  <1  Hanotaux.  La  scene  Fe 
a  bord  "U  paquebot  francAis  BquatewA 

rier  du 'Levant..[ui  vier.t.i':i:ru.  r  :i  Mar 
L»:  navirc  faisait  reliciie  ä  Port-Satd,  c 
r.n  nouveau  passagcr  se  pi-esenia.  II  rtn 
Ali  .Mty  Hey.  alt.:che  au  ministere  de  1 
neur  ottoiuan;  il  ctaitrccherdtc  parjar 
lurque  et  venait  dciuainlei  !a  pi*lectK 
Pavillon  fraocai5.  V.  c^püina  d  aiUoure 
lemcntson  cas  aa  ccraiiiisjoiredu  bord. 
que  Icmns  auparavant,  on  avait  dec« 
son  afiiluUiou  au  paiü  de  la  Jeun»  Tu; 
et  depuis  lors  les  argeusias  du  sulla 
d^Tjnaieat  la  chasse.  S'il  etait  pm,  r'eL 
Don  lamnaüoa  saus  jugeincnl,  le  pior. 
dans  le  Bosphore,  c  etait  la  mort. 
On  pernnt    au    malbcureux  d'embar 


CHxu?  Centimes. 


ERNEST    VAUGHAK 


L'AURORE 

Litteraire.    Artistique,    Sociale 


ERNEST    VAUGH4I» 


J'Aeciise»»«! 

LETTRE  AU  PRESIDENT  DE  LA  REPUBLIQUE 

Par  .ÜMILE   ZOLA 


LETTRE 

•^'"«ÄhÄtÄ 

K.drS™,,t"^|:S'x 

SÄrpSÄSÄ'»": 

i:ü!.riru7Ä:«™Ä 

X«'Ä7,if',S,,'M"°°'" 

1  M.  FELIX  FAHRE 

iä-Sl^Äi 

.;^".TdÄ» 

SHSä 

i.i"p^Ä"rj5LdL'Sto.u°ti' 

Ü'-'n  '",',.  l^V"!'!,m"n.!iT'li  Sy  i.' 

Presidenl  de  la  Republlque 

'■''.'».S.1^  "i- 

. 

j,"sj,"  trsi.^2  ,'•  -:                  I  ■'•  kü  » j  k  ' '  Sw^ÄSwrsSSÄfc 

."..".XÄSi 

JwSpTldlitotafÄSSMa'S 

"y}i. .,.;.;"!.;'..  ■..'■''."! '".'','.'; 

^~"^^j;  °»3^  £"S"'JÄ!siS"'£  SI?S£°JsrÄr; 

HHSsSrrri 

SStÄÄ 

ZI  i  •!-'■"'. -K .'■"'■  /rsss! 

S  "<;■•'■"•'.'-■!  .'\SVi'.,".'" '  i!:-"'.r,'."I;Y.-.  ',".'.•!", '.'..;"  ,'V  '1;",™' h!."r.ri-^."T""..'.Si 

-, 

!i"ii'*"rtiJd'!'Slil«|,',.r"« 

vfct  ul  »!.in.l  Won.pl-  d.  ml™    ™',° J  "££"£,"„ "i, °.'  i  "','.,  j  ■  ~Z'l"!'^,Z,Z.  'S?."",'|  1.  '  '-  !  III!  '.'„  '".?"4i  Si  '■    ,'«'"'n  "'  ».! !!' 

"•.In     Im-I    i!Mr,-j.  •    ■!     ...-.-       I.   '.     /.'  '~,?,     i',vJ,'i7-'t«    '        n.'\'n-T.   iVl-      ,'^"l.    '',l''',  *-,m.         'P-q.rl     ^-.l'  .1  ,^'wi  i  ..1, 'Vi 

P^ÜH^I 

■       ! 

l-.^i    .;  >,.,.;..  ,  ■■     i  ,.  -..  .1«;  1 ;      -rl      ,         ..    i^,',..,,,          .:io.|. *<■.,!.  <o    fin  .1«  ..'-u^.  ■.                .:.'»..    n.,m»i*r. '  d.    li 

■=S5S?i-bsS==is 

!.'J-'!  '"Vnl-rV.i  i-'-'V  '  :""-j  i            '. ";  -.'/.'-' '  "•..      ■  '.J.*,j:°'a0",T,:.  "'■'•'.""  ""'['"     ■''  '.'   ■.".'■;".'  '.'",",-:;'; :' 

^•r^S  S^H^Fr ii 

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.o»"j'i.  i'..1  ;•■•'.;    '.Vi  ■ !  . ,;  .:,'■  ,';'"■ ';.'  -.■"".';'*  T.Z :  «l.^'.'.V.'i.'w^'i"'™ 

;,!"„ '.'.;;'.  i,'°z,"«a'.i!»-."°';: .'  -'v-'' '"•■'^- :'  'vr«-;' .'';",'-!;?.,  .:.'.','  v';;">,;,.  '.,,.„,;;;,;■:  ,"..:;',',;.«ä°!;,'l;jv,'j.0.V°. 

»s;/r  Sir™rs,rt>"i'''i'.  "e" 

SSÄ'VJ."»"*  tiiS*i. 

Mit  •  -•"..  1.  pn.ri.i-.  m.r.U.t  du   ""Jü;,™,'",1"," ,"■)£"„"£, J"^  [  S^'™'"1  ^"^  ', !..  ]u '.  ,',..'„  |  JÜüS  BV.XnSi'itwr«0«l£ 

ö»i.dVm"i'. L.'                                                ■     .i     .t  t.m    r.i. 

ipj.'oSÄ(. . 

S3-«M       .....     .      rs :      VcJjSä 

;;S^!Hsr3s 

»  ■STii'j.'oIlJf-i  "«"Sollt 

ESHHSrt: 

sässü 

'.-.'.' 

Ic  pli»  tompln  . 

sssrsTi.". 

L       ".il-..."'     ",/,,'     ",„ 

S.°™Ui°Sh,I"M.ü'.  ?»'."£.'". 

|Ss:S:3Sä 

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&p'™j"'.««'S«'IS'.;3roiS°S: 

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\11   Vl'\  ,'"'•' u.'X,  '™T."i'.r' 

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H.Kä^S,7'£\9 

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S.Ui«to-.°S. 

l    f.      I ;.■      ■...,,»... 

p°m  .1.  li°ca«  r»äorcSi.  p.u7  JS 

Sä!'?,'/.' 

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srifiSiffiJMsSfsffl 

pilpsi 

lssiilSis§§  [^i^^KS 

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111111!? 

ÄV.V.S""™'.,;,";"  """•• 

ill^si 

?SzI 

VtrUtintrU  Wiedergabe  der  Nummer  der  Zeitung  „L'Aunre"  du  den\ßrlej  Zola's  Jaccuse"  enthüll                                                                            JÄ3». 

L 

Ln£nJ 

T^TZii:H-:''l::.:::r:r,';.. 


;:;■:,:/;. 


TOUS  DE  MECHE! 


<gchos  et  gouveUts 


EMILE  ZOLft 

lumuMiHrrjni 


Die  Emuli  dt  r&el-Pocban 


OPINION  PUBLIQUE 


PAR  ETAPES 


...... 


xVAliAoftR- 


ncore 
deux 
ti,  « 


'fi 


mcnt  la  rolx». 

io  eours  des  rnlerrogatola»,--- c'est  aussi 
vers  cet  assistaatmuct  et  costaiaÄ.  redouta- 
Uc  cb  «n  myHerieux  süence.  ««edirigent 
le  plu«  soavent  tet  regards. 

C'est  pour  randrc  aux  jngM  kur  prestige 
ocltpse  qu'on  parle  de  leur  tatet  eodosscr  l» 
robe.  L'hermine  de  leur  ipite-g«  magistrale 
et  les  galons  d'argen»  de  leur  toque  rcjette- 
ront  au  aeccnd  plan  qui  lui  eonvient  le  dt- 
fenseur  de  l'accuse. 

Cctle  trcs  impievue  conseeraencedc  lanou- 
vclle  loi  nu:  l'instruclio'n  criminelle  fera  la 
joie  des  cnsluinicrs  judiciaircs. 

Aü NOMDü  PEUPLE 
Le  Petit  Journal,  dans  sa  joie  de  rs.cqaY>- 
tement  d'Esierbazy,  ecrivait  hier  : 
An  nom  duPruple  franfv 

f*e  uommi;   I 
Cdnii;  fois. 

n  dj  Peuple  francais..  es  tele  des  aro'-ts 
•  eaerTe.aestpasuDavaraeformulc. 

bei  illenr  Je  la  nation,  1c  conseil  da  guerre  juj-c 
au  nom  dela  nation. 

Nonsconseillons  viverritnt  an  Petit  Jour- 
nal de  faire  clichcr  cos  lignes  remarquables; 
elles  ponrront  lui  servir  chaque  foi«  qu'une 
condamnalion  scra  prononeee.  C'est  en  ctTct 
au  nom  du  peuple  franfais  que  jugent  tous 
les  tribunaux  civüs,  coratnerciaux,  correc- 
tionncls  on  criminels. 

Iln'yapas  un  pochard,  pas  na  vagabond 
qi'.i  ne  soit  condamne-  au  nom  dn  peuple 
francais.  C'est  au  nom  de  la  nation  qnc  Wil- 
son iut  acquitte.  c'est  au  nom  du  peuple 
qu'on  acquitta  recemment  les  panamistes; 
tontes  les  erreurs  judieiaires  furent  commises 
cu  Born  du  peuple,  et  le  Biet  qu'on  vient  de 
Dre  aurait  pu  servir  au  Petit  Journal  quand 
Norton  fuf  a  justement  et  regulierement  » 


afluarellee,  gravaies.  < 


place«  dans  une  aene  de  sal'les.  _ 

t^-f -:--£=. x    iv-uaes  —   L^rr.'-n.iir.jl'.ii 


üupnlc,  M.  Millerand.  qm  a  prononce  un  fo-I  1  a 
lactijnu  da  paru  iocialiste.     ™""onEl  *T^r'-"A 

.„VM    VnriMii.  Jauiir,  Geraull  Richard   onl  coi 
nrme    et   precisc   les    dtciaralions    da   Jlpalu    J 


-ive  Oeiui.-.t, 


ClIOSES  D  A*T. 

des  Dimanches  fEir. 

essions  parisieaues.  fera  parajlre  pro- 
UM  plaqnMte  iUuslrec  tous  cc  lilrc  : 
ta  DecolUuior.   de    ;a,nt   Jcr,i-i:ipiut:e.    C'-.sl  ur. 
■rircbaj.] ae  en  une  roraw  iaspic^e  de  l'iaia(>aric 


A    Big      - 


tfavance 


bibliophilea  et 


LE  NO  UVEA  Ü  LlRECTEUn 


Oarrc.  qui   a   pns   !n 
voir  ui  traitc  f-:rme  avec  m 
onuaiqae,  ni  obligataons  envers 

Carre,  naturcllcment, 
rection  du  Vaudeville. 


LE  SUrsSE  DES  LAUFS 

Lisbonne  perrepteur!  Oui  donc  l'avait  dil 

I  n'y  pon«e  pas  plus  que  le   couvernemerU 

'y  songe  pour  lui. 

Une  nouvellc  ideede  bagnedoit  le  hanler  .. 
rll«   a  l'usage   des   trainoure  d« 
sabre.  fetaids  en  rupture  de  easiruette  et  de 
beuglant. 

7.  Kie  Victor-Mace,  le  petit  h6tel  dn  com- 
positeur  Hedel :  voila  son  reve 

Dcux  fois  deja  il  l'a  visitc.  et  camme  le  con- 
cierge  le  coenait  de  rcpuUtion  et  tient  avant 
tout  i  savoirce  cru'Uveut  orpaniscr  : 

—  J'cn  ferai,  lui  a-l-U  repondu.nne  mnison 
de  rendez-vouü  pour  ^-ieilles  dames,  en  quete 
de  jeunes  amoureux...  Ester-rasta  sera  mon 
Suissc. 

Qui  donc  disait  qull  etait  hongrois T 

~     EN  PORT  DU 
te  de  son  peuole  avec 


Bi.  Lii'ERXES 
lies  de   la  -petite  Cliipo- 


—  Oui,  repoad  une  ..*.,, 
lentc  fiMe.  Elle  a  des  prc-fcrcnces  pour  tout  le 
monde. 


Un  vieux  Lovolace.  marie,  poursuivait  avec 
acharnement  la  jeune  femme  de  chajnbre  de 
6a  femmc. 

—  Mais  enfin,  lui  disait-i],  voyons,  qnand 
nous  entendrons-nous  ?. . . 

—  Nous  reparlerons  de  cel»  craand Madam« 
sera  veuve.  ^^ 

Scara'mouohe. 


TOUS  -DE  MECHE! 


i.etait.  pour  Joi.  on  imperieux  devoir,  et  il 
ne  l'a  pas  accotnpli.  Pourquoi  ♦ 

H  resuite,  dt  »a  lettre,  qu  il  »est  bornt  i 
soumettre  les  resultats  de  J'expertise  aox 
juges  du  conseil  de  guerre.  Pourquoi  cett» 
expertise  n  a-t-elle  pas  ets  disculee  publique- 
tnentet  eontradicloirement*  Pourquoi  alm* 
de  Boulancy  n  a-t-elle  pas  Ui  entendue  par 
le  conseil  de  guerre? 

Qu  il  plaise  -nu  geniral  de  Pcllieox  d'ex- 
noi-ter  aujoiird'hoi  son  ■  eher  comraanjant  » 
h  la  vengi.ance,  c'est  son  affaire,  et  nous  r» 


«ais  t  atlaire  ne  pcnl  en  fester  li.  II  y  a  un 
!™Sa.lrc'  «'•cc '"«^airedoit  etre  immedia- 
tement  recherche. 


üence,  nous  saurous  ( 


ce.  Si  eile  garde  1« 
que  p;la  signiüera. 
Ph.  Dubois. 


Affaire  de  haute  trahison 


M.  Vervoort  areea  hier  Ester"na2v  dar»  «on 
aquanum.  Cela  ne  surprendra  persoene 
puisque  tous  deux  nagent  dans  le3   memea 

LeJour  nous  appfend  que  les  deux  arais 

sement   le  charar^gne,   puia 

;a  prononce  quelques  paroles. 

s  complclement  muet.  Pnis- 

rquoi  ne  nous  repond- 


qnel?  btlAm 
'  jus  le  croyic 

l'il  n'en  est 
l>as_*  Pourq 


dit-il 


pns 


1c  Tatiisairo! 


M.  le  general  de  Pellienx,   qui   Tut  char<*6 
:  la  premicre  enquetc  nur  Ksterhazv 
:  lui  adresser  cette  iettre  stupefiantc": 
.  Lt  R«n4rald>  brigade  de  PtlUcut.commandalit 

'ivari-r^nl  dela  Seine,  adjoint  au    g.;rirral    ,!, 
place  de  Paris,  araonsicer 


'oS?l° 
vouloir  nous  dori 


Tour  entretenir  1 
la  nation  francaise. 
Ville    de  Paris,  un  vase  i 
d'ailleurs    sinon  adrairer 
derer  a  l'Hötel  de  Ville. 

Yeu!-on  savoir  combien 
place  d 


897   fr. 


d'une  note 


uu  moins    c 
i  coüte  la  mii 


n ,  avons  etc  pour  pres  de  000  fran^s. 
57    exaetement.  airm   qu'W  rcsulte 
Uin  munieipai  offi;iel 


:■'■{. 


Bbolane« 

e-prOsidcni   du   Sy:nat, 
espertisc.  ainsi   qm 


is.JelSjanvici 

t  que  la  lettre  saisie 
netcilc  M.  Sehe 


nvoqUez  i 


croyant  lie  par  le  huis  clos,  voup 
moignape. 

volontiere,  le  huis  clos 
afTaire.  qni  ne  touebe 
actuellement. 

qaalitc 


;  le  donm 
i'ayant  rien  ä  voir.d 
n  rien  an  procis  }ogi!  cl  clos  acto 
€  A  la  dato  du  1"  dicembre,  j'ai, 


c  devait  5UDS1S 

sujet.  r 

entre  les  mains  eopie  dn  rapporl 
pouvez  en  userfKiur  poursoivre 
r,  je  n'en  doute  pas, les  joamaux 
t,  de  ce  chef.  Pabonäinable  carn- 
cteJa  victime. 
»  GeDeral  de  Peluecx  » 
La  sfympathie  du  general  de  Pellieux  pour 
«son  eher  commandant  •  peut  ctre  conside- 
ree  comme  uuj;age  de  l'im'parüalile  avec  la- 
quelle  la  premit-re  enquele  a  ete  conduite 
II  convient,  tout  d'abord.  de  rappiocher  de 


c  la  guerre  ou  au  raimstcre  d« 

a  envoye  sa  demande  de  de- 

rquoi  s'obstine-t-il  k   ne  paa 

oms  doa  cinquants 

deputes  qui  auraient  appuye  la 


1KUR   JUSTICE 

Estraitdcfa  Libre  Parole  d'hi'T,«>us  li 
sii/ualitrc  d'E-lcnard  Drumont. 

II  s'agit  de  Scheurer-Kestner  : 

Et  voiI.\  le  eynique 
Senat  :  c'est  le  cal.-.mn 
sera  p  otetre  obligl 


itcurqu'un  afßeicr  frartcai* 
■n-seorltr  demain  lorsqn'il 
;S1,apiajsavoirsali.udcl'Jpc9 


lc  Cooscil  de  guerre  I 

Parbleu  I  Nous  savons  bien  qu'i!  serait  ac- 
quitte devanl  un  conseil  de  guerre. 

A  dire  vrai,  nous  n'avons  jamais  pensd 
"J"""  wnseil  do   guerrt  pouvait  laire  uns 


Une  Emde  de  FM-Pochon 

Avanl-hier, 
bdulevard  um 
pectus  suivanl 

ferrr«  postb  riBTicDLiiB* 

«.PASSAfiEI... 

Moyesoaat  nne  miaime  depense,  chaeun  penl 
eviter  les  incöDTenicnts  de  la  poste  restante  ofü- 

On  pentecrire  sa-carrespondance,    reeevrtir   des 
lettres  a  «es  initiales  et  se  les   faire 
adresse  qu'on  ja^era  ä  propos. 

DISCRfcTIOH   ABSOLTJE 


EM7LE  ZOLA  41 


Im  Süden,  in  der  Provence,  von  hier  aus  durch- 
zweigen sie  ganz  Frankreich.  Und  der  letzte 
Band  wird  den  gleichen  Schauplatz  haben  wie 
der  erste.  Es  ist  nun  doch  nicht  verwunder- 
lich, wenn  man  meine  Persönlichkeit  zunächst 
im  heißen  Sonnenlicht  der  Provence  sieht.  Ach 
hier,  in  diesem  Steinmeer  von  Paris,  dieses 
numerierte  Haus  in  der  Brüsseler-Straße,  nein, 
es  wäre  mir  kein  erwünschter  Hintergrund. 

—  Nein,  so  interessant  diese  Umgebung  ist, 
ich  ziehe  doch  Ihr  Landhaus  in  Medan  vor. 
Wegen  seines  idyllischen  Reizes  in  dieser  stillen, 
sanften  Hügellandschaft  mit  dem  schimmernden 
Band  der  Seine  und  den  bewaldeten  Höhen  am 
Horizont.  Sauste  nicht  die  Westbahn  an  Ihrem 
Garten  vorüber,  man  könnte  sich  in  dieser  Ein- 
samkeit tausend  Meilen  von  Paris  wähnen.  Und 
selbst  in  Medan,  das  für  die  Literaturgeschichte 
durch  „Les  soirees  de  Medan"  mit  Ihrem 
Namen  verbunden  bleiben  wird,  selbst  hier  sehe 
ich  Sie  nicht  in  Ihrerriesigen,  originellen  Schreib- 
halle, nicht  in  und  auf  Ihrem  Turm,  sondern 
in  Ihrem  Garten  zwischen  den  selbstgepflanzten 
Bäumen  oder  auf  der  lieblichen  Insel  im  Fluß. 
Wie  ich  auch  Goethe  nicht  in  seinem  präch- 
tigen Stadthause  sehe,  sondern  in  seinem  be- 
scheidenen Gartenhäuschen  an  der  lim  im  Parke 
von  Weimar.  Wie  ich  auch  Heinrich  Heine 
in  seiner  reinen  Unsterblichkeit  nicht  in  Paris 
sehe   oder   Hamburg,   noch   in   München   oder 

B^JVDES:  DIE  UTET{JlTUTi.  BJWD  XXVIII  D 


4  2  MICHAEL  GE07{G  C<m7{J!D 

in  den  Bädern  von  Lucca,  sondern  am  Rhein, 
am  deutschen  Rhein.  Jede  Seele  hat  ihre  be- 
stimmte Heimat,  wo  sie  geliebt  und  genährt 
wird.  Wir  ahnen  sie.  Selbst  in  Medan  mit 
seinem  blassen  Himmel  muß  ich  an  die  glühende 
Sonne  der  Provence  denken,  an  den  heißen  rot- 
braunen Boden,  an  die  Olivengärten  und  Pla- 
tanen-Alleen, als  den  natürlichen  Rahmen  für 
den  Vater  der  Rougon-Macquart-Sippe  und  an 
sein  heiliges  Ursprungsland. 

—  Aber  nein!  rief  er  aus  und  rannte  durch 
die  Stube,  Wir  tragen  unsere  Arbeit,  die  Ein- 
samkeit fordert,  von  Ort  zu  Ort,  und  wo  uns 
das  Werk  gelingt,  wo  es  aufgenommen  und  nutz- 
bar gemacht  wird,  da  haben  wir  festen  Boden 
unter  den  Füßen,  da  ist  unsere  Welt.  Daß  das 
die  lärmenden  Boulevards  von  Paris  nicht  sein 
können,  nicht  die  schwatzenden  Salons,  nicht 
die  kreisenden  Schauplätze  des  bummelnden 
Großstadtmenschen,  das  versteht  sich.  Diese 
ganze  Welt  interessiert  uns  nur  als  Phänomen, 
höchstens  noch  als  Mittel,  die  Kultur  höher  zu 
bringen.  Aber  darüber  habe  ich  schon  nach- 
gedacht, welches  Milieu  ich  mir  einst  für  meinen 
Feierabend  wünsche.  Heute  schon,  wo  noch 
so  viel  Arbeit  vor  mir  liegt.  — 

Ich  blickte  ihn  fragend  an. 

—  Das  erraten  Sie  nicht.  Die  Provence, 
denken  Sie?  Noch  weiter  südwärts.  Eine 
wunderschöne  Insel  im  blauen  Meer.   Und  dort 


EMJLE  ZOLA  ^ 

stille  sitzen  und  sich  von  der  guten  Sonne  an- 
scheinen lassen  und  das  Schauspiel  der  Natur 
genießen,  bis  die  Augen  zufallen.  Nichts  mehr 
sagen,  nichts  mehr  schreiben,  ganz  still  werden, 
nur  anschauen. 

—  Meister,  rief  ich,  Sie  sind  nicht  nur  Pro- 
vencale!  Ihre  Vorfahren  sind  weit  herumge- 
kommen in  der  Welt,  selbst  wenn  es  keine  Auf- 
zeichnung, keine  Tradition  kündet:  Sie  haben 
auch  einen  richtigen  Tropfen  germanischen 
Blutes  in  Ihren  Adern! 

—  Hallo! 

—  Jawohl.  Ihre  unerschrockene  Wahrheits- 
liebe, Ihre  Gewissenhaftigkeit,  Ihr  Bekenner- 
mut erinnern  an  das  Reformationsvolk.  Und 
nun  ertappe  ich  diesen  furchtbaren  Positivisten 
in  einer  Feierabend-Sehnsucht  mitten  im  schön- 
sten Kampf,  in  einer  Träumer-Seligkeit  —  sehr 
geehrter  H  err,  so  pflegen  nur  Dichter  zu  träumen, 
die  einen  guten  Tropfen  Germanenblut  im  Leibe 
haben. 

—  Hallo! 


41 


MICHAEL  GEOT{G  COWT{JID 


YkJ 

1 

LS  PROFESSOR FRANCES- 
co  de  Sanctis  seinen  Vortrag 
über  den  Assommoir  hielt,  war 
das  Buch  schon  bei  seiner  fünf- 
zigsten Auflage  angekommen  und 
mehr  schlecht  als  recht  in  einige 
Kultursprachen  übersetzt.  Es 
war  auch  dramatisiert  und  in  Paris  und  Neapel 
auf  die  Bühne  gebracht  worden.  Eine  Luxus- 
ausgabe war  in  Vorbereitung,  und  Andre  Gill, 
der  witzige  und  gemütvolle  Zeichner,  arbeitete 
mit  reinem  Eifer  an  dem  reichen  Bilderschmuck. 
Im  Theater  ließ  der  Erfolg  nichts  zu  wünschen 
übrig,  es  war  eine  Sensation  ersten  Ranges,  der 
Schaupöbel  beklatschte  namentlich  die  Prügel- 
szene zwischen  den  beiden  Wäscherinnen  und 
die  Deliriumtremens-Katastrophe.  Auch  die 
nicht  des  Snobismus  verdächtigen  Zuschauer 
kargten  nicht  mit  Beifall  bei  einigen  feineren 
Vorgängen  des  im  ganzen  herzlich  roh  aus  dem 
Romane  herausgerissenen  Stückes. 

Zolas  Italienisch  war  ungenügend,  er  ließ  sich 
von  mir  gern  einen  Überblick  über  den  Inhalt 
des  Assommoir- Vortrages  geben. 

Francesco  de  Sanctis  knüpfte  an  die  1  heater- 
aufführung  in  Neapel  an.  Im  Theaterstück  fehlt 
die  erste  Szene  des  Romans,  der  Vortragende 
erzählt  sie  kurz,  weil  er  sie  für  die  Grundlage 
der  späteren  Vorgänge   hält.     Schauplatz:  Die 


BMJLE  ZOLA  45 

trostlos  möblierte  Stube  in  einem  "Wirtshaus 
dritten  oder  vierten  Rangs  im  Arbeiterviertel. 
Im  Hintergrund  der  Stube  eine  Art  Ehebett, 
daneben  eine  eiserne  Bettstelle  mit  zwei  schlafen- 
den Kindern.  Am  Fenster,  das  auf  die  enge 
Straße  geht,  eine  junge  Frau,  wie  sie  aus  dem 
Bette  gestiegen,  angstvoll  links  und  rechts  späht, 
ihr  Schluchzen  mit  dem  Taschentuch  erstickt, 
um  die  Kinder  nicht  zu  wecken.  Er  kommt 
nicht.  Seit  Stunden  erwartet  sie  ihn.  Es  ist 
jetzt  fünf  Uhr  in  der  Frühe  und  noch  ist  er 
nicht  heimgekehrt.  Es  schlägt  sechs,  der  Tag 
wird  hell.  Die  Portiersfrau  ruft  \on  der  Straße 
herauf:  „Guten  Morgen,  Gervaise,  und  Lantier 
schläft  noch?" 

„Ja,"  sagt  sie  und  wird  rot;  sie  ist  nicht  ans 
Lügen  gewöhnt.  Und  wenngleich  die  Portiers- 
frau kein  Recht  hat,  sich  um  ihre  Sachen  zu 
kümmern,  und  die  Lüge  in  guter  Absicht  ge- 
sagt ist,  so  wird  Gervaise  doch  rot  bei  ihrem 
„Ja,  er  schläft  noch."  Es  wird  sieben,  es 
wird  acht.  Rechts  sieht  man  ein  Spital  im 
Bau,  links  ein  Schlachthaus,  weiter  zurück  den 
Hügel  des  Montmartre  mit  den  herabsteigenden 
Arbeitern,  die  unterwegs  einen  Blick  in  die 
Schnapsbude  des  Assommoir  werfen,  manche 
treten  dort  ein  und  vergessen  Pflicht  und  Arbeit. 
Und  die  Augen  der  Gervaise  gehen  von  den 
Kindern,  die  noch  schlafen,  zum  Fenster  und 
von  da  zum  Spital  und  zum  Schlachthaus  und 


4  6  MICHAEL  GEOTjG  COWJjJID 

zum  Assommoir  und  zu  ihm,  der  nicht  kommt. 
Aber  plötzlich  drückt  jemand  die  Tür  auf.  Er 
ist's.  Gervaise  wirft  sich  ihm  tränenüberströmt 
an  den  Hals:  „Bist  Du's,  bist  Du's?"  Und  er 
„Ja,  ich  bin's,  was  weiter?  Geht's  schon  wieder 
mit  den  alten  Kindereien  los?"  Lantier,  der 
Hutmacher,  beliebte  den  Herrn  zu  spielen,  die 
Arbeit  schmeckte  ihm  nicht  mehr.  Er  ließ  sich 
aushalten  von  Freunden  und  Freundinnen,  hatte 
er  ein  Weib  ausgeplündert,  lief  er  einem  andern 
nach.  Gervaise  war  noch  keine  vierundzwanzig, 
niedlich,  hübsch,  blond,  zart,  ein  junges  Weib- 
chen, dem  jeder  gern  die  Hand  drücken  möchte. 
Sie  hat  gute  Instinkte.  Sie  liebt  die  Kinder, 
die  Kameraden,  die  Sauberkeit,  die  Arbeit,  sie 
wird  rot,  wenn  sie  eine  Lüge  sagen  muß  unter 
Umständen,  wo  jeder  von  uns  frischweg  lügen 
würde.  Betrachtet  sie  jetzt  draußen  in  der  öf- 
fentlichen Waschanstalt,  wohin  sie  geht,  um  die 
schmutzigen  Kleider  ihrer  Kleinen  zu  waschen, 
und  wo  sie  mit  der  großen  abgefeimten  Dirne 
Virginie  zusammenstößt.  Erst  kommt's  zum 
Kampf  mit  Blicken,  dann  mit  Worten,  dann  mit 
Kübeln  voll  Wasser,  dann  mit  Klopfhölzern. 
Gervaise  ist  die  Provinzlerin,  einfältig,  uner- 
fahren, ihre  Kraft  ist  der  Stolz  des  beleidigten 
Weibes.  Virginie  ist  die  geriebene  Pariserin, 
mit  der  Überlegenheit  ihrer  schlauen  Nieder- 
tracht. Diese  arme  Gervaise,  verlassen  mit  ihren 
Kindern  in   der  Rue   Poissonniere   der  Pariser 


EMJLE  ZOLA  4J 


Vorstadt,  wo  das  häßliche  Volk  zusammenge- 
drängt lebt  wie  bei  uns  in  Neapel  in  der  Ge- 
gend vom  Kapuaner  oder  Nolaner  Tor  —  was 
wird  aus  ihr  werden?  Sicher  dasjenige,  was 
das  Milieu,  in  dem  sie  zu  leben  gezwungen  ist, 
aus  ihr  machen  wird.  Betrachten  wir  Neapel 
mit  seinen  berüchtigten  unteren  Quartieren,  an 
den  bassi  porti,  so  haben  wir  einen  Begriff  da- 
von. Wer  hätte  noch  nicht  von  diesen  Höhlen 
gehört,  wo  alt  und  jung,  Mann  und  Weib, 
Mensch  und  Vieh  zusammengedrängt  sind,  ohne 
Luft,  ohne  Licht,  zwischen  ewigem  Schmutz 
und  ewiger  Ansteckung?  Keiner  von  uns  hat 
das  Herz  gehabt,  hinzugehen  und  dieses  Elend 
zu  studieren,  der  Ekel  hat  uns  zurückgehalten. 
Wohlan,  Zola  in  Paris  hat  diesen  Mut  gehabt. 
Er  ist  mitten  in  diese  verpestete  Welt  hinein- 
geschritten,  er  hat  den  Pesthauch  gefühlt  und 
sich  nicht  die  Nase  zugehalten,  er  hat  die  trau- 
rig-schamlosen Worte  gehört  und  sich  nicht  die 
Ohren  verstopft. 

(Hier  lächelte  Zola:  Nun  wird  er  Dantes 
Hölle  zitieren  —  und  ich  werde  ihm  nicht 
zürnen,  der  Hinweis  auf  Neapel  ist  sehr  ge- 
schickt. Die  Kritiker  in  London  und  ander- 
wärts sollen  sich  ein  Beispiel  dran  nehmen.  Also 
Dantes  Höllenfahrt!) 

—  Nein,  nichts  von  Dante.  Francesco  de 
Sanctis  findet,  daß  der  Verfasser  des  Assommoir 
hier  den  Mut  und  die  Selbstentäußerung  eines 


48 


MICHAEL  GE07{G  C0MT{JID 


Gelehrten  gezeigt  habe,  der  um  der  Erkennt- 
nis willen  Kadaver  seziert,  und  zugleich  die  Liebe 
eines  heiligen  Francesco  di  Sales  oder  eines 
Alfonso  Casanova,  die  unter  Bettlern  gelebt  in 
dem  Gedanken,  daß  auch  das  Menschenbrüder 
sind.  Die  Begeisterung  für  Wissenschaft  und 
Kunst  nicht  allein,  auch  die  Menschenliebe  hat 
den  Verfasser  des  Assommoir  getrieben,  gerade 
dieses  Buch  zu  schreiben. 

.{Francesco  de  Sanctis  untersucht  eingehend 
die  mächtigen  Einflüsse  von  Beispiel  und  Ge- 
wohnheit in  diesen  Lebenskreisen,  die  Entwick- 
lung der  sozialen  Korruption,  bis  das  Milieu 
den  letzten  Rest  des  moralischen  Sinnes  ver- 
nichtet. Was  bleibt  diesen  Menschen,  für  die 
Gott,  Natur,  Vaterland,  Moral,  Ehre  überwun- 
dene Dinge  sind?  Die  Animalität,  das  Tier. 
Hier  herrscht  kein  Wille,  sondern  die  Begierde, 
keine  Intelligenz,  sondern  der  Instinkt,  keine 
Überlegung  mit  Wahlfreiheit,  sondern  augen- 
blickliche Wallung,  unmittelbarer  Trieb.  Wieder- 
geburt aus  eigener  Kraft  ist  ausgeschlossen,  man 
zieht  sich  nicht  am  eigenen  Schopf  aus  dem 
Sumpf. 

Professor  de  Sanctis  geht  auf  die  Abstam- 
mung und  das  Vorleben  der  armen  Gervaise  ein 
und  verfolgt  ihren  Verfall  von  Stufe  zu  Stufe. 
Sie  lebt  nicht,  sie  wird  gelebt,  aus  Mangel  an 
innerer  Energie.  Sie  vermag  gegen  das  über- 
mächtige  Milieu    nicht    anzukämpfen.      Sie    ist 


EMJLE  ZOLA  49 


wie  ein  Blatt,  das  vom  Baum  fällt  und  vom  Strom 
fortgerissen  wird.  Man  liest  ihr  die  Unent- 
schlossenheit  vom  Gesicht,  aus  den  Augen.  Der 
erste  Mann  verläßt  sie,  der  zweite  wird  ein 
Säufer  und  prügelt  sie  —  das  Ende  mit  Schrecken 
ist  nicht  aufzuhalten. 

Und  das  soll  Kunst  sein,  ein  Milieu  zu  zeich- 
nen, worin  jede  Menschlichkeit,  jede  Idealität 
zerstört  wird?  Die  bekannte  Frage  der  Leser. 
Der  Professor  geht  auf  die  herrschenden  An- 
sichten vom  Wesen  der  Kunst  ein.  Die  dar- 
gestellten Dinge  müssen  nicht  nur  für  sich,  sie 
müssen  auch  für  uns  leben,  sie  müssen  in  un- 
serm  Hirn  und  Herzen  einen  Widerhall  wecken. 
In  und  mit  dem  Lebendigen  der  Kunst  muß 
zugleich  ein  Teil  unseres  Eigenlebens  durch- 
dringen. Das  ist  der  ideale  Vorgang  und  sein 
Inhalt  sind  die  großen  menschlichen  Empfin- 
dungen: Gott,  Vaterland,  Natur,  Freiheit,  Ge- 
rechtigkeit, Schönheit,  Erkenntnis,  alles  was  die 
Geschichte  der  Menschheit  in  ihrer  Aufwärts- 
bewegung erfüllt.  Das  ist  ideal,  weil  es  nicht 
die  Dinge  in  sich  darstellt,  sondern  unsere  Idee 
—  und  wenn  es  nicht  wirklich  ist,  so  ist  es  doch 
wahr,  weil  das  Leben  wahr  ist,  das  wir  den  Dingen 
mitteilen.  Wir  idealisieren  das  Leben  der  Dinge 
und  schaffen  damit  die  ideale  Form;  wir  lassen 
in  diesem  Leben  alle  menschlichen  Gefühle  in 
hellem  Glänze  aufleben  und  schaffen  damit  den 
idealen  Inhalt. 


$0  MJCTfJlEL  GE07{G  C07V7^?D 

Anders  bei  Zola.  Hier  ist  weder  ideale  Form 
noch  idealer  Inhalt.  Das  Triebwerk  dieses 
Lebens  ruht  nicht  im  Charakter,  nicht  im  Ge- 
danken, nicht  im  Gewissen,  sondern  im, Ani- 
malischen. Nicht  die  Persönlichkeit  ist  die 
herrschende  Kraft,  der  Held  ist  das  Milieu,  dem 
sich  alles  unterwirft.  Damit  ergibt  sich  von 
selbst,  daß  auch  von  dem  gewohnten  künstleri- 
schen Vorgang  (Haupthandlung,  Nebenhandlung, 
Episoden]  und  den  gewohnten  künstlerischen 
Formen  (Eleganz  des  Ausdrucks,  Stil,  Geist) 
nichts  vorhanden  ist.  In  der  Welt  Zolas  gibt's 
keine  privilegierte  Kasten,  keine  Heroen,  keine 
großen  Lebenstatsachen  von  erlesenem  Adel, 
die  sich  ihre  edle,  feierliche  Form  schaffen. 

Und  wieder  die  Frage:  Ist  das  Kunst?  Was 
für  Kunst? 

Um  darauf  eine  Antwort  zu  finden,  müssen 
wir  vom  Streit  des  Tages  und  seinen  Eindrücken 
absehen,  wir  müssen  weitere  Horizonte  suchen 
und  Zola  im  geschichtlichen  Zusammenhange 
nehmen,  im  allgemeinen  Weltwerden.  Kultur 
und  Kunst  erblicken  wir  in  einem  Zustande  der 
Krisis.  Die  Ideale  sind  zerronnen,  ruft  Schiller. 
Das  Echo  dieses  Rufes  vernehmen  wir  bei 
Byron,  Leopardi,  Lamartine.  Ist  deswegen  die 
Kunst  gestorben?  Was  gestorben  ist,  war  eine 
alte  Form,  die  man  für  Kunst  genommen.  Während 
sich  die  einen  an  eine  Form  anklammern,  die 
im  Verschwinden  ist,  und  den  Tod  der  Kunst 


EMJLE  ZOLA  5/ 


beweinen,  stehen  andere  Geister  auf,  freier  und 
ruhiger,  die  den  Impulsen  der  neuen  Zeit  folgen 
und  ihre  Kunst  schaffen  —  diese  Bewegung 
geht  durch  ganz  Europa.  Victor  Hugo  kehrt 
den  klassischen  Formen  den  Rücken  und  um- 
schmeichelt die  plebejischen  Formen  und  läßt 
sich  in  alle  Widersprüche  des  wirklichen  Lebens 
ein.  Er  möchte  ein  Apostel  des  neuen  Lebens 
sein,  trägt  aber  in  seinem  Schöße  noch  die 
Reste  des  alten  Lebens.  So  wird  er  Schöpfer 
von  phantastischen  Typen,  die  auch  nichts  weiter 
sind  als  idealistische  Konstruktionen,  wie  sein 
Gavroche,  sein  Quasimode  und  viele  andere  — 
Bastardzeugungen  aus  Traum  und  Wirklichkeit, 
Geschichte  und  Roman.  Die  Zwitterbildung 
historischer  Dramen,  historischer  Romane,  die 
eine  Zeitlang  üppig  geblüht  und  dann  rasch  ver- 
welkte, ist  nur  interessant  als  Seitenbewegung 
zum  Naturalismus  hin.  Wir  sind  der  phanta- 
stischen und  sentimentalen  Themata  wie  der 
subjektiven  und  idealen  Konstruktionen  müde 
geworden.  Wir  fühlen,  die  Reaktion  des  neuen 
Geistes  gegen  die  alte  Welt,  deren  Ideale  nur 
noch  Konventionen  sind,  vollzieht  sich  mit  Not- 
wendigkeit. 

Der  alte  Spruch:  Ich  bin  ein  Mensch,  nichts 
Menschliches  ist  mir  fremd,  bedarf  der  Erwei- 
terung. Es  gibt  Empfindungen,  die  der  Mensch- 
heit fremd  sind  und  doch  eine  Seite  unseres 
Herzens  erzittern  lassen.    Zum  Beispiel  die  all- 


52  MICHAEL  GE07{G  C0JVT{JII> 

gemeinste  Empfindung:  Der  Sinn  fürs  Leben- 
dige. Im  Altertum  war  die  Kunst  gewöhnlich 
heroisch  oder  episch,  als  Ausdruck  geheimer 
oder  göttlicher  Ursachen,  dann  wurde  sie  mensch- 
lich oder  lyrisch,  als  wäre  der  Mensch  der  ein- 
zige Mittelpunkt  des  Universums.  Später  er- 
kannte man,  daß  im  Zentrum  der  Kunst  nicht 
mehr  äußere  und  himmlische  Ursachen  wirken, 
sondern  das  Bewußtsein,  das  Gewissen,  die 
Psyche.  Heute  ist  die  Basis  der  Kunst  das 
Lebendige.  Material  der  Kunst  ist  nicht  das 
Schöne  und  Edle,  sondern  alles,  was  lebendig 
ist.  Der  alte  Spruch  des  Terenz  kann  nun  so 
geformelt  werden:  Ich  bin  ein  lebendiges  Wesen, 
nichts,  was  lebt,  ist  meinem  Herzen  fremd.  Es 
ist  also  ein  Sinn  in  uns,  der  uns  in  der  Kunst 
das  Lebendige  und  im  Lebendigen  das  Natür- 
liche, das  Echte  (nicht  das  Übertriebene,  Ide- 
alisierte, Aufgeschminkte)  genießen  läßt.  Mehr 
noch.  Wie  wir  uns  nicht  mehr  mit  den  Göttern, 
mit  den  himmlischen  Einflüssen  begnügen,  halten 
wir  uns  auch  nicht  mehr  an  die  Phänomene  des 
Gewissens.  Unsere  Nachkommen  werden  über 
alle  die  psychologischen  Erklärungen  lachen, 
die  wir  uns  heute  noch  gefallen  lassen,  wie  wir 
über  die  Göttermaschinerie  der  Alten  lachen, 
Die  Kunst  stellt  eben  immer  das  Leben  dar, 
wie  es  in  einer  bestimmten  Zeit  erfaßt  und  er- 
klärt wird.  Die  Bedeutung  des  Lebens  lehrt 
uns  die  Wissenschaft,  und  das  künstlerische  Leben 


EMJLE  ZOLA ^ 


einer  Zeit  korrespondiert  mit  der  Wissenschaft 
eben  dieser  Zeit.  Heute  würde  eine  glattweg 
spychologische  Kunst  nicht  mehr  dem  Stand 
der  Wissenschaft  entsprechen.  Man  kann  mir 
sagen:  Die  Wissenschaft  ist  wahr,  die  Wissen- 
schaft ist  falsch  —  aber  fraglos  ist  es  so:  Dies 
ist  unsere  Wissenschaft,  und  die  Wissenschaft 
ist  der  Geist  unseres  Jahrhunderts.  Der  Be- 
griff vom  Menschen  ist  verwickelter  geworden. 
Es  gibt  keinen  irdischen  Einfluß,  der  nicht  zur 
Differenzierung  des  Erdenmenschen  beitrüge 
und  seine  Bildung  bestimmte.  Den  Menschen 
in  seinen  letzten  Tiefen  zu  betrachten,  gibt  der 
Kunst  neue  Elemente  wie  der  Moral.  Eine 
ganze  mikroskopische  Welt,  die  zuvor  noch  kein 
Auge  beachtet,  ist  für  die  Kunst  aufgegangen. 
Nun  muß  auch  sie  von  der  Oberfläche  ins  In- 
nere dringen.  Die  Kunst  hat,  kurz  gesagt,  um 
dem  Menschen  zu  schmeicheln,  zu  sehr  seine 
natürlichen  Kräfte  und  animalischen  Eigenschaf- 
ten vernachlässigt.  Die  Natur  fordert  ihren 
Platz  in  der  neuen  Kunst,  die  Animalität  will 
eine  breitere  Berücksichtigung.  Der  bis  zum 
äußersten  verfeinerte  Gedanke  will  die  Hamlet- 
sche  Blässe  abtun  und  in  der  animalen  Kraft 
neue  Jugend  gewinnen.  Die  Animalität  ist  die 
Poesie  junger  Zeiten.  Achill  ist  das  wildeste 
und  schrecklichste  Tier,  das  jemals  Poetenphan- 
tasie geschaffen.  Dantes  Hölle  ist  die  gewal- 
tigste Schilderung  der  menschlichen  Animalität. 


54  MICHAEL  GEOTjG  COWjJlD 

(Also  doch  Dante!  rief  Zola.) 

In  dem  alten  Europa,  das  nach  neuem  Blute, 
nach  Verjüngung  lechzt,  ist  mit  den  abstrak- 
ten und  mystischen  Idealen  nichts  mehr  anzu- 
fangen. So  muß  mit  der  natürlichen  Entwick- 
lung die  künstlerische  Schritt  halten.  Homer, 
Dante,  Goethe  —  grandiose  Entwicklungsepo- 
chen heften  sich  an  diese  Namen.  Wir  wollen 
das  Werden  schauen,  Aufstieg  oder  Niedergang, 
nicht  mehr  fertige  Kategorien.  Auch  die  Sprache, 
in  ihrer  gelehrten  Erschöpfung,  will  wieder 
näher  zur  Natur  hin,  zum  Idiom  des  Volkes, 
das  sich  nicht  von  Regeln  leiten  läßt,  sondern 
von  Eindrücken,  won  leidenschaftlichen  Bewe- 
gungen. AU  das  Verkürzte,  Lebhafte,  Flüssige 
im  Dialektischen  mit  dem  ganzen  Bilder-  und 
Sinnspruch-Schatz  soll  der  Kunstsprache  wieder 
gewonnen  werden. 

Zola  baut  seinen  Roman  aus  wirklichem  Lebens- 
material, nicht  aus  Stoffen  der  Einbildung.  Wesen 
von  dieser  Beschaffenheit  bevölkern  nicht  nur 
Paris,  wir  finden  sie  in  allen  Hauptstädten,  ja, 
zwei  Drittel  der  Menschheit  sind  in  diesem  Zu- 
stand. Es  ist  ein  ehrlich  evolutionistischer 
Vorgang,  der  sich  vor  unsern  Augen  abspielt, 
und  es  ist  ein  wahres  Vergnügen  zu  sehen,  mit 
welchem  scharfen  Wirklichkeitssinn,  mit  welcher 
Genauigkeit  wissenschaftlicher  Beobachtung  alle 
Übergänge  dieser  langsamen  und  unbewußten 
Auflösung  festgehalten    sind.     Wie   die   Natur 


EMILE  ZOLA  $$ 


den  psychischen  Menschen,  so  bildet  hier  der 
Verfall  den  moralischen  Menschen  um,  ohne 
daß  dieser  sich  dessen  versieht.  Die  Einheit 
im  Assommoir  bildet  die  Schnapsbude,  die 
cloaca  maxima,  aus  der  aller  Schmutz  fließt, 
dieses  Stelldichein  aller  Müßiggänger,  Tagdiebe 
und  Gauner.  Der  Zusammenhang  dieser  Spe- 
lunke mit  dem  Schicksal  der  armen  Gervaise, 
ein  Symbol  des  Schicksals  des  ganzen  Arbeiter- 
viertels, ist  mit  einer  Beharrlichkeit  entwickelt, 
die  Bewunderung  erregt.  Und  dieser  pracht- 
volle unpersönliche  Stil!  Der  Künstler  ist  nicht 
mehr  der  Priester,  der  sich  zwischen  Mensch 
und  Gott  schiebt,  der  Leser  tritt  in  unmittel- 
bare Gemeinschaft  mit  der  Sache.  Mit  dem 
ganzen  Katechismus  der  alten  Formen  ist  auf- 
geräumt. Trotzdem  fehlt  das  Ideal  nicht.  Es 
ist  in  den  Dingen  selbst  verborgen,  daraus  die 
menschlichen  Empfindungen  wie  Funken  sprü- 
hen. In  dieser  Welt,  wo  der  Mensch  verschwin- 
det und  die  Bestie  erscheint,  sind  die  wenigen 
flüchtigen  Spritzer  reinmenschlichen  Gefühls 
äußerst  fesselnd;  es  war  Entweihung,  wollte  sich 
der  Autor  einmischen,  sie  auch  nur  mit  einem 
einzigen  begleitenden  Wort  zu  stören.  Zuweilen 
blitzt  es  wie  ein  Silberfaden  auf  in  dem  schreck- 
lichen Gewebe  —  ein  stilles  Leuchten  des  den 
Dingen  eingeborenen  Ideals.  Freilich,  der  Leser 
der  alten  Schule  merkt  es  kaum,  er  ist  an  grobe 
Mittel    gewöhnt.     Meisterstücke   dieser   unaus- 


56 


MICHAEL  GE07{G  CONRAD 


rottbaren  innigen  Lebenspoesie  sind  die  Szenen, 
wo  Goujet  der  Gervaise  seine  Liebe  erklärt,  wo 
sie  beide,  von  einem  bösen  Gedanken  gequält, 
um  einer  Aussprache  zu  entgehen,  aufs  Feld 
laufen,  und  dann  die  erschütternde  Totenszene 
mit  dem  „Fais  dodo,  ma  belle!"  des  betrunkenen 
Sargträgers.  Wie  gemein  und  wie  ergreifend! 
Die  theologischen  und  metaphysischen  Ideale 
schwinden  dahin;  aber  fühlen  wir  nicht,  wie 
wenigstens  ebenso  wirksame  wie  die  natürlichen 
Ideale  sie  ersetzen? 

Die  Kritik  hat  heute  noch  viel  vom  Turm- 
bau zu  Babel  und  seiner  Sprachenverwirrung. 

Die  Vorläufer  einer  neuen  Kunst  sind  wie 
die  Milchstraße,  sie  hinterlassen  einen  leuchten- 
den Nebelstreif,  aber  die  schärferen  Augen  der 
Nachkommenden  entdecken  in  diesem  Licht 
die  Sterne.  Idealismus,  Realismus  und  alle  Is- 
men decken  sich  nicht  mit  der  Wahrheit  der 
Dinge.  Die  Natur  ist  viel  umfassender  und 
läßt  sich  nicht  dahinein  pressen.  Die  neue  Kunst 
ist  nicht  mehr  Beschaulichkeit,  nicht  mehr  ohn- 
mächtiger Hamletgedanke;  sie  ist  Handlung,  sie 
ist  die  Tat  des  verjüngten  Faust.  Die  Losung 
des  ernsthaften  Künstlers  lautet:  Laß  die  Dinge 
sprechen!  Sunt  lacrimae  rerum.  Gib  uns  die 
Tränen  der  Dinge  und  erspare  uns  die  Deinigen! 

(Der  Bericht  schließt:  Schallender  und  an- 
dauernder Beifall.  Die  Menge  umdrängt  den 
Redner.     Tiefe  Bewegung.) 


BM1LB  ZOLA  jj 


Zola  saß  tief  in  seinem  Lehnstuhl,  die  Lippen 
aufeinander  gepreßt,  die  Augen  wie  versunken, 
in  eine  ferne,  ferne  Welt.  Endlich  erhob  er 
sich  mit  einem  Seufzer:  AJlons  travailler! 


BT{Jim>ZS:  £>7£  UTZT{JlTV1i.  BJIJVD  XXVIII 


$8  MICHAEL  CEOJ{G  COM^AB 


1 

m 

CH  SCHLAGE  D1ETAGE- 
bücher  der  Brüder  Goncourt 
auf  und  stelle  die  wesentlichen 
Aufzeichnungen  zusammen,  die 
sich  darin  über  Zola  finden: 

1 868, 1 4-  Dezember.  Wir  haben 
heute  unsern  Bewunderer  Zola 
zum  Frühstück  bei  uns.  Es  war  das  erstemal, 
daß  wir  uns  begegneten.  Unser  erster  Eindruck 
von  ihm  war  der  eines  ehemaligen  Normal- 
schülers vom  äußeren  Habitus  Sarceys,  so  et- 
was wie  ein  totgeborenes  Kind,  aber  als  wir 
ihn  genau  betrachten,  enthält  der  untersetzte 
junge  Mann  in  seinen  Zügen  die  zarten  Fein- 
heiten kostbaren  Porzellans  mit  seinen  scharf- 
gezeichneten Augenbrauen  und  merkwürdig  ab- 
geplatteten Nasenflügeln.  Mit  einem  Wort:  er 
ist  etwas  künstlich  behauen,  gleich  den  Gestal- 
ten seiner  Bücher,  diesen  verwickelten  Wesen, 
die  bei  all  ihrer  Männlichkeit  bisweilen  etwas 
Frauenhaftes  haben.  Das  Kränkliche,  Leidende, 
Übernervöse  ist  eine  seiner  hervorstechenden 
Seiten.  In  Summa:  ein  unruhiger,  ängstlicher, 
tiefangelegter,  komplizierter,  geradezu  rätselhaf- 
ter Mensch.  Er  erzählt  uns  von  den  Schwie- 
rigkeiten seiner  Lebensführung  und  seinem 
brennenden  Wunsche  nach  einem  Verleger,  der 
ihm  für  sechs  Jahre  hinaus  jährlich  sechstausend 
Francs  für  sich  und  seine  Mutter  zusichern  und 


EMILE  ZOLA  59 


ihm  dadurch  die  Möglichkeit  geben  würde,  seine 
„Geschichte  einer  Familie",  einen  Roman  in  acht 
Bänden,  zu  schreiben.  Denn  er  möchte  nur  noch 
umfangreiche  Sachen  schreiben,  nicht  mehr  diese 
infamen  unwürdigen  Zeitungsartikel,  die  ihm 
wider  den  Strich  gehen.  Während  er  mit  bitte- 
ren Worten  sich  und  uns  wieder  zum  Bewußt- 
sein bringt,  daß  er  erst  achtundzwanzig  Jahre 
zählt,  kommt  zwischendurch  seine  unbändige 
wütende  Willenskraft  jäh  zum  Ausdruck.  „Wir 
sind  vorläufig  die  letzten,  wir  wissen,  daß  Sie 
und  Flaubert  unsere  literarischen  Ahnen  sind, 
jawohl  Sie!  Selbst  Ihre  Feinde  müssen  aner- 
kennen, daß  Sie  Ihre  eigene  Kunstform  erfun- 
den haben!  Sie  glauben,  daß  das  nichts  sei? 
Das  ist  alles!" 

1872,  3. Juni.  Zola  frühstückt  heute  bei  mir. 
Ich  sehe,  wie  er  sein  BordeauxgJas  mit  beiden 
Händen  faßt  und  höre  ihn  sagen:  „Sehen  Sie 
bloß,  wie  meine  Finger  zittern!"  Und  er  erzählt 
von  einem  beginnenden  Herzleiden,  einem  be- 
ginnenden Blasenleiden,  einem  drohenden  Ge- 
lenkrheumatismus. Niemals  scheinen  die  Schrift- 
steller so  sehr  als  Todeskanditaten  auf  die  Welt 
gekommen  zu  sein  wie  heutzutage,  und  niemals 
ist  die  geistige  Arbeit  aufreibender  und  ruhe- 
loser gewesen.  Trotz  seines  leidenden  Nerven- 
zustandes  arbeitet  Zola  täglich  von  neun  Uhr 
früh  bis  halb  eins  und  von  drei  bis  acht  abends. 
Trotz    seines  Talents    und    seines   wachsenden 


6ö  MJCTiJlEL  CE07{G  COW{JID 

Rufes  ist  er  zu  solcher  Anstrengung  um  des 
lieben  Brotes  willen  gezwungen.  „Es  bleibt 
mir  nichts  anderes  übrig",  betont  er  wiederholt. 
„Glauben  Sie  ja  nicht,  daß  ich  viel  Energie  habe, 
ich  bin  faul  von  Natur,  keiner  hinreißenden 
Begeisterung  für  die  Arbeit  fähig.  Der  Wille 
ist  bei  mir  durch  die  fixe  Idee  ersetzt.  Ich 
würde  krank,  wenn  ich  ihrer  Herrschaft  nicht 
gehorchte". 

1875,  25.  Januar.  Diner  mit  Turgenjew,  Zola 
und  Daudet.  Zola  ist  entzückt  von  der  ausge- 
zeichneten Küche.  Als  ich  ihn  frage:  „Sind  Sie 
ein  Feinschmecker,  Zola?"  antwortet  er:  „Wahr- 
haftig, das  ist  mein  einziges  Laster.  Wenn  es 
bei  mir  nicht  etwas  Gutes  zu  Tisch  gibt,  so  bin 
ich  unglücklich.  Ich  habe  ja  auch  nichts  weiter, 
alles  andre  existiert  nicht  für  mich.  Ach,  wenn 
Sie  wüßten,  wie  mein  Leben  sich  ableiert!" 
Und  mit  plötzlich  verdüstertem  Gesicht  beginnt 
er  das  Kapitel  von  seinem  Elend,  entwirft  das 
dunkelste  Gemälde  von  seiner  Jugend,  schildert 
die  Bitterkeiten,  die  er  täglich  auskosten  muß, 
die  Kränkungen  und  Verdächtigungen,  die  man 
ihm  täglich  zufügt,  die  Acht,  die  man  über 
seine  Bücher  verhängt.  Auf  den  Einwurf,  daß 
er  sich  nicht  zu  beklagen  brauche,  daß  er  für 
seine  fünfunddreißig  Jahre  es  schon  recht  hübsch 
weit  gebracht  habe,  da  erwidert  er:  „Erlauben 
Sie  ein  offenes  Wort.  Nennen  Sie  mich  kin- 
disch,   meinetwegen.     Niemals    werde    ich    die 


EMiLE  ZOLA  6l 


Ehrenlegion  bekommen,  niemals  in  die  Akade- 
mie aufgenommen  werden,  niemals  eine  jener 
Auszeichnungen  erhalten,  die  eine  öffentliche 
Bestätigung  unseres  Talentes  sind.  In  den  Au- 
gen des  Publikums  bleibe  ich  ein  Paria,  jawohl, 
ein  Paria."  Vier-,  fünfmal  wiederholte  er  das 
Wort  mit  Heftigkeit. 

1878,  17.  Mai.  Diner  bei  Charpentier,  für  die 
Fünf,  wie  man  uns  nennt.  Zola  spricht  von  dem 
Mißerfolg  seines  vor  zehn  Tagen  aufgeführten 
Stückes  „Die  Rosenknospe"  und  ruft  aus:  „Das 
macht  mich  wieder  jung.  Ich  fühle  mich  wie- 
der wie  ein  Zwanzigjähriger.  Der  Erfolg  des 
Assommoir  hat  mich  erschlafft.  Wahrhaftig,  wenn 
ich  an  die  lange  Romanreihe  denke,  die  ich  noch 
fertig  zu  machen  habe,  so  fühle  ich,  daß  nur 
der  Zustand  des  Kampfes  und  der  zornigen  Er- 
regung es  mir  ermöglicht,  sie  zu  schreiben." 

1881,  20.  Juni.  Daudet  und  Charpentier  mit 
ihren  Frauen  und  ich  begeben  uns  heute  nach 
Medan  zum  Besuch  zu  Zolas.  Zola  holt  uns 
auf  dem  Bahnhof  ab,  er  ist  sehr  zufrieden  und 
vergnügt  und  ruft,  als  wir  im  Wagen  unterge- 
bracht sind:  „Ich  habe  heute  zwölf  Seiten  an 
meinem  Roman  geschrieben,  zwölf  Seiten,  alle 
Wetter!  Das  wird  einer  der  verwickeltsten,  die 
ich  geschrieben  habe,  es  kommen  siebzig  Per- 
sonen drin  vor."  Während  er  dies  sagt,  schwenkt 
er  eine  gräßliche  kleine  Stereotyp-Ausgabe  in 
der  Luft,   die   sich   als   der  Roman   „Paul   und 


62  MICHAEL  GBOJ{G  CONRAD 

Virginie"  entpuppte,  den  er  als  Lektüre  wäh- 
rend der  Fahrt  mitgenommen.  Seine  Besitzung, 
die  er  für  siebentausend  Francs,  glaube  ich,  ge- 
kauft hatte,  kostet  ihn  heute  schon  mehr  als 
zweihunderttausend.  Sein  Arbeitszimmer  ist 
ungeheuer  hoch  und  groß,  über  dem  Kamin 
liest  man  den  Wahlspruch:  Nulla  dies  sine  linea. 
In  einer  Ecke  bemerkt  man  ein  Harmonium, 
dessen  Akkorde  der  berühmte  Naturalist  in  der 
Dämmerung  ertönen  läßt.  Man  frühstückt  ver- 
gnügt. 

20.  Oktober.  Zola  ist  von  Hause  aus  ein 
Verächter  des  Geldes.  Wie  er  heute  erzählte, 
hat  er  als  Kind  mit  dem  ersten  Zwanzigsous- 
stück,  das  er  bekam,  für  neunzehn  Sous  sich 
ein  Geldtäschchen  gekauft  und  den  übrig  ge- 
bliebenen Sou  hineingesteckt.  — 

Soweit  das  Goncourt-Tagebuch.  Es  ist  von 
Anfang  an  von  den  Brüdern  Jules  und  Edmond 
und  später  seit  1870  von  Edmond  allein  mit 
dem  Blick  auf  die  Veröffentlichung  geschrieben 
worden.  Alle  Intelligenz  und  ritterliche  Gerad- 
heit in  Ehren,  von  spielerisch -selbstgefälligem 
Getue  sind  die  Aufzeichnungen  der  berühmten 
Ästheten  nicht  frei.  Dem  glücklicherweise  so 
wenig  von  Pariser  Kultur  beleckten  Natur- 
kind Zola  gegenüber  —  er  erfreut  sich  zum 
Beispiel  einer  Feinheit  und  Schärfe  des  Geruch- 
sinns, wie  man  sie  nur  noch  bei  primitiven  Rassen 
findet  —  hatten  es  die  vornehmen,  mit  Glücks- 


EMILE  ZOLA  63 


gütern  gesegneten  Herren  leicht,  sich  in  den 
hohen  Olymp  zu  schwingen  und  ihn  fühlen  zu 
lassen,  wie  wohlwollend  sie  sich  zu  dem  Em- 
porkömmling stellten.  Das  Denken  mit  dem 
Herzen  ist  ihnen  gewiß  nicht  versagt  gewesen, 
aber  im  Ausdruck  bevorzugen  sie  zuweilen  ein 
Gedreh  und  Gedrechsel,  das  nicht  mannhaft 
wirkt.  Spaßhaft  ist  die  Impression  der  ersten 
Begegnung,  daß  jemand  wie  ein  totgebornes 
Kind  aussieht  und  doch  Feinheiten  alten  Por- 
zellans hat.  Die  Kunst,  vergebliche  Worte  zu 
unterlassen  und  sehr,  sehr  wählerisch  im  Aus- 
druck von  Augenblicksstimmungen  zu  sein,  wo 
sich's  um  höchst  wertvolle  Exemplare  der 
menschlichen  Gattung  und  nicht  um  artistische 
Seltenheiten  und  Sammler -Trödel  handelt,  ist 
den  Tagebuchschreibern  nicht  immer  geglückt. 
Man  möchte  wetten,  daß  sie  in  der  Abschät- 
zung eines  Kunstgegenstandes,  eines  Bibelots 
zurückhaltender  und  ängstlicher  gewesen  als 
in  der  Wertung  eines  lebendigen  Menschen- 
bildes. Wenn  ihre  feine  Bildung  sie  auch  da- 
vor bewahrte,  der  in  Pariser  Literatenkreisen 
so  gehätschelten  Geistreichigkeit  um  jeden  Preis 
zu  verfallen,  dem  schweren  Ernst  in  Zola  und 
seiner  ungeheuren  Gewissenhaftigkeit  wurde  ihr 
leichtblütiges  Künstlernaturell  kaum  gerecht. 

Wie  rührend  treu  Zola  seinem  enggezogenen 
Pariser  Freundeskreis  gewesen  —  Goncourt, 
Flaubert,     Daudet,    Turgenjew    und   Verleger 


§± 


MICHAEL  GE07{G  COW{JID 


Charpentier  —  läßt  sich  mit  Worten  nicht  sa- 
gen. Als  Flaubert,  kaum  sechzig  Jahre  alt,  in 
der  Fülle  der  Freude  an  seinem  ruhmvollen 
Sonderlingsleben,  plötzlich  dahin  mußte,  war 
Zola  so  erschüttert,  als  wäre  ein  leiblicher  Bru- 
der von  ihm  gegangen.  Tage  und  Tage  brauchte 
er,  um  einen  Nachruf  von  wenigen  Seiten  zu 
Ende  zu  schreiben,  so  heftig  war  sein  Herz  be- 
wegt, und  unaufhaltsam  brachen  ihm  die  Tränen 
hervor.  Und  wie  hat  er  Jöwenmutig  für  ihn 
gegen  die  Philister  gekämpft!  Von  demselben 
Gustav  Flaubert  lasen  wir  jetzt  in  seinem  Brief- 
wechsel aus  dem  Jahre  1878,  daß  er  sich  selbst 
in  philisterlichem  Gelehrtendünkel  über  Zola 
erhob  und  ihm  mit  hämischem  Tadel  in  den 
Rücken  fiel.  Im  tapferen  Eintreten  für  die 
Kameraden  tat  es  Zola  allen  seinen  Waffenbrü- 
dern zuvor.  Die  zahlreichen  Bände  seiner  ge- 
sammelten kritischen  Artikel  in  Zeitungen  und 
Zeitschriften  sind  ein  einziger  glänzender  Be- 
weis seiner  Treue  im  Kampf.  Umsonst  sucht 
man  in  diesen  klaren  Belegstücken  nach  einem 
einzigen  Wort,  woraus  sich  erweisen  ließe,  daß 
Zola  dabei  auch  nur  einen  einzigen  Augenblick 
etwas  von  jenem  häßlichen  Geschäft  im  Auge 
gehabt  haben  könne,  was  wir  in  Deutschland 
Ruhmesversicherung  auf  Gegenseitigkeit  nennen. 
Es  ist  ein  unangreifbarer  Bestandteil  der  sitt- 
lichen Größe  Zolas,  daß  er  sich  niemals  sein 
Ideal     der    Wahrhaftigkeit    und    Gerechtigkeit 


EMJLE  ZOLA  6$ 


durch  irgend  eine  Rücksicht  verdunkeln  ließ. 
Kein  Fleckchen  ist  auf  dem  Schilde  seiner  Ehre 
zu  entdecken.  Als  Mensch  wie  als  Literat  war 
er  ein  Ganzer,  ein  Unentwegter.  Literatur  und 
Kunst  waren  ihm  nicht,  wie  manchem  seiner  be- 
rühmten Zeitgenossen  (ich  nehme  hier  weder  die 
Brüder  Goncourt  nach  Guy  de  Maupassant 
aus)  artistische  Probleme  im  Sinne  Nietzsches, 
sie  waren  ihm  sein  Leben  selbst. 

Über  ein  Menschenalter  hat  er  mit  der  Fe- 
der in  der  Hand  den  wahrhaft  mörderischen 
Kritiken  seiner  Gegner  im  In-  und  Auslande 
standgehalten.  Seine  Rechtschaffenheit  und  seine 
Überzeugung  haben  ihn  wie  mit  Erz  gepan- 
zert. Die  wiederholten  Versuche,  einen  Sitz  in 
der  Akademie  zu  erringen,  hat  man  mit  Un- 
recht seinem  naiven  Ergeiz  allein  aufs  Konto 
gesetzt.  Er  wollte  das  alte  Institut,  so  vielfach 
eine  Hochburg  rückständigen  Geistes  und  nicht 
einwandfreier  Gesinnung  im  Zusammenspiel  mit 
politischen  Parteien,  zur  Kapitulation  vor  sei- 
nem Werke  und  seiner  Richtung  zwingen.  Er 
wollte  eine  öffentliche  Bestätigung  dafür  haben, 
daß  er  zu  hoher  vaterländischer  Bedeutung  ge- 
kommen durch  die  heldenhafte  Beharrlichkeit, 
den  eisernen  Fleiß  und  die  wissenschaftliche 
Umsicht,  womit  er  von  seinen  frühesten  Mannes- 
jahren sich  seiner  einzigen  Aufgabe  gewidmet, 
zum  Heil  und  Ruhme  Frankreichs.  Die  „Un- 
sterblichen" unter  der  Kuppel  Mazarins  haben 


66  MICHAEL  GEOT{G  CONT{AT> 

ihm  diese  Bestätigung  verweigert.  Die  Bedeu- 
tung Zolas  ist  dadurch  nicht  geringer  geworden. 
Auf  den  Tafeln  der  geschichtlichen  Bewegung 
des  Literaturgeistes  in  Frankreich  ist  die  Linie 
mit  wachsender  Schärfe  und  Deutlichkeit  zu  er- 
kennen: Stendhal  1783 — 1840,  Balzac  1799  bis 
1850,  Flaubert  1821  —  j88o,  Zola  1840—1902. 
Auch  von  seinen  großen  Vorgängern  ist  keiner 
der  Aufnahme  in  die  Akademie  gewürdigt  wor- 
den. Die  höhere  Kultur  verliert  nichts  dabei, 
wenn  ihre  Vertreter  auf  diese  Art  von  „Unsterb- 
lichkeit" verzichten. 

Aus  dem  Meister  des  französischen  Natura- 
lismus den  Häuptling  einer  Schule  machen  zu 
wollen  und  damit  den  großen  Eigenwilligen 
und  Eigenmächtigen  in  einezünftlerische  Hand- 
werkerwelt alten  Lebensstils  einzuspannen,  ge- 
hört zu  den  Spielen,  welche  die  Ewiggestrigen 
nicht  lassen  mögen.  Die  sich  in  den  Abenden 
von  Medan  mit  ihren  Erstlingsarbeiten  um  Zola 
gesammelt,  sind  alle  mit  mehr  oder  weniger 
Glanz  ihrer  eigenen  Wege  gegangen,  und  Namen 
wie  Guy  de  Maupassant  und  Huysmans  werden 
noch  lange  im  Sternbilde  Zolas  ihren  hellen 
Schein  bewahren.  Jeder  Künstler-Mensch  von 
ursprünglicher  Begabung  —  und  nur  sie  zählen 
in  der  höheren  Kultur,  nicht  die  Nachahmer, 
nicht  die  Abschreiber,  und  mögen  sie  noch  so 
brav  sein  und  ihre  Leistungen  noch  so  täuschend 
—   trägt   sein    eigenes  Gesetz   in    sich,  schafft 


EMILE  ZOLA 6? 

sich  seine  eigene  Methode  und  Regel.  Nach 
dem  Grade  der  Verwandtschaft  ziehen  sie  sich 
an  oder  stoßen  sich  ab.  Nur  als  Erwecker, 
als  Mutmacher  und  Dränger  wirkt  ein  Kunst- 
Mensch  auf  den  andern.  Einer  steigert  dem 
andern  das  Gefühl  seiner  besonderen  Artung 
und  Entwicklungsgewißheit.  Alle  Naturalismen, 
die  sich  seit  Zola  ausgelebt  haben,  sind  mit 
ihrem  eigenen  Ton  in  dem  großen  Zeitkonzert 
gehört  worden,  und  nur  ganz  schlechte  Musi- 
kanten in  der  kritischen  Zunft  versteifen  sich 
darauf,  keine  Nuancen  zu  merken  und  keinen 
Wechsel  in  der  Besetzung  des  Orchesters. 
Zwischen  der  besten  naturalistischen  Partitur 
Gerhart  Hauptmanns:  Dem  „Fuhrmann  Hen- 
schel"  oder  den  „Webern",  oder  Holzens-Schlaf: 
„Familie  Selike"  und  Zolas  „Therese  Raquin" 
sind  die  inneren  künstlerischenllnterschiede  nicht 
geringer,  als  die  psychologischen  Wesensgründe, 
die  die  Volksseele  französischer  Sprache  von 
der  Volksseele  deutscher  Zunge  scheiden. 

Darum  ruft  es  bei  dem  fein  empfindenden 
Kulturmenschen  höherer  Ordnung  nicht  die  ge- 
ringste Verwunderung  hervor,  daß  ein  einheit- 
lich gestimmter  Dichter  unter  gewissen  Beding- 
ungen den  andern  ebenso  einheitlich  gestimm- 
ten Dichter  kalt  ablehnt,  wie  Friedrich  Hebbel 
den  Lord  Byron  oder  Grillparzer  den  Friedrich 
Hebbel,  während  Goethe  von  innigster  Wärme 
für  Byron  erfüllt  war.   Friedrich  Nietzsche,  der 


68  MJCTfJIEL  GE07{G  C07V7^D 

Dichter-Denker  der  zweiten,  seiner  radikal-po- 
sitivistischen  Entwicklungsperiode,  konnte  den 
Gott  seiner  ersten  Periode,  Richard  Wagner, 
für  den  er  durchs  Feuer  gegangen,  nicht  mehr 
verstehen  und  nicht  mehr  ausstehen,  und  Emile 
Zolas  Naturalismus  wies  er  als  „Kunst  zu  stin- 
ken" mit  paradoxem  Eifer  weit  von  sich,  ob- 
wohl sich  Nietzsche  und  Zola  in  ihrem  brutal- 
genialen Eintreten  für  den  natürlichen  Macht- 
willen und  dessen  Hochziele  im  Spiel  der  ge- 
schichtlichen Kräfte  unverkennbar  berühren  wie 
mit  Adlersfittichen.  Anatole  France,  der  feine 
Skeptiker  und  Stilkünstler  wandte  jahrelang 
Zola  den  Rücken  mit  der  spöttischen  Begrün- 
dung: „Ich  lese  nur  französische  Bücher"  — 
bis  er  eines  Tages  den  heftigsten  Bewunderer 
des  verachteten  Zola  in  sich  entdeckte. 

Mit  diesen  Widerspielen  in  den  oberen  Re- 
gionen hat  es  freilich  nichts  zu  schaffen,  wenn 
ein  Witzbold  der  unteren  Regionen  sich  wich- 
tig macht:  „Ich  weiß  nicht,  wann  ich  Zola  le- 
sen soll,  vor  Tisch  verdirbt  er  mir  den  Appetit, 
nach  Tisch  stört  er  mir  die  Verdauung,  und 
abends  schlafe  ich  darüber  ein."  Der  Mann 
täuscht  sich  einfach,  es  hat  ihm  niemand  zuge- 
mutet, Zola  zu  lesen,  die  Befriedigung  seines 
Lesetriebs  ist  für  die  Welt  in  und  um  Zola 
gleichgültig. 

Der  Künstlermensch  lebt  in  seiner  selbstge- 
schaffenen Atmosphäre.     Er  ist  ein  Ursprung- 


EMJLE  ZOLA 6g 


liches,  rätselvolles  Gebilde  der  Schöpfung,  eine 
Individualität,  deren  Geheimnis  nicht  bloß  in 
ihren  handwerks-künstlerischen  Leistungen  an 
sich  liegt,  sondern  ebenso  sehr  in  ihrem  eigen- 
tümlich gesteigerten  Menschlichen.  Der  Dich- 
ter beobachtet  wie  der  Forscher,  aber  sein  Be- 
obachten ist  zugleich  sein  intensives  Erleben. 
Sein  Gestalten  intensivster  Erlebnisse  ist  nur 
möglich  im  Überströmen  seiner  Seelenkraft. 
Die  gestaltende  Arbeit  des  Wissenschaftsmen- 
schen ist  reine  Vernunft  und  weiß  in  der  Regel 
nichts  von  dem  Flammenbad  des  Künstlers. 

Zolas  hartnäckiges,  aus  dem  Gegensatz  zur 
blümeranten  Schablonenromantik  erklärliches 
Versteifen  auf  die  naturwissenschaftlichen  Kunst- 
ausdrücke im  Schöngeistigen  hat  ihn  als  Ästhe- 
tiker den  bekannten  Mißverständnissen  ausge- 
setzt. Seine  Kampfesästhetik  hat  ihm  den  dum- 
men Vorwurf  zugezogen,  seine  Romane  seien 
keine  Kunstwerke,  an  denen  die  schöpferische 
Phantasie  in  erster  Linie  beteiligt  sei,  sondern 
pseudowissenschaftliche  Verstandesarbeit.  Eben- 
so gefährlich  wurde  ihm  das  Ausplaudern  sei- 
ner Werkstattgeheimnisse,  seiner  Arbeitsmethede. 
„Er  dichtet  aus  dem  Notizbuch  und  aus  dem 
Zettelkasten!"  riefen  die  idiotischen  Neunmal- 
weisen, die  mit  allen  Notizbüchern  und  Zettel- 
kästen der  Welt  nicht  imstande  wären,  einen 
Säufer  wie  den  Coupeau  oder  eine  Dirne  wie 
die  Nana  hinzustellen  oder  auch  nur  eine  ein- 


JO         MJCBJIEL  GEOJ{G  C0M1{JIT> 

zige  Seite  im  Stile  dieses  eigenkräftigen  kriti- 
schen Seelenmenschen  zu  schreiben.  Gewiß, 
Zolas  Kampfesästhetik  ist  aus  der  Zeit  und  ver- 
geht mit  der  Zeit  und  trägt  nicht  den  Ewig- 
keitszug, der  aus  seinen  großen  Schöpfungen 
leuchtet. 

—  Merkwürdig,  sagte  ich  zu  Zola,  als  ich 
zu  ihm  ging,  ihn  zu  dem  Riesenerfolg  seiner 
„Nana"  zu  beglückwünschen,  merkwürdig,  wie 
Ihre  Art  zu  disponieren  und  zu  arbeiten  von 
den  Leuten  verkannt  wird.  Ich  erblicke  darin 
eine  einfache  künstlerische  Notwendigkeit,  eine 
Art  künstlerischer  Teleologie.  Man  sieht  sein 
Ziel  in  voller  Klarheit  und  läßt  sich  durch 
nichts  beirren.  Alles  wird  diesem  Ziele  ange- 
paßt, alles  muß  seiner  Erreichung  dienen.  Theo- 
rien, Methoden,  Lebensweise,  Rangordnung  in 
Liebe  und  Haß  —  alles  wird  in  den  Dienst 
dieses  Zieles  gestellt.  Von  den  neuen  großen 
Künstlern  ist  Richard  Wagner  ein  Beispiel  so 
außerordentlicher  Folgerichtigkeit  in  seinem 
Schaffen,  daß  dem  Blindesten  die  Augen  auf- 
gehen müßten.  Von  Etappe  zu  Etappe  wird  die 
teleologisch  festgelegte  Marschroute  deutlicher, 
bis  das  Ziel:  Bayreuth  und  die  Festspiele  zur 
höchsten  Vollendung  des  Musikdramas  erreicht 
ist.  Aber  die  Blinden  sehen  nicht.  Und  darum 
andauernd  dieses  blödsinnige  Geschwätz  über 
Richard  Wagner  und  seine  Kunst  wie  über  Sie, 
lieber  Meister,  und  Ihr  Schaffen. 


EMILE  ZOLA  Jl 


—  Wenn  Sie  das  Teleologie  nennen  wollen, 
so  bemerke  ich,  daß  das  zugleich  ein  Ergebnis 
des  Nachdenkens  über  sich  und  die  Welt  ist. 
Ich  hatte  nur  die  Wahl:  entweder  in  Paris  im 
Getriebe  des  Kampfes  ums  Brot  im  kleinen 
Journalismus  zu  verkommen  oder  mich  mit 
meiner  Idee  an  die  Spitze  der  literarischen  Be- 
wegung durchzuarbeiten  und  Paris  zu  erobern. 
Einen  gewaltigen  Stoff,  der  in  der  Mächtigkeit 
seiner  Ausarbeitung  alle  Energien  bindet  und 
dann  auf  das  Ziel  losschleudert!  Als  ich  meine 
Idee  und  meinen  Stoff  hatte  und  alle  Vorar- 
beiten erledigt  waren,  schrieb  ich  den  ganzen 
Plan  sauber  ins  Reine  und  schloß  meinen  Ver- 
trag mit  dem  Verleger  ab.  Zuerst  war  die  Serie 
auf  zwölf  Bände  berechnet,  dann  auf  zwanzig 
erweitert.  Also  ein  richtiges  Lebenswerk  mit 
der  geregelten  Arbeit  von  Tag  zu  Tag.  Nur 
die  Arbeit  kann  uns  von  der  Misere  des  Da- 
seins retten  und  alle  Traurigkeit  niederzwingen. 
Nur  sie  gibt  uns  die  Herrschaft  über  alles.  Die 
weitausgreifende  Disposition  meines  Roman- 
werkes unter  dem  Gesichtspunkte  der  Verer- 
bungshypothese diente  meiner  künstlerischen 
Befriedigung,  aber  auch  meiner  wirtschaftlichen 
Sicherung.  Ruhe  des  Schaffens  und  absolute 
Hingabe  an  das  künstlerischeZiel  ist  eine  schwere 
Sache  ohne  eine  gute  ökonomische  Basis.  Ich 
wollte  nicht  mechanisch  Werk  neben  Werk 
stellen  und  den  Stammbaum  der  Rougon-Mac- 


J2  MICHAEL  GEOJ{G  COMT{AT> 

quart  abarbeiten,  wie  man  reifes  Obst  pflückt. 
Die  geordnete  Produktion  sollte  Schritt  halten 
mit  meiner  Selbstentwicklung.  Die  äußere  Ar- 
beit war  zugleich  das  Drama  meiner  inneren 
Selbstbefreiung.  Das  Drama  will  Ordnung.  Der 
erste  Band  der  Rougon- Macquart  sollte  er- 
scheinen, da  kam  das  schreckliche  Jahr  1870 
mit  dem  Krieg.  Ich  war  als  einziger  Sohn  einer 
Witwe  militärfrei,  der  Ausbruch  des  Krieges 
überraschte  mich  in  Marseille  —  und  nun  war 
ich  abgeschnitten  von  Paris.  Meine  Frau  war 
mit  meiner  Mutter  bei  mir,  wir  waren  jung 
verheiratet,  und  die  zarte  Gesundheit  meiner 
Frau  forderte  den  Aufenthalt  im  Süden.  Aber 
ich  hatte  zunächst  nur  das  dumpfe  Gefühl: 
Dieser  Krieg  ist  das  Ende  der  Welt,  jetzt  ist's 
mit  Paris  und  der  Literatur  aus,  und  die  Be- 
dingungen meiner  literarischen  und  wirtschaft- 
lichen Existenz  sind  vernichtet.  Als  Katastrophe 
über  Katastrophe  kam,  eilte  ich  nach  Bordeaux, 
an  den  Sitz  der  Nationalverteidigung.  Alles 
hing  jetzt  von  der  Politik  ab,  die  mir  fatal  und 
verhaßt  war.  Es  blieb  mir  nichts  übrig,  ich  warf 
mich  auch  auf  die  Politik.  Bis  ich's  aber  zu  der 
Präfektur  brachte,  die  mir  in  Aussicht  war, 
wurde  Friede  geschlossen  und  Paris  war  wieder 
offen.  Im  Winter  1871  erschien  der  erste  Band 
meines  Zyklus.  Nun  wußte  ich,  daß  mich  nichts 
mehr  aus  der  Bahn  schleudern  sollte.  Vorwärts 
in  die  Zukunft  hinein,  an  der  Spitze  des  neuen 


FRAU  EMILE  ZOLA. 


EMILE  ZOLA 


11 


Geistes  der  Zeit,  zerstört  und  vergessen,  was 
hinter  mir  liegt.  Wenn  Sie  das  Teleologie  nen- 
nen wollen  —  ein  klarer  Zwang  meiner  Natur 
war  es  gewiß. 

—  Erstaunlich  finde  ich,  daß  Sie  neben  dieser 
Riesenarbeit  Ihres  Roman-Zyklus  dem  Jour- 
nalismus treu  bleiben  und  diese  Unsumme  von 
Aufsätzen  über  Literatur,  Kunst,  Theater,  politi- 
sche und  soziale  Fragen  veröffentlichen  konnten. 

—  Einmal  wollte  ich  die  Waffe  nicht  aus  der 
Hand  geben,  die  nur  der  moderne  Journalis- 
mus mit  seinem  ungeheuren  Leserkreis  bietet. 
Wie  ich  damit  unserer  impressionistischen  Evo- 
lution in  der  Malerei,  allen  voran  unserem  ge- 
nialen Manet  und  seinen  Leuten  nützen  konnte, 
wissen  Sie.  Sodann  gewährte  es  mir  eine  Er- 
holung, all  den  gräßlichen  Haubenstöcken  und 
Perücken  journalistisch  zu  Leibe  zu  gehen,  die 
uns  in  der  Neuordnung  unseres  schwer  heim- 
gesuchten Frankreich  behinderten.  Endlich  hielt 
ich's  für  meine  Pflicht,  die  wissenschaftliche  Me- 
thode des  Beobachtens,  Zergliederns  und  Ex- 
perimentierens  auf  alle  Fragen  des  öffentlichen 
Lebens  anzuwenden  und  etwas  Licht  und  Ge- 
rechtigkeit verbreiten  zu  helfen,  wo  die  alte 
Phrasenwirtschaft  der  Parteien  nichts  als  Ver- 
wirrung anrichtete.  Was  hat  man  sich  als  Freund 
des  freien  Denkens  und  als  redlicher  Bürger 
nicht  alles  vom  Herzen  zu  schreiben!  Glauben 
Sie,  daß  die  Erwerbsucht  dabei  mitgesprochen? 

BRANDES:  DIE  LITERATUR.  BAND XXVIII  F 


74  MlCJiJlBL  GEOT{G  C07V7^D 

Jetzt,  wo  der  fabelhafte  Erfolg  von  Nana  und 
Assommoir  auch  meine  früheren  Bücher  bei 
dem  Publikum  in  Schwung  bringt?  Oder  der 
Ehrgeiz,   auf  allen  Suppen  herumschwimmen? 

—  Und  noch  etwas,  Meister,  wäre  hier  an- 
zuführen. Damit  Sie  in  Ihrer  künstlerischen 
Produktion  rein  dichterisch  und  sachlich  ver- 
fahren konnten,  war  es  ein  vorzüglicher  Kunst- 
griff, alles  Tendenziöse  mit  dem  ganzen  Klein- 
kram der  literarischen  Sorgen  in  der  Presse  ab- 
zuladen. Im  Journalismus  werfen  Sie  den  Bal- 
last aus,  um  mit  dem  Ballon  der  Werke  hoch- 
zugehn.  Als  Journalist  hatten  Sie  sich  ausge- 
sprochen, nun  konnten  Sie  als  Künstler  formen 
und  gestalten,  im  Reichtum  Ihrer  naturalistisch 
gebändigten  Phantasie  schwelgen  und  brauchten 
sich  nicht  gegen  die  Versuchung  zu  wehren,  das 
Buch  als  Kanzel  für  Ihre  Privatmeinungen  zu 
gebrauchen,  ein  Gebrauch  der  künstlerisch  ein 
Mißbrauch  wäre. 

—  Daran  habe  ich  nicht  gedacht,  aber  Sie 
haben  recht.  Ich  gewann  dadurch  die  schöne 
Freiheit  für  mein  Werk,  es  wurde  mir  leicht 
und  wohl,  wenn  ich  den  journalistischen  Mühl- 
esel mit  seiner  Fracht  aus  dem  Hause  hatte. 
Meine  Schreibstube  ist  sauber,  mein  Tisch 
blank,  in  jedem  Roman  bearbeite  ich  eine  be- 
sondere Welt,  in  die  nichts  Fremdes  hinein  darf. 
Aber  sagen  Sie,  wann  erhalte  ich  den  famosen 
Artikel  in  „Nord  und  Süd",  zu  dem  Sie  mein 


EMJLE  ZOLA 75 


Bild  beigesteuert?  Ist  wenigstens  das  Bild 
hübsch  herausgekommen,  das  ich  für  Sie  aus- 
gewählt? Ach,  warum  haben  Sie  den  Artikel 
über  mich  nicht  auch  für  „Nord  und  Süd"  ge- 
schrieben! Wie  wunderschön  haben  Sie  mich 
in  Ihren  Feuilletons  in  der  Frankfurter  Zeitung 
behandelt  —  sogar  mit  Kindern  haben  Sie  mich 
gesegnet!  Meine  arme  Frau  hat  vor  Rührung 
geweint,  als  ich  ihr  davon  erzählte  —  Sie  Gü- 
tiger! 

Und  Zola  reichte  mir  lachend  die  Hand. 

Ich  lachte  auch,  aber  dabei  bin  ich  doch  rot 
bis  über  die  Ohren  geworden. 

Die  Sache  war  so.  Von  der  Redaktion  von 
„Nord  und  Süd"  war  ich  ersucht  worden,  zu 
einer  Abhandlung  von  Ludwig  Pfau  über  Emile 
Zola  ein  gutes  Bildnis  des  Dichters  zu  besorgen. 
Ich  begab  mich  zu  diesem  Zweck  zu  Zola  selbst. 
Auf  mein  wiederholtes  Klingeln  wurde  nicht 
geöffnet.  Da  hörte  ich  plötzlich  Frauen-  und 
Kinderstimmen  fröhlich  durcheinander  schwirren 
im  Korridor.  Statt  noch  einmal  zu  klingeln, 
klopfte  ich  an  die  Tür.  Wer  mir  öffnete,  war 
Frau  Zola  selbst,  ein  Kind  an  der  Hand,  strah- 
lend vor  Vergnügen.  Ein  anderes  allerliebstes 
Lockenköpfchen  stand  unter  der  Küchentür. 
Frau  Zola  ließ  mich  in  den  Salon  treten,  Herr 
Zola  würde  gleich  kommen.  Von  der  Küche 
schallten  die  lustigen  Stimmen  aufs  neue  herüber. 
Ich  glaubte  eine  gewisse  Ähnlichkeit  zwischen 


j6  MICHAEL  GEOJ{G  C0JV7{J[D 

den  Kindern  und  der  anmutigen  Frau  Zola  be- 
merkt zu  haben.  Konnten  es  nicht  ihre  Kinder 
sein?  Ich  wollte  Zola  zu  der  lieblichen  Nach- 
kommenschaft Glück  wünschen,  kam  aber  im 
Eifer  des  Gesprächs,  das  Zola  über  alle  mög- 
lichen Fragen  heute  temperamentvoller  denn  je 
zu  leiten  wußte,  nicht  mehr  dazu.  Auch  als  er 
seine  Frau  hereinrief,  bei  der  Auswahl  der 
Photographie  für  „Nord  und  Süd"  ihr  Gut- 
achten zu  geben,  dachte  ich  nicht  mehr  daran. 
Und  so  befestigte  sich  in  mir  die  Meinung,  daß 
die  Kinderlust  in  dem  Hause  Zolas  selbstver- 
ständlich auf  das  Vaterglück  des  fruchtbaren 
Schriftstellers  zurückzuführen  sei.  Und  schließ- 
lich —  hatte  ich  in  der  Frankfurter  Zeitung 
der  Familie  Zola  zu  dem  Kindersegen  verholfen, 
den  sie  seit  zwölf  Jahren  vergeblich  ersehnte.  Es 
ist  mir  nicht  entgangen,  daß  Zola  es  nicht  liebte, 
seine  Frau  und  seine  Familien-] ntimitäten  in 
der  Presse  erwähnt  zu  finden.  Ich  hörte  ein- 
mal von  ihm  das  Wort:  Meine  Frau  hab  ich 
für  mich,  nicht  für  die  Öffentlichkeit  genommen. 
Ich  kannte  auch  seine  resignierte  Stellung  zu 
allen  Fragen  des  Ehelebens.  Als  die  Ehe- 
scheidungsdebatte in  der  Kammer  ganz  Frank- 
reich erregte,  blieb  er  kühl  und  wortkarg.  In 
einer  Umfrage  beschänkte  er  sich  auf  die  paar 
Sätze: 

„Man    muß    sich    zu    vertragen    wissen,    das 
ständige  Zusammenleben  zweier  Wesen  ist  mei- 


EMILE  ZOLA  JJ 


stens  unangenehm.  Links  und  rechts  sind  die 
nämlichen  Beschwerden,  es  gewährt  keinen  Vor- 
teil, anderwärts  die  vollkommene  Glückseligkeit 
zu  suchen.  Denkt  euch  einen  Kranken,  der 
sich  im  Bett  hin  und  her  wirft  ohne  eine  gute 
Lage  zu  finden.  Wohlan,  dieser  Kranke  ist  die 
Menschheit  in  der  Ehe.  Ich  bin  durchaus  über- 
zeugt, daß  die  Frage  des  Eheglücks  nur  gelöst 
werden  kann  durch  gegenseitige  Duldung.  Es 
gibt  keine  eheliche  Hölle,  außer  man  hat  mit 
Narren  zu  tun,  die  nicht  erträglich  würde,  wenn 
beide  Teile  ein  wenig  Vernunft  und  viel  Mit- 
leid haben."  Frau  Zola  hat  es  gewiß  nicht  an 
Vernunft  und  Mitleid  in  der  Ehe  fehlen  lassen  und 
ihrem  berühmten  Gatten  den  Kontakt  mit  der  Na- 
tur, dessen  er  so  bedurfte,  nicht  erschwert.  Sie  war 
in  ihrer  Jugend  Verkäuferin  gewesen  —  Fräulein 
Mesley  —  und  besaß  Menschenkenntnis.  Sie 
war  Zolas  erste  ernste  Liebe  gewesen  und  hei- 
ratete ihn,  als  er  noch  ein  armer  Held  der 
Feder  war,  in  der  Hoffnung  besserer  Zeiten. 
Die  besseren  Zeiten  kamen,  nur  der  Kinder- 
segen blieb  aus.  Sie  duldete,  daß  ihr  Mann, 
der  leidenschaftlich  nach  Nachkommenschaft  ver- 
langte, mit  einer  jungen  Bäuerin  in  Medan  zwei 
Kinder  zeugte.  Wie  eine  Naturgewalt  hatte  es 
den  damals  fünfzigjährigen  Mann  gepackt.  Als 
die  Kinder,  ein  Knabe  und  ein  Mädchen,  der 
Volksschule  entwachsen  und  gut  geraten  waren, 
wurden   sie  von  Herrn  und  Frau  Zola  in  aller 


78 


MICHAEL  GE07{G  COTM{jrD 


Stille  adoptiert.  Dieser  einfache  edel  menschliche 
Vorgang,  der  alle  Teile  befriedigte,  wurde  von 
der  braven  Heuchlerbande  der  Splitterrichter 
natürlich  für  ungeheuerlichen  Frevel  erklärt.  — 

Endlich  konnte  ich  dem  Meister  Zola  das 
Heft  von  „Nord  und  Süd"  bringen,  worin 
Ludwig  Pfau  den  französischen  Epiker  auf  dem 
wurmstichigen  Altar  der  alten  idealistischen 
Schulästhetik  abzuschlachten  vermeinte. 

Zola  betrachtete  erst  sein  Bild:  —  Eine  feine 
Radierung!  Dann  durchblätterte  er  den  Aufsatz: 
—  O,  ein  halbes  Hundert  großer,  eng  gedruck- 
ter Seiten!  Dann  wünschte  er  wenigstens  den 
Anfang  und  den  Schluß  zu  hören. 

Ich  übersetze:  „Es  hat  mich  einige  Über- 
windung gekostet,  die  Arbeit  einer  ernstlichen 
Studie  an  eine  literarische  Erscheinung  zuwen- 
den, welche  für  sich  betrachtet,  diese  Mühe 
nicht  verlohnt  und  ohne  Zweifel  nach  kurzer 
Frist  ebenso  tief  in  die  Stille  der  Vergessenheit 
zurücksinken  wird,  als  sie  jetzt  hoch  in  den 
Lärm  des  Tages  emporsteigt." 

—  Der  Mann  weissagt?  Der  Mann  ist  ein 
Prophet?  rief  Zola. 

—  Ja,  nicht  nur  das,  er  fühlt  sich  zugleich 
als  der  geborene  Lehrer,  Vormund,  Richter 
und  Polizeimeister  aller  künstlerisch  schaffenden 
Menschen.  Außer  Ihnen  nimmt  er  auch  den 
Meister  von  Bayreuth  vor,  um  ihn  mit  Schimpf 
und  Schande  aus  dem  Tempel  der  Kunst  zu  jagen. 


EMILE  ZOLA 79 


—  Das  ist  ja  sehr  interessant.  Bitte,  über- 
setzen Sie  mir  die  Stelle  über  Wagner! 

Ich  übersetze  mit  einigen  Abkürzungen:  „Die 
Zukunftsmusik  hat  die  größte  Analogie  mit  der 
Zukunftsliteratur.  Vor  allem  zeigt  sie  dieselbe 
Marktschreierei,  dieselbe  Mißachtung  der  Vor- 
gänger unter  dem  Vorwand  der  Unnatur,  das- 
selbe Bestreben,  das  sinnliche  Prinzip  zur  Herr- 
schaft zu  bringen  und  das  geistige  Prinzip  an 
die  Wand  zu  drücken.  Dabei  dieselbe  Über- 
ladung, die  kein  Ende  findet,  ein  endlos  sich 
abwickelnder  Bandwurm,  eine  Enttäuschung  für 
die  Phantasie.  So  bringt  denn  auch  diese  Musik 
dieselbe  Wirkung  hervor,  wie  jene  Literatur,  es 
ist  die  höhere  Katzenmusik.  Das  Kunstwerk 
der  Zukunft  mit  all  seinen  Pauken  und  Trom- 
peten ist  nichts  als  ein  großer  Humbug." 

—  Und  das  ist  für  das  gelehrte  Deutschland 
geschrieben,  wortwörtlich  so?  fragte  Zola  er- 
staunt. 

—  Wortwörtlich.  Und  gleich  nach  dieser 
Abfertigung  Ihrer  Literatur  und  der  Wagner- 
schen  Musik  wirft  Herr  Pfau  mit  einer  fürch- 
terlichen Grimasse  die  Frage  auf,  was  denn  etwa 
aus  Schiller  geworden  wäre,  wenn  er  nach  Zola- 
schen  Rezepten  gedichtet  und  seine  weltbe- 
rühmten Dramen  Teil  oder  Wallenstein  auf 
naturalistische  Art  angefertigt  hätte! 

Nun  brach  Zola  in  ein  schallendes  Gelächter 
aus:  —  Das  ist  der  Gipfel,  ums  Himmelswillen! 


80  MJCTiJlEL  GE07{G  COWJ^JID 

Und  diese  kritische  Mißgeburt  lebt  irgend  wo 
und    wird   von   irgend  wem   ernst  genommen? 

—  Er  ist  heute  noch  einer  der  namhaftesten 
Kunstschreiber  und  hat  Zutritt  in  den  ersten 
deutschen  Zeitungen.  Wir  haben  das  beste  Bei- 
spiel an  ihm,  daß  Kritik  nicht  in  einer  gewissen 
Intellektualität  und  Beherrschung  gelehrter  Ter- 
minologien besteht,  sondern  in  Takt  und  Ge- 
fühl, in  Instinkt  und  Witterung  für  neue  Größe 
und  Schönheit.  Geradezu  burlesk  wirkt  dieser 
Pfau.  Er  hat  in  der  Kunststadt  München  gelebt, 
versteht  sehr  gut  die  französische  Sprache  und 
hat  sich   seit  Janger  Zeit  in    Paris   angesiedelt. 

In  komischem  Schrecken  rief  Zola:  —  In  Paris? 
Am  Ende  gar  in  meiner  Nähe?  Da  wandere 
ich  aus,  wahrhaftig!  Aber  das  Heft  von  „Nord 
und  Süd"  schenke  ich  Turgenjew.  Der  russische 
Melancholiker  lacht  sich  zu  Tode,  ganz  sicher. 

Erst  sechs  Jahre  später  erschien  in  einer 
gleich  ernsten  Zeitschrift,  in  der  „Deutschen 
Rundschau"  (1888)  die  vorzügliche  Studie  von 
Georg  Brandes  über  Emile  Zola  und  gab  dem 
Leserkreis,  der  sich  seither  an  Autoritäten  vom 
Schlage  des  Herrn  Ludwig  Pfau  gehalten  hatte, 
die  neuen  Gesichtspunkte  und  Stichworte.  In- 
zwischen war  auch  mein  Kampforgan  für  die 
moderne  Bewegung  „Die  Gesellschaft"  (seit  1 885) 
inMünchen  erschienen,  undmitfliegenden  Fahnen 
sammelte  sich  die  deutsche  Jugend  im  Lager  des 
Fortschritts. 


EM7LE  ZOLA 


8l 


iiiiii 


NTER   FORTGESETZTEN 

Kämpfen  gegen  Schmähungen 
und  Verleumdungen  vollendete 
im  Jahre  1893  Z°Ja  mit  dem 
stillen,  menschenfreundlichenGe- 
lehrten  und  Arzt  Doktor  Pas- 
cal den  letzten  Band  der  Serie, 
die  er  1868  mit  dem  „Glück  der  Rougon" 
begonnen.  Volle  fünfundzwanzig  Jahre  hat  der 
Unermüdliche  und  Unerschrockene  daran  ge- 
arbeitet. Wie  die  Alpenkette  auf  einer  Relief- 
karte, so  ragt  dieses  Riesenwerk  der  Rougon- 
Macquart  aus  der  europäischen  Literatur  unse- 
res Zeitalters.  Ganz  Frankreich  in  seinen  Höhen 
und  Tiefen,  in  Stadt  und  Land,  in  Not  und 
Schönheit,  in  seiner  rastlosen  Arbeit  über  und 
unter  der  Erde  lebt  darin,  von  der  Gründung 
des  zweiten  Kaiserreichs  durch  den  Staatsstreich 
bis  zu  seinem  blutigen  Zusammenbruch  bei 
Sedan.  Alle  Fragen  der  Zeit,  von  den  atem- 
beklemmendsten der  Nation  bis  zu  den  klein- 
sten Sorgen  des  Proletariats,  ziehen  in  einer 
ungeheuren  Fülle  von  Bildern  und  Gestalten 
an  dem  Leser  vorüber.  Keine  andere  Literatur 
hat  etwas  ähnlich  Machtvolles  und  Umfassen- 
des aufzuweisen.  Nur; Romane,  aufgereiht  am 
Faden  der  Erblichkeit?  Nein,  Erblichkeit  ist 
das  Leben  und  sein  tiefstes  sittliches  Symbol. 
Und  seit  Zola  mit  dem  trotzigen  Satz  „Nichts 


82  MICHAEL  GEOJ{G  C0J\J{JID 

als  die  Wahrheit!"  und  mit  der  philistermörde- 
rischen Kühnheit  „Alles  muß  gesagt  werden!" 
in  dieses  Leben  hineingegriffen  und  seine  fürch- 
terlichsten wie  seine  intimsten  Seiten  zur  Schau 
gestellt,  ist  überall  in  Europa  den  Gesellschafts- 
kritikern der  Mut  gewachsen,  und  der  Kampf 
gegen  den  Alkoholismus,  gegen  die  Prostitution, 
gegen  die  Geschlechtskrankheiten,  gegen  die 
Rasseverderbnis  durch  die  Großstadtmoral  wird 
heute  mit  einer  Offenheit  und  Schneid  geführt, 
die  in  der  Zeit  der  feigen  Prüderie  vor  Zola 
einfach  undenkbar  gewesen. 

Und  wenn  einmal  von  diesem  Riesen  und 
seinem  Riesenwerk  nichts  mehr  übrig  wäre, 
als  eine  leise  literarische  Erinnerung,  sein  Geist 
lebte  in  den  großen  Errungenschaften  der  höheren 
Kulturmenschheit,  vor  allem  in  der  Bravour 
ihres  Gewissens  weiter.  Und  wenn  die  Bände 
der  Rougon-Macquart  in  Staub  zerfielen,  auch 
diejenigen,  auf  welchen  heute  selbst  bei  den 
Widerwilligsten  der  Ruhm  des  Ganzen  wie  auf 
Grundpfeilern  ruht:  Germinal,  Assommoir,  die 
Erde  —  die  bildende  Kunst  eines  Konstantin 
Meunier  hat  in  seinem  „Denkmal  der  Arbeit" 
die  Figuren  Zolas  in  Stein  gemeißelt  und  in  Erz 
gegossen  und  sie  damit  in  einer  neuen  organi- 
schen Kunstlebensform  verewigt.  Nie  wurde 
die  ernste  Schönheit  und  stille  Größe  der  Hel- 
den der  Arbeit  ergreifender  zum  Schauen  ge- 
bracht. 


EMJLE  ZOLA  8j 


Aber  nicht  nur  rühren  und  ergreifen  will 
uns  diese  Kunst,  sondern  auch  zu  einem  ver- 
schärften Denken  über  völket biologische  Prob- 
leme treiben.  Dreißig  Jahre  nach  Zolas  An- 
fängen mit  dem  Rougon- Macquartstammbaum 
hat  Ernst  Häckel  die  berühmte  Preisfrage  ge- 
stellt, für  deren  beste  Lösung  Friedrich  Krupp 
die  Preise  gestiftet:  Was  lernen  wir  aus  den 
Prinzipien  der  Deszendenztheorie  in  Beziehung 
auf  die  innere  politische  Entwicklung  und  Ge- 
setzgebung der  Staaten? 

Und  welche  Wichtigkeit  hat  für  die  Kultur- 
menschheit inzwischen  die  Rassenfrage  ge- 
wonnen! 

Die  Werke,  die  Emile  Zola  nach  den  Rougon- 
Macquart  in  Angriff  genommen,  seine  „Drei 
Städte"  (Lourdes,  Rom,  Paris)  und  die  „Vier 
Evangelien"  (Fruchtbarkeit,  Arbeit,  Wahrheit, 
Gerechtigkeit)  führen  früher  angeschlagene  na- 
tionalbiologische Motive  auf  neuen  Schauplätzen 
weiter  aus.  Nicht  als  fabulierender  Schöngeist, 
sondern  als  Kämpfer  um  ein  neues  Menschen- 
und  Kulturwissen  will  Zola  seinem  Volke  den 
Spiegel  vorhalten,  das  Volksschädliche  abweh- 
ren, das  Tüchtige  mehren.  In  seinem  Zukunfts- 
programm berührt  sich  Zola  vielfach  mit  Björn- 
son.  In  diesen  späten,  ungemein  mit  Einzel- 
beobachtungen und  episodischen  Kleinmalereien 
belasteten  Werken  ist  es  nicht  immer  leicht,  die 
große  Linie  der  kunstvoll  geführten  Entwick- 


84  MICHAEL  GEOTjG  COMTjA'D 

lung  der  einzelnen  Teile  herauszufinden.  Vor 
Vollendung  des  letzten  Bandes  riß  ein  tragischer 
Tod  den  großen  Epiker  und  lebenbejahenden, 
fortschrittsgläubigen  Gesellschaftskritiker  aus 
dem  Leben  und  Schaffen  hinweg,  am  28.  Sep- 
tember  1902. 

Kurz  vorher  hat  sein  künstlerisches  Tempe- 
rament in  der  Dreyfus- Sache  im  Bunde  mit 
seiner  homerischen  Kampfeslust  noch  einmal 
zu  einem  Schlage  gegen  Lüge,  Gemeinheit  und 
Niedertracht  ausgeholt,  der  die  gesamte  Kultur- 
welt durchdröhnte.  Hier  verkörperte  er  nicht 
nur  mit  Einsatz  seines  eigenen  Lebens  das  Ge- 
wissen seiner  Nation,  sondern  das  Gewissen 
der  Menschheit.  Seine  Rufe  als  Volkstribun: 
„J'accuse!"  und  „La  Verite  en  marche!"  fügen 
sich  dem  gewaltigen  Akkord  seiner  unvergäng- 
lichen Lebenstaten  harmonisch  ein.  Auch  über 
ihn  selbst  ist  jetzt  die  Wahrheit  in  sieghaftem 
Vormarsch,  und  die  Umrisse  seiner  Erscheinung 
wachsen  in  klaren,  treuen  Linien  ins  ewige 
Licht.  Vor  einem  Jahrzehnt  noch  hat  man  sei- 
nen englischen  Verleger  Henry  Vizetelly  we- 
gen der  Übertragung  des  Erde- Romans  in 
London  kriminell  verfolgt,  ins  Gefängnis  ge- 
sperrt, gesellschaftlich  und  finanziell  ruiniert. 
Heut  wird  kein  Kulturmensch  in  Europa  Zolas 
künstlerische  und  sittliche  Bedeutung,  gleich- 
gültig in  welchem  seiner  Werke,  in  Frage  stellen. 

Die  Größe  sehen!    Das  ist  die  Aufgabe  der 


EMILE  ZOLA 


^5 


Erziehung  zur  Kunst.  Und  Größen  nebenein- 
ander gelten  lassen,  auch  wenn  sie  nichts  mit- 
einander gemeinsam  hätten,  als  daß  sie  groß 
sind!  Zola  und  Wagner  und  Nietzsche  und  Ib- 
sen und  BöckJin  —  welche  Summe  von  ver- 
schiedener Schönheit  und  Kulturgewalt  in  einem 
Jahrhundert! 

Und  ringsum  Größe  sprießen  zu  sehen  und 
zu  fördern,  gibt  dem  Menschen  seinen  Rang 
und  dem  Leben  seine  Bedeutung.  — 


BJBUOGT{APmSCBET{  A'NÜA'NG. 

WERKE  EMILE  ZOLA'S. 
FRANZÖSISCHE  AUSGABEN.  * 

L'Af faire   Dreyfus.     Lettre  ä  Ja  jeunesse.     Paris   1897. 

L'Affaire  Dreyfus.     La  verite  en  marche.     Paris  1901. 

L'Assomoir.     Edit.  ill.     Paris   1878. 

L'Attaque  du  moulin,  avec  compositions  d'  E.  Boutigny , 
gravures  ä  l'eau-forte.     Paris   1901. 

Une  Campagne.     Paris   1882. 

Le  capitaine  Burle.     Paris   1882. 

La  Confession  de  Claude.     Paris   1865.   1880. 

Contes  a  Ninon,  in  — 12.     Paris   1864.   1874. 

— ,  in — 32.     Paris   1883. 

La  Cur£e.  Ed.  ill.  p.  G.  Jeanniot.  Paris  1894.  2  Aus- 
gaben. 

La  debäcle.     Ed.  ill.     Paris   1893. 

—  Im  Auszug  herausgeg.  v.  L.  Wesny  (Prosateurs  francais 
140).     Bielefeld   1903. 

Discours    prononce    au    banquet    de    l'association 

generale  des  etudiants.     Paris   1893. 
Documents  litteraires.     Paris   1881. 
Les  droit  du  romancier  naturaliste.  Figaro  Juni  1896 
L'Enfant  Roi,  comedie  lyrique.     Paris   1905. 
La  faute  de  l'abbe  Mouret.    Edit.  ill.  (Coli.  Guillaume). 

Paris   1890. 
La  fete  ä  Coqueville.     Paris   1890. 
— ,  avec  aquarelles  de  A.  Dewambez.     Paris   1898. 
Germinal.     Edit.  ill.     Paris   1885.   1896. 
Les  heritiers  Rabourdin.     Paris    1874. 
Jean  Gourdan.     Paris   1894. 
Lourdes.     Paris   1894. 

—  Edit.  ill.     Paris   1895, 

Madame  Neigeon,  ill.  de  A.  Calbet.     Paris   1896. 


BJBL10G7{APmSCTiEJ{  ANHANG      Wj 

Madeleine  Ferat.     Paris   1868.   1890. 

Ed.  Man  et.     Paris   1867. 

Mes  haines.     Paris   1 866-   1869. 

— ;  Mon  salon;  Ed.  Manet.     Paris   1879. 

Messidor,  Drame  lyrique.     Paris   1898. 

Mon  Salon.     Paris   1866. 

Les  mysteres  de  Marseille.  3  vols.  Marseille  1867/68. 
Paris   1884. 

NaYs  Mi scoul in.     Paris   1883. 

Nana.     Ed.  f  11.     Paris   1881. 

Nantas.     Pour  une  nuit  d'amour  etc.     Paris   1889. 

Le  naturalisme  du  theätre.     Paris   1881. 

Nos  auteurs  dramatiques.     Paris   1881. 

Nouveaux  contes  ä  Ninon.     Paris   1874.   1885. 

— ,  edit.  ill.  d'un  frontispice  et  30  composit.  dess.  et  graves 
ä  l'eau-forte  par  E.  Rudaux.     2  vols.     Paris   1886. 

Nouvelle  Campagne.     Paris   1896. 

Oeuvres  completes  (Editions  parisiennes),  1905  in  klei- 
nen Bändchen  zu  erscheinen  begonnen. 

Une  page  d'amour.  Avec  dessins  d'  E.  Dantan.  2  vols. 
Paris   1885. 

—  Composit.  de  F.  Thevenot.     Paris   1 895, 
Pages  choisies,  p.  p.  G.  Meunier.     Paris   1898. 
Pot-Bouille.     Ed.  ill.     Paris   1883. 

Pour  une  nuit  d'amour.     111.  de  G.  Picard.     Paris  1896. 
Les  quatre  Evangiles: 

—  Fecondite.     Paris   1899. 

—  Travail.     Paris   1901. 

—  V£rit£.     Paris   1903. 
Renee,  Piece.     Paris   1887. 

La  republique  francaise  etla  litterature.  Paris  1879. 
Retour  de  voyage.     Reponse  au  capitaine  bavarois  Ta- 

nera.     Lyon   1892. 
Le  reve.     111.  de  C.  Schwabe  et  L.  Metivet.     Paris   1892. 
Le  roman  experimental.     Paris    1880. 
Les  romanciers  natural istes.     Paris   1881. 
Les  Rougon-Macquart: 

L'argent.     Paris    1891. 


88      BTBUOGTjA'PmSCTiETi  AWJiJVVG 

L'assomoir.     Paris   1877. 

Au  bonheur  des  dames.     Paris   1883. 

La  b&te  humaine.     Paris   1890. 

La  conquete  de  Plassans.     Paris    1874. 

La  Curee.     Paris   1871. 

La  debäcle.     Paris   1892. 

Le  docteur  Pascal.     Paris    1893. 

La  faute  de  l'abbe  Mouret.     Paris   1875. 

La  fortune  des  Rougon.     Paris   1871. 

Germinal.     Paris   1885. 

Joie  de  vi  vre.     Paris    1884. 

Nana.     Paris   1880. 

L' oeuvre.     Paris   1886. 

line  page  d'amour.     Paris   1878. 

Pot-Bouille.     Paris   1882. 

Le  reve.     Paris   1888. 

Son  Excellence  Eugene   Rougon.     Paris   1876. 

La  Terre.     Paris   1887. 

Le  ventre  de  Paris.     1873. 
Sidoine  et  Med£ric.     Le  Carnet   de    danse.     Celle 

qui  m'aime.     Paris   1894. 
The  soil  (la  Terre).     Paris   1890. 
Les  soirees  de  Med  an.     Paris   1880. 

—  Ed.  ill.     Paris   1890. 

La  Terre.     Edit.  ill.     Paris   1889. 

Theätre.     Therese  Raquin.     Les  heritiers  Rabourdin.    La 

bouton  de  rose.     Paris   1 878. 
Therese  Raquin,  in — 12.     Paris   1867. 
— ,  eU  ill.     Paris   1882. 
— ,  in  — 32.     Paris    1884. 
— ,  in— 16.     Paris   1887. 

—  (drame).     Paris    1  873.    1  892. 
Les  Trois  villes: 

Lourdes.     Paris   1894. 

Paris.     Paris   1898. 

Rome.     Paris   1896. 
Le  Ventre  de  Paris.     Edit.  ill.     Paris   1879. 
Le  voeu  d'une  morte.     Paris   1866.    1889. 


BrBUOGTjJlPTnSCHETi  jusiujiwg     89 

Busnach.W.  L'Assomoir,  drame,  avec  une  preface  d' E.Zola. 

Paris   1  88  1. 
Hennique,  L.     Jacques  Damour,  piece,  tiree  de  la  nou- 

velle  d'  E.  Zola.     Paris   1887. 
G all  et,    L.     L'attaque   du   moulin,    drame   lyrique  d'apres 

E.  Zola.     Paris   1 893. 

—  Le  reve,   drame  lyrique  d'apres  E.  Zola.     Paris    1891. 

DEUTSCHE  AUSGABEN. 

Acht   Novellen.     Dtsch.   v.   W.  Lilienthal.     Berlin    1893. 

Die  Affäre  Dreyfus.  Der  Siegeszug  der  Wahrheit. 
Übers,  v.  P.  Seliger.     Stuttgart   1901. 

Am  häuslichen  Herde.  Frei  übertr.  v.  H.  v.  Carlawitz. 
Dresden   1900. 

Am  Kochherd.    Dtsch.  v.  P.  Heichen.   Grossenhain  1890. 

Arbeit.  Der  vier  Evangelien  2.  Tl.  Dtsch.  v.  L.  Rosen- 
zweig.    Stuttgart   1 90 1 . 

Der  Assomoir.     Dtsch.  v.  W.  König.     Berlin   1881. 

Die  Austern  des  Herrn  Chabre.  Dtsch.  v.  W.  Eich- 
ner (W.  Heichen).     Leipzig   1896. 

Ein  Bad  u.  and.  Nov.  (kl.  Bibl.  Langen  49).  München 
1903. 

Der  Bauch  von  Paris.     Berlin    1897, 

—  lllustr.  Ausg.  Berlin   1900. 

—  Leipzig   1898. 

—  Dtsch.  v.  F.  Reinstein.     Dresden    1899. 

—  Dtsch.  v.  H.  Rose.     Berlin   1895. 

—  Dtsch.  v.  A.  Schmidt-Falkenberg.     Leipzig   1898. 
Die  Beichte  e.  Knaben.     Grossenhain   1887. 

Die  Bestie  im  Menschen.  Dtsch.  v.  A.  Ruhemann. 
Budapest   1892. 

Ein  Blättlein  Liebe.  Dtsch.  v.  P.  Heichen.  Grossen- 
hain  j  88 1 . 

Ein  Brief  an  Dr.  Laupts  üb.  d.  Frage  der  Homo- 
sexualität. Ubers.  u.  eingel,  v.  K.  v.  Beulwitz,  Leip- 
zig  1905. 

BJ(J[J\DES:  DIE  UTEJ{JlfU^.  BJIJMD  XXVIII  G 


yo      BJBUOGT{AVmSCH'ET{  jmJiJlNG 

Claude 's  Beichte  (La  confession  de  Claude).     Übers,  v. 

H.  Rose.  Berlin   1895. 
Capitän  Burle  od.  d.  Zahlmeister  Jaques  Damour 

od.  e.  vom   Tode   erstandener  Gatte.     Neue  Ausg. 

Neuweissensee  o.  J.  (1905). 
Kapitän  Burle  u.  a.  N  ovellen.  Dtsch.  v.  H.  v.  Carlawitz. 

Dresden   1900. 

—  Dtsch.  v.  R.  Foerster.    Gross- Lichterfei  de   1898. 

—  "Wie  man  stirbt.  Für  e.  Liebesnacht,  Im  Freien.  Das 
Fest  in  Coqueville.  Die  Überschwemmung.  Dtsch.  v. 
L.  Wechsler.     Budapest   1892. 

Doktor  Pascal.     2  Bde.    Stuttgart   1893. 

Die  drei  Kriege.     Dtsch.  v.  W.  Lilienthal.     Berlin   1895. 

Die  Einnahme    v.    Plassans.     Dtsch.    v.    F.   Wohlfahrt. 

Grossenhain   1882. 
Die  Eroberung  v.  Plassans.     Berlin   1895. 

—  Dtsch.  v.  H.  v.  Carlawitz.     Dresden   1892. 

—  Dtsch.  v.  O.  Schwarz.    Budapest   1890. 

Die  Erdbeeren  u.  a.  Novellen.  Dtsch.  v.  G.  Eckardt. 
München   1901. 

Die  Erdbeeren  u.  a.  Nov.  (kl.  Bibl.  Langen  33).  Mün- 
chen  1905. 

Die  Erde.     Dtsch.  v.  P.  Heichen.     Berlin   1899. 

Erinnerungen.  Dtsch.  v.  P.  Dietrich-Hauner  m.  Ab- 
bildg.    München    1900. 

Erinnerungen  e.  Kommunarden  u.  a.  Nov.  lllustr. 
v.  R.  Gutschmidt.     Stuttgart   1900. 

Die  Erstürmung  d.  Mühle.  Das  Tanzbüchlein. 
(Weicherts  Wochenbibl.    146.)     Berlin   1903. 

Erzählungen  f.  Ninon.     Dtsch.  v.  H.  Rose.  Berlin  1895. 

—  an  Ninon.    Dtsch.  v.  F.Wohlfahrt.    Grossenhain   1880. 
Der  Experimentairoman.    Leipzig   1904. 

Der  Fehltritt  des  Priesters  (La  faute  de  l'abbe  Mou- 

ret).    Dtsch.  v.  H.  Rose.    Berlin   1895. 
Das    Fischerstechen.     Erzähl.     Dtsch.    v.    R.    Foerster. 

Gross-Lichterfelde   1 898. 
Fruchtbarkeit.    Roman.    Dtsch.  v.  L.  Rosenzweig.   2  Bde. 

Stuttgart   1900. 


BJBLJOG7{JIPmSC7iEJi  AT^BJIJMG      C}I 

Die  Geheimnisse  v.  Marseille.     Berlin   1895. 

—  Bearb.  v.  H.  v.  Carlawitz.    Dresden   1900. 

—  Dtsch.  y.  P.  Heichen.    Leipzig   1886. 

—  Dtsch.  v.  F.  Wagenhofen.    Budapest   1 890.   1 898. 
Das  Geld.    2  Bde.    Stuttgart   1891. 

Das  Gelübde  e.  Toten.    Dtsch.  v.  E.Berg.    Berlin  1890. 
Germinal.    Übtr.  v.  W.  Eichner.  Berlin   1897. 

—  Jllustr.  Ausg.    Berlin  1899. 

—  (Der  Keimmonat.)  Soz.  R.    Grossenhain   1896. 

—  Übs.  v.  H.  Rose.    Berlin   1896. 

—  Dtsch.  v.  H.  Ulrich.    Leipzig   1898. 

—  Dtsch.  v.  C.  v.  Wallerstein.    Dresden   1899. 

—  Übs.  v.  E.  Ziegler.    Dresden   1 896. 

Das  Geständnis  e.  J  ünglings.  (La  confession  de  Claude). 
Dtsch.  v.  E.  Berg.    Berlin   1895. 

—  Dtsch.  v.  F.  Wagenhofen.    Budapest   1888.   1898. 
Das  Glück  d.  Familie  Rougon.    Berlin   1895. 

—  Dtsch.  v.  H.  v.  Carlawitz.    Dresden   1 899. 

—  Dtsch.  v.  K.  Walther.    Mit  Abbildg.    Stuttgart   1900. 
Das  Glück    d.    Hauses    Rougon.    Dtsch.    v.    R.    Rode. 

Grossenhain   1882. 
Der  häusl.    Herd    (Pot   Bouille).    Dtsch.   v.  A.  Schwarz. 

Budapest   1  872. 
JeanGourdon.   Dtsch.  v.  L.  Herrmann.  Grossenhain  1891. 
In  provencal.   Glut.  Nov.  (Na'i's  Micoulin,  Hochwasser.) 

Dtsch.  v.  W.  Eichner.    Gross-Lichterfelde   i  897. 
Königin    Primavera.     Satire.     Dtsch.    v.    L.    Wechsler. 

Leipzig   1900. 
Ein  Leben  in  Liebe,  Novellen  (kleine  Bibl.  Langen  87). 

München   1906. 
Die  Lebensfreude.    Berlin   1897. 

—  Dtsch.  v.  O.  Schwarz.    Budapest   1889. 

—  Dtsch.  v.  C.  v.  Wallerstein.    Dresden   1 899. 
Lebenswonne.    Dtsch.  v.  P.  Heichen.    Grossenhain  1890. 
Leichtfüssi  geHistörchen.  Novellen  u.Erz.  Leipzig  1 886. 

—  Neue  Ausg.    Neuweissensee  o.  J.  (1905). 

Die  Liebe  unterm  Dache  u.  a.  Nov.    Dtsch.  v.  W.  Thal. 
Berlin    1895.  9 


92      BlBLJOGJ{JlPmSCTiEJi  JlMTiJUNG 

Liebesblätter.    Dtsch.  v.  E.Berg.    Berlin   1895. 

—  Dtsch.  v.  C.  v.  Waiden.    Dresden   1 899. 
Liebesgeschichten.    NaYs,   d.  Perle  d.  Provence.    Ber- 
lin  1  899. 

—  Nantas  d.  Millionär.    Berlin   1 899. 

Liebes-  u.  a.  Geschichten.  Dtsch.  v.  M.  Pannwitz. 
Mit  Abbildg.    Stuttgart   1900. 

Lili  u.  a.  Erz.    Dtsch.  v.  P.  Heichen.    Berlin   1888. 

Lili  u.  andere  Nov.  (kl.  Bibl.  Langen  67).    München  1903. 

Lourdes.    3  Bde.    Stuttgart   1 895. 

Lourdes  (Die  drei  Städte)  Übers,  v.  A.  Schwarz.  Buda- 
pest 1904.  Diese  Ausgabe  darf  im  Deutschen  Reich  nicht 
verkauft  werden. 

Madame  Neigon.  Dtsch.  v.  R.  Fo erster.  Gross-Lichter- 
felde   1898. 

Madame  Sourdis.    Nantos.    Stuttgart   1904. 

Madelaine  F£rat  (Magdalena).    Berlin    1895. 

—  Dtsch.  v.  O.  Schwarz.    Budapest   1 890. 

—  Dtsch.  v.  C.  v.  Waiden.    Dresden   1 899. 

—  Dtsch.  v.  L.  Wechsler.    Budapest   1 898. 
Magdalena.    Dtsch.  v.  J.  Moritz.    Grossenhain   1884. 
DasMärchenbuchderLiebe.  (Erzähl,  v.  Ninon).  Neue 

deutsche  Ausg.    Neuweissensee  o.  J.  (1905). 

Märchenbuch  der  wahren  Liebe  (Contes  ä  Ninon). 
Dtsch.  v.  E.  Berg.    Berlin   1897. 

Meine  Liebste  u.  and.  Nov.  (kleine  Bibl.  Langen  78) 
München   1904. 

Messidor.  Musikdrama.  Mit  einem  symphon.  Zwischen- 
spiel: Die  Legende  v.  Gold.  Musik  v.  A.  Bruneau.  Köln 
1898. 

Moralische  Novellen.  Dtsch.  v.  P.  Heichen.  Leip- 
zig 1886. 

Mutter  Erde.    Dtsch.  v.  A.  Schwarz.    Budapest   1888. 

Mutter  Erde.  Frei  bearb.  v.H.v.  Carlawitz.  Dresden  1900. 

NaYs  Miroulin.  Nantos.  Wie  Olivier  B£caille  starb.  Frau 
Neigon.  Die  Austern  des  Herrn  Chabre.  Jacques  Da- 
mour.    Dtsch.  v.  L.  Wechsler.    Budapest   1892. 

Nana.    Pariser  Sittenroman.    Berlin   1900. 


Nana.    Bearb.  v.  H.  v.  Carlawitz.    Dresden   1899. 

—  Dtsch.  v.  A.  Schwarz.    Budapest   1882. 

—  Ubers.  v.  F.  Netto.     Neuweissensee  o.  J.  (1905). 
Nantas  u.  andere   Nov.   (kleine  Bibl.  Langen  75).     Mün- 
chen  1904. 

Naturalistische   Dramen    (Renee.   —  Therese  Raquin). 

—  Dtsch.  v.  J.  Savits.    Neue  Ausg.    Berlin    1890. 

Der  naturalistische    Roman    in  Frankreich.     Dtsch. 

v.  L.  Berg.    Stuttgart   1 893. 
Novellen-Bibliothek.     8    Bde.     Leipzig     1898.    1903. 

Inhalt:    1.  Leben  u.  Lieben.  2.  Freudenrausch  am  Strande. 

3.  Ballfreuden.  Ein  Bad.  4.  Scheintot.  5.  Um  eine  Lie- 
besnacht. 6.  Im  Kampfgewühl.  7.  Die  Austern  des  Herrn 
Chabre.    8.  Jacques  Damour. 

Paris.    Dtsch  v.  A.  Berger.  3  Bde.    Stuttgart   1898. 

Paris  (Die  drei  Städte).  Ubers.  v.  A.  Schwarz.  Budapest 
1904.  Diese  Ausgabe  darf  im  Deutschen  Reiche  nicht 
verkauft  werden. 

Realistische  Novellen.  Dtsch.  von  P.  Heichen.  Leip- 
zig ]886. 

Renata,  od.  d.  Jagd  nach  d.  Glücke.    Berlin   1895. 

—  Dtsch.  v.  O.  Schwarz.    Budapest   1888. 
Renee.    Drama.     Dtsch.  v.  J.  Savits.     Berlin   1888. 
Rom.    Dtsch.  v.  A.  Berger.    3  Bde.    Stuttgart   1896. 
Rom  ivDie  drei  Städte).     Übers,  v.  A.  Schwarz.    Budapest 

1904.  Diese  Ausgabe  darf  im  Deutschen  Reiche  nicht 
verkauft  werden. 

Romane.  10  Bde.  Leipzig  1905.  1.  Erzähl,  an  Ninon. 
2.  Therese  Raquin.  3.  Die  Wonne  des  Lebens.  4.  Mutter 
Erde.  5.  Zum  Paradies  der  Damen.  6.  Nana.  7.  Ein 
sittsam  Heim.  8.  Die  Sünde  des  Priesters.  9.  Das  Glück 
der  Familie  Rougon.    1  o.    S.  Exzell.  Eug.  Rougon. 

Die  Rougon-Macqua  rt.  Die  Geschichte  einer  Familie 
unter  d.  2.  Kaiserreich.  Unverkürzte  Ausg.  20  Bde. 
Budapest  1892/99.  j.  Das  Glück  der  Familie  Rougon. 
—    2.    Die   Treibjagd.   —   3.    Der    Bauch   von    Paris.  — 

4.  Die  Eroberung  von  Plassans.  —  5.  Die  Sünde  d.  Abbe 
Mouret.  —  6.  Seine  Exzellenz  Eug.  Rougon.  —  7.  Der 


94      BJBLWGTjJlPmSCHEJi  AWHJUVG 

Totschläger.  —  8.  Ein  Blättchen  Liebe.  —  9.  Nana.  — 
10.  Der  häusliche  Herd.  —  11.  Zum  Paradies  der  Da- 
men. —  1 1.  Die  Lebensfreude.  —  1 3.  Germinal.  — 
14.  Das  Kunstwerk. —  15.  Mutter  Erde. —  16.  Der  Traum. 

—  17.  Die  Bestie  im  Menschen.  —  1 8.  Das  Geld.  — 
19.  Der  Zusammenbruch  (1  870/71 ).  —  20.  Doktor  Paskai. 

Der  schöne  Felix.     Eine  Liebesgesch.     Berlin   1899. 
Seine  Exzellenz  Eugen  Rougon.    Berlin    1897. 

—  Dtsch.  v.  R.  Rode.    Grossenhain   1 883. 

v.  O.  Schwarz.  Budapest   1 890. 

v.  C.  v.  "Waiden.    Dresden   1 899. 

Die  Schuld  des  Pastors  Mouret.  Grossenhain  1886. 
Die  Schulden  der  Marquise  u. and. Nov.  München  1898. 
Sinnen    und    Leiden.    Erzählg.     Dtsch.    v.    E.    Kühne. 

Berlin  (o.  J.) 
Ein  sittsam  Heim.    Dtsch.  v.  P.  Heichen.    Berlin  1897, 

—  lllustr.  Ausg.    Berlin   1900. 

Der    Sturm    auf    die   Mühle    u.   and.   Nov.    111.   v.  Fr. 
Berger.    Stuttgart   1901. 

—  München   1901. 

Der  Sturm  auf  die  Mühle  u.  andere  Nov.  (kleine  Bibl. 

Langen  42).    München   1906. 
Die  Sünde  des  Abb£  Mouret.    Dresden   1899. 
Die  Sünde  des  Priesters.    Berlin   1  805  u.  spätere  Aufl. 

—  Dtsch.  v.  O.  Schwarz.    Budapest   1888. 

Die  Tanzkarte  u.  andere  Novellen.    Dtsch.  v.  E.  Hardt. 

München   1901. 
Therese  Raquin.    Dtsch.  v.  E.  Berg.    Berlin   1899. 

—  lllustr.  Ausg.    Berlin    1900. 

—  Leipzig   1  898. 

—  Dtsch.  v.  J.  Savits.  Berlin   1887. 

—  Dtsch.  v.  C.  v.  Waiden.    Dresden   1 899. 

—  Dtsch  v.  L.  Wechsler.    Budapest   1888.    1898. 
Der  Totschläger  (L'Assomoir).    Berlin   1897. 

—  Neue  vollst.  Übers,  mit  Abbild.    Berlin   1 899. 

—  Dresden   1  899. 

—  Dtsch.  v.  O.  Schwarz.    Budapest   1  888. 

—  Dtsch.  v.  F.  Wohlfahrt.  1  Bde.    Grossenhain  1881. 


BJBLWGJjAPmSCTiETj  ANHANG       95 

Der    Totschläger.     Neue  Ausg.      Übers,  v.    R.    Rode. 

Grossenhain   1882. 
Der  Traum.    Dtsch.  v.  P.  Heichen.    Berlin   1899. 

—  Dtsch.  v.  A.  Ruhemann.    Budapest   1889.   1893. 

Um  eine  Liebesnacht  u.  a.  Nov.  Dtsch.  v.  E.  Berg. 
Berlin   1900. 

—  Bearb.  v.  H.  Carlawitz.    Dresden   1900. 

—  Dtsch.  v.  R.  Foerster.    Gr.-Lichterfelde   1  898. 

—  (Pour  une  nuit  d'amour)  u.  a.  Meisterwerke.  Dtsch.  v. 
F.  Höfen.    Leipzig   j  898. 

—  u.  a.  Novellen.     München   1900. 

Um  eine  Liebesnacht  u.  andere  Nov.  (kleine  Bibl.  Lan- 
gen 22).     München   1905. 

Um  eine  Liebesnacht.  Die  Austern  des  Herrn  Chabre. 
Neue  Übers.     Neuweissensee  o.  J.  (1905). 

Das  Vermächtnis  einer  Sterbenden.  Dtsch.  von  J. 
Calovius.     Grossenhain   1882.   1890. 

—  Dtsch.  v.  C.  v.  Waiden.  Dresden   1  899. 

Die  vier  Jahreszeiten  (u.  anderes).  Dtsch.  v.  E.  Kühne. 
Leipzig   i  898. 

Wahrheit.  3.  Tl.  d.  „Vier  Evangelien".  Dtsch.  v.  L. 
Rosenzweig.     2  Bde.     Stuttgart   1903. 

Was  ich  nicht  leiden  mag.  Dtsch.  v.  P.  Heichen.  Leip- 
zig j  886. 

Die  Wasser  steigen  u.  andere  Novellen.  München  1900. 

Das  Werk.  Dtsch.  v.  E.  Ziegler.  Dresden  1895.  4.  A. 
v.  Aus  der  Werkstatt  der  Kunst.   i  886. 

Die  wilde  Jagd.     Leipzig   1898.   1903. 

Der  Wunsch  der  Toten.  Dtsch.  v.  M.  Pannwitz,  ill. 
Stuttgart   j  90 1 . 

Der  Wunsch  einer  Verstorbenen.  Dtsch.  v.  L.Wechsler. 
Budapest   i  890. 

Zum  Glück  d.  Damen.     Übs.  v.  H.Rose.     Berlin   1895. 

—  Dtsch.  v.  A.  Schwartz.     2  Bde.     Budapest   1883. 

—  Dtsch.  v.  K.  Walther.     Mit  Abbildg.    Stuttgart  1900. 
Zum  Paradies  der  Damen.     Berlin    '807. 

—  Dtsch.  v.  C.  v.  Carlawitz.     Dresden   i  099. 

—  Dtsch.  v.  A.  Schwarz.     Budapest   1 892. 


9^      BJBLJ0G7{JlPTnSCHEJi  JUVHJUVG 

Zweierlei  Tuch.     Kasernengeschichten.     Berlin   1899. 

Der  Zusammenbruch  (Krieg  1870/71).  3  Bde.  Stutt- 
gart  1  892. 

—  111.  v.Wald,  Bergen  etc.     Stuttgart   1901. 

Das  Fest  in  Coqueville  und  andere  Novellen. j  Reclams 

Der  Sturm  auf  die  Mühle  und  andere  Novellen./-  liniv.- 

Therese  Raquin.    Der  Totschläger.  )     Bibl. 

Germinal  (Hendels  Bibl.  d.  Ges.  Litt.). 

Therese  Raquin.  Die  Überschwemmung.  Kürsch- 
ners Bücherschatz. 


LITERATUR  ÜBER  EMILE  ZOLA. 

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inedits  d'  E.  Z.     Paris   1882. 
Ami  eis,  E.  de,   Souvenirs  de  Paris  et  de  Londres,  trad. 

p.  Mme.  J.  Columb.     Paris   1880. 
Arnaud,  La  debäcle  de  Zola. 

Arnault,  Mme.,  M.  Zola,  Pape  et  Cesar.     Paris   1879. 
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Bleibtreu,  C,    Die  Vertreter  des  Jahrhunderts.     Bd.  11. 

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commemorato  in  Roma.     Roma   1902. 
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Brocchi,  V.,  E.  Zola.     Discorso.     Recanati    1902. 
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BJBLWG7{APT{JSC?iE7{  ANHANG       97 

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Paris   1879.   1892. 

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Deraismes,  M.,  Epidemie  naturaliste.     Paris    1888. 

Desprez,  L.,  Evolution  naturaliste.     Paris   1884. 

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Steinlen,  gravees  par  Perrichon.     Paris    1902. 


98      BWUOGT{AVJilSCJi'ET{  ANHANG 

France,  A.     La  vie  litteraire.     4  vols.     Paris   1888/92. 
Gaufinez,    Etüde  syntaxique  sur  Ja  langue  de  Zola  dans 

le  Dr.  Pascal.     Bonne   1 895. 
Gille,  P.,  La  bataille  litteraire.     Paris   1875. 
Ginisty,  P.,  L'annee  litteraire.     Paris   1885. 
Goldbeck,  E.,  Zolas  Beichte.     Berlin   1898. 
Goncourt  freres,  Journal  t.  HL  V.  VI.     Paris   1888/92. 
Harborough,  R.,  E.  Zola.     London   1893. 
Hennequin,  E.,  Quelques  ecrivains  francais.    Paris  1 890. 
Henry,  F.,  Critique  au  jour  le  jour.     Paris   1887. 
Hubert,  L.,  Le  roman  naturaliste.     Le  Puy   1885. 
J.  M.  L.,  Le  Zolai'sme.     Lyon   1892. 
Laporte,  A.,    Emile  Zola  et  les  Dreyfus,  ou  la  Debäcle 

des  traitres.     Paris   1898. 

—  Le  naturalisme  ou  l'immoralite  litt.  E.  Zola,  l'homme 
et  l'oeuvre,  suivi  de  la  bibliographie  de  ses  ouvrages  et 
de  la  liste  des  ecrivains  qui  ont  ecrit  pour  ou  contre 
lui.     Paris   1898. 

—  Zola  contra  Zola.  Erotica  naturalistes  des  Rougon- 
Macquart.     Paris   1 896. 

Larroumet,NouvelJes  etudes  de  litt,  et  d'art,  11.  Paris  1  894. 
Le  Blond,  M.,  E.Zola  devant  les  jeunes.     Paris   1898. 
Le   Bourgeois,   l'oeuvre   de  Zola   (Karrikassaen).      Paris 

1898. 
Lemaitre,  Les  contemporains.     Paris   1885. 
Lothar,  Kritische  Studien.     Breslau   1895. 
Lotsch,  F.,  Über  Zolas  Sprachgebrauch.    Greifswald  1895. 

—  Wörterbuch  z.  d.  Werken  Zolas  u.  ein.  and.  mod.  Schrift- 
steller.    Greifswald  1896. 

Macrobe,  Ambr.,  La  flore  pornographique,  Glossaire  de 

l'ecole  naturaliste.     Paris   1 883. 
Mai  er,  G.,  Der  Prozess  Zola  v.  d.  Schwurgericht  zu  Paris 

im  Febr.   1898.     Bamberg   1898. 
Massis,    H.,    Comment    E.  Zola    composait    ses    romans. 

Paris  1906. 
Maupassant,  G.  de,  E.  Zola.     Paris   1883. 
Mauthner,  F.,   Von  Keller  zu  Zola.     Kritische  Aufsätze. 

Berlin   1887. 


•BTBUOGTjAPmSCH'ETi  AJMJiAJ^G      99 

Della  Nana  di  Em.  Zola,  appunti  e  note.     Bergamo  1880 
Nus,  Eug.,  La  republique  naturaliste.   Lettre  a  M.  E.  Zola. 

Paris  1879. 
Paer,  A.,  Contes  ä  Zola.     Paris   1884. 
Paludan,  Emile  Zola  og  Naturalismea.    Kopenhagen  1  897. 
Pardo  Bazan,  Le  naturalisme.     Paris   1887. 
Paris  et,   C,    L'Opera    sociale    di    E.  Zola.     Conferenza. 

Fano  J903. 
Pelissier,  Essais  sur  la  litterature  contemp.     Paris  1894. 

—  Nouveaux  essais  sur  la  litterature  contemp.    Paris  1  895. 
Philipp,  O.,    Der    deutsche   Zola?     Enthüllungen.     Wien 

1905. 
Pontmartin,  A.  de,  Nouveaux  samedis.     Paris   1879. 

—  Souv.  d'un  vieux  critique.     2  vols.     Paris   1881/86. 

Le  Proces  Zola  devant  la  cour  d'Assise  de  la  Seine  et  la 

cour  de  Cassation  7  et  23  fevrier,  31  mars,  2  avril  1898. 

Compte  rendu  stenographique  in   extenso   et   documents 

annexes.     2  vols.     Paris   1 898. 
Ramond,  F.  C,  Les  personnages  des  Rougon  -  Macquart 

pour  servir  ä  la  lecture  et  ä  l'£tude  de  l'oeuvre  d'  E.  Zola 

Paris   1901, 
Rauber,  A.,  Die  Lehren  v.  V.  Hugo,  L.Tolstoi  u.  E.  Zola 

üb.  d.  Aufgaben  des  Lebens,    vom  biol.  Standpunkt  aus 

betrachtet.     Leipzig   1 896. 
Resplendino,  C,  Commemorazione  di  E.Zola.   Caraglio 

1903. 
Mgr.  Ricard,  La  vraie  Bernadette  de  Lourdes:    Lettre  ä 

M.  Zola.     Paris   1894. 
Ricca,  V.,  E.Zola  e  ilromanzo  sperimentale.  Catania  1902. 
Rod,  E.,  A  propos  de  l'Assomoir.     Paris   1879. 

—  Les  idees  morales  du  temps  präsent.     Paris   1  894. 
Romualdi,   G.,    Per   Emilio   Zola.     Conferenza.     Teramo 

1902. 
Sanctis,  F.  de,  Zola  et  l'Assomoir.     Napoli    1879. 
Sautour,  A.,  L'oeuvre  de  Zola,  sa  valeur  scient.,  mor.  et 

soc.     Paris    1 893. 
Savine,  A.,  Les  £tapes  d'un  naturaliste.     Paris   1885. 
Scherer,  Ed.,  Etudes  sur  la  litt.  cont.  Vll.     Paris   1883. 


100    BWUOGJjJlPmSCIiEJi  AmiM'NG 

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Balzac,  Flaubert,  Daudet,  Zola,  Maupassant.  Karlsruhe 
1903. 

Serre,  M.?  Zola  et  le  rdalisme.     Paris  1881. 

Stern,  S.,  Tolstoi,  Zola  u.  das  Judentum.  Frankfurt  a.  M. 
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Lieben.  Erläutert  v.  A.Schwarz.  2.  Aufl.  Budapest  1  899. 


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Gedruckt    in    Leipzig 
bei  Poeschel  &  Trepte 


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